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Nachtwächterführungen im RWN-Gebiet


Mit Laterne, Hellebarde und Horn

Die dunkle Jahreszeit war einst die Zeit der Nachtwächter: seit dem Mittelalter sorgten sie nachts für Sicherheit und Ordnung. Heutzutage werden vielerorts – so auch in Altenkirchen, Unkel und Hennef – Führungen angeboten, die sich diesem überholten Beruf widmen.

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Günter Imhäuser, Nachtwächter in Altenkirchen

Günter Imhäuser aus Michelbach schlüpft seit zwei Jahren in die Rolle eines Nachtwächters und führt Interessierte durch das abendliche Altenkirchen. Dabei arbeitet der 66-Jährige überwiegend mit Geschichten, die die Arbeit eines Nachtwächters beschreiben. Beiläufig erfährt man zudem, seit wann es Nachtwächter gibt oder seit wann Altenkirchen eine Stadt ist. „Aber ich habe festgestellt, die Leute wollen nicht von Zahlen erschlagen werden, sie wollen lachen und Spaß haben“, so Imhäuser. Da in der Stadt nur eine Handvoll Häuser und Teile der Stadtmauer noch auf das Mittelalter zurückgehen, greift er vielfach auf Skizzen zurück, um das mittelalterliche Altenkirchen zu veranschaulichen.

Zwei- bis dreimal im Jahr werden die Führungen über die KVHS Altenkirchen angeboten. Die nächste findet am 16. Dezember um 17 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 2,50 Euro. Anmeldungen sind unter www.vhs.kreis-ak.eu möglich. Gruppen können auch einen individuellen Termin vereinbaren.

Historisches und Anekdotisches

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Willi Schlüssel, Nachtwächter in Stadt Blankenberg

Im Hennefer Ortsteil Stadt Blankenberg finden von Oktober bis März Nachtwächterführungen statt. Seit 2004 nimmt ein mit Hellebarde, Horn und Laterne ausgestatteter Nachtwächter die Teilnehmer mit auf einen 90-minütigen Rundgang durch die mittelalterlichen Gassen. An verschiedenen Stationen macht er Halt, um Historisches und Anekdotisches zu erzählen. Manchmal trifft er unterwegs weitere Personen, die über das Leben in der mittelalterlichen Stadt berichten. Zum Abschied wird Met ausgeschenkt.

Seit Anfang an mit dabei sind Brigitte Helfen und Waltraud Schlüssel. Während Helfen die Führungen für Erwachsene alleine durchführt, ist Schlüssel mit ihrem Mann unterwegs. Willi Schlüssel gibt dann den Nachtwächter, während seine Frau etwa in die Rolle einer Nonne sowie eines zänkischen Weibs aus Adscheid schlüpft.

Alleine bestreitet die gebürtige Kölnerin, die seit 41 Jahre in Hennef wohnt, einstündige Führungen für Kinder. Hier erscheint sie im Nachtwächtergewand, erklärt aber, dass früher nur Männer Nachtwächter waren. Das Angebot ist mit vielen kindgerechten Elementen gespickt. „Ich habe immer Handpuppen dabei. Es gibt eine Geschichte über einen edlen Ritter Kuno Schmitz“, so Schlüssel. Zudem dürfen die Kinder eines der Stadttore nur passieren, wenn sie der Nachtwächterin vorher ihr Begehren, warum sie in die Stadt wollen, mitgeteilt haben.

Die nächste Erwachsenen-Führung findet am 4. November, die nächste Kinderführung am 9. Dezember statt – jeweils um 18.30 Uhr. Das erste Angebot kostet 10 Euro, das zweite pro Kind 2 Euro, pro Erwachsenem 4 Euro. Anmeldungen sowie Buchungen für Gruppen sind unter Telefon 0 22 42/1 94 33 möglich.

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Werner Geißler, Nachtwächter in Unkel
Bilder: Geschichtsverein Unkel, privat

In Unkel bietet der Geschichtsverein historische Nachtwächterführungen. Der Nachtwächter führt die Besucher spätabendlich durch das alte Städtchen, vorbei an sehenswerten historischen Gebäuden. Bei dem etwa 90-minütigen Rundgang begegnen ihm Unkeler Persönlichkeiten aus vergangenen Jahrhunderten, wie die Königin Richeza, Ferdinand Freiligrath und Pfarrer Eschenbrender.

„In der jetzigen Form führen wir die Nachtwächterführungen seit etwa zehn Jahren durch“, weiß Wolfgang Ruland. 2016 wurden sieben öffentliche Führungen zu vorbestimmten Zeiten im Programm des Geschichtsvereins angeboten. „Private Führungen können jederzeit gebucht werden“, so Ruland. Anfragen werden unter Telefon 0 22 24/4605 und per Mail an geschichtsverein@unkel.org entgegengenommen. (eg)

 

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