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Mit „Barmherzigkeit“ den japanischen Markt erobert

Als das Unternehmen „Precision Optical Industry Co., Ltd. Canon“ am 10. August 1937 in der japanischen Hauptstadt Tokio gegründet wurde, hatte es bereits ein erfolgreiches Produkt auf dem Markt. Denn bereits im Februar des Vorjahres war ein preisgünstiger Leica-Nachbau vorgestellt worden.

Canon

Seit über 25 Jahren ist Canons EOS-Reihe auf dem Markt.
Bild: Canon

Die 1932er „Leica II“ der Firma Ernst Leitz aus Wetzlar und die „Contax I“ des Dresdner Zeiss Ikon Konzerns, die im Jahr darauf Premiere hatte, waren die modernsten 35mm-Schlitzverschluss-Kameras der damaligen Zeit. Die beiden Marken repräsentierten den ganzen Stolz deutscher Ingenieurskunst und hatten begeisterte Fans auf der ganzen Welt – auch in Japan.

Da das Monatsgehalt eines Absolventen einer japanischen Elite-Universität aber maximal 70 Yen und der Preis einer Leica 420 Yen betrug, bezeichnete man die Kamera in Japan als „takane no hana“ – weit außerhalb der Reichweite liegend. So ist es leicht nachzuvollziehen, dass es für günstigere Nachbauten einen Markt gab.

Der Mann, der die erste japanische 35-mm-Mess-Sucherkamera herzustellen versuchte, hieß  Goro Yoshida. Nach Firmenangaben hatte Yoshida den Entschluss gefasst, Kameras zu bauen, nachdem ein US-amerikanischer Foto-Händler in Shanghai ihn gefragt hatte, warum sein Land nicht in der Lage sei, eine eigene Kamera herzustellen – schließlich habe Japan bereits gute Schlachtschiffe und Flugzeuge produziert.

Yoshida demontierte daraufhin eine „Leica II“ und studierte ihr Innenleben intensiv. Zu seinem Erstaunen fand er dort ausschließlich Teile aus relativ preiswerten Materialien wie Messing, Aluminium, Stahl und Gummi vor.

Zusammen mit seinem Schwager und dessen ehemaligem Angestellten gründete er im November 1933 ein Entwicklungslabor, das er jedoch bereits im darauffolgenden Herbst wieder verließ. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Yoshida allerdings mehrere Prototypen entwickelt, die stark an die Leica erinnerten.

Nachdem im Februar 1936 die „Hansa Canon“ für 275 Yen – und somit tatsächlich deutlich günstiger als die Leica – auf den Markt gekommen war, ergänzten ab 1939 die Leica-Nachbauten Canon S, J, NS und JS das Sortiment der Firma.

In den folgenden 25 Jahren produzierte Canon weiterhin hauptsächlich Mess-Sucherkameras und Objektive mit Leica-Schraubgewinde. Mit dem Modell „Canon V“ entwickelte sich ab 1956 das typische Werksdesign, das bis in die 1990er-Jahre beibehalten wurde.

1964 begann die Spiegelreflex-Ära

Ende der 1960er Jahre wurde die Produktion von Mess-Sucherkameras bei Canon eingestellt – die Ära der Spiegelreflex-Kameras hatte begonnen. Bereits im April 1964 hatte Canon mit dem Spiegelreflex-Modell FX die F-Serie eingeführt, die den Siegeszug von Canon einläuten sollte.

Im März 1983 wurde mit der T-50 die T-Serie vorgestellt. Diese Kameras hatten zwar noch keinen Autofokus, aber schon einen eingebauten Motorantrieb, der den Film automatisch transportierte. Die Rolle als Spitzenkamera für den engagierten Amateur übernahm die T-70. Mit der „EOS 650“ stellte Canon 1987 dann seine erste Autofokus-Spiegelreflexkamera vor.

Seit Mitte der 1980er Jahre bietet Canon auch Digitalkameras an. Es begann mit der RC-Modellreihe, später folgten digitale Kompaktkameras der Reihen „PowerShot“ und „Digital IXUS“ sowie die digitalen Spiegelreflexkameras der „EOS-Digital“-Serie.

Heute ist Canon der größte Kamerahersteller der Welt. Der Markenname leitet sich übrigens von den Kamera-Prototypen ab, die Goro Yoshida „Kwanon“ getauft hatte, weil er ein Anhänger der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit „Kwannon“ war.

 

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