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Marken des Alltags: Vossen


Nach dem Sprung ins kühle Nass…

Das oder der Frottee ist laut Duden eine „französierende Bildung“ zum Verb frottieren, dessen Herkunft wiederum ungeklärt ist. Es bedeutet jedenfalls kräftig reiben und abreiben. Dass man sich nach der Rückkehr aus dem kühlen (oder warmen) Nass mit einem Frottee-Badetuch abreibt, ist zwar heute selbstverständlich, war hierzulande bis in die Zwanziger Jahre allerdings der gesellschaftlichen Oberschicht vorbehalten.

Gegründet worden ist die Firma Vossen 1925 in Gütersloh. Mittlerweile werden Handtücher und Bademäntel von Vossen allerdings in Österreich und in der Türkei gefertigt.
Bild: Vossen

Im Jahre 1850 kehrte der Brite Henry Christy von einem Türkeibesuch zurück und brachte ein Handtuch mit, das auf der Oberseite aus dem besonders saugfähigen Schlingengewebe Frottier bestand, das im Westen bis dahin unbekannt gewesen war. Sein Bruder Richard entwickelte daraufhin ein Verfahren zu dessen maschineller Herstellung. Bereits zwei Jahre später arbeiteten die ersten mechanischen Frottierwebstühle.

Die Idee, aus dem damaligen Luxusgewebe Frottier einen erschwinglichen Gebrauchsartikel für breite Schichten der deutschen Gesellschaft zu machen, hatte 1925 der gelernte Brennmeister Burghardt Vossen aus Gütersloh. Während einer Englandreise waren ihm die dort inzwischen weitverbreiteten Frottier-Produkte aufgefallen. Am 6. Mai desselben Jahres gründete er an der Neuenkirchener Straße im Gütersloher Ortsteil Kattenstroth eine kleine Frottierweberei.

Die Firma hatte bald Erfolg und wuchs dementsprechend schnell: 1936 arbeiteten bei Vossen bereits 400 Mitarbeiter im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Burghardt Vossen abermals ein neuartiges Produkt auf den deutschen Markt: 1951 war er der Erste, der neben Handtüchern und Waschlappen auch Haus- und Bademäntel aus Frottier herstellte.

In den folgenden Jahrzehnten expandierte das Unternehmen weiter: Man gründete Zweigwerke außerhalb von Gütersloh, unter anderem im westfälischen Warburg und in Jennersdorf im österreichischen Burgenland. In den 80er Jahren beschäftigte man zeitweise etwa 3500 Mitarbeiter. Doch im darauffolgenden Jahrzehnt kamen mehrere Faktoren zusammen, die Vossen zu schaffen machten: zum einen der durch die Globalisierung der Textilindustrie ausgelöste Preisdruck, zum anderen unternehmerische Versäumnisse.

Im Zuge einer Umstrukturierung wurde der Hauptsitz 1996 an den österreichischen Standort Jennersdorf verlegt – der Konkurs im Jahr darauf konnte jedoch nicht mehr verhindert werden. Das Hauptwerk in Gütersloh-Kattenstroth wurde geschlossen. Eine Investorengruppe, unter anderem das Land Burgenland, übernahm Produktion und Markenrechte.

Heute exportiert Vossen seine qualitativ hochwertigen Handtücher, Bademäntel und Badeteppiche, die im burgenländischen Stammwerk sowie von einem Kooperationspartner in der Türkei gefertigt werden, in über 43 Länder der Welt. Auch im Vorteil-Center sind die Produkte des seit 2004 zu 100 Prozent zur österreichischen Linz Textil AG gehörenden Unternehmens erhältlich.

Übrigens: Udo Jürgens trug bei seinen Konzert-Zugaben bekanntlich stets einen weißen Bademantel – er war sein Markenzeichen. In der Regel handelte es sich dabei um die Vossen-Modelle „Feeling“ oder „Weekend“. Jürgens’ Plattenfirma kaufte diese regelmäßig mit Großkundenrabatt. Einen Vertrag gab es erstaunlicherweise nicht. In einem Interview mit dem „Zeit-Magazin“ verriet Jürgens, dass der Auslöser für den Bademantel-Mythos ein Konzert in Hamburg 1969 war, als eine Viertelstunde nach Ende noch immer gejubelt wurde. Er ging noch mal raus auf die Bühne, im weißen Bademantel – „geschlossen natürlich.“ (cm)

 

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