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Erfahrungen von Kursanbietern und Verkäuferinnen


Nähen, Häkeln & Co ist nicht aus der Mode

Auch wenn „textile Handarbeit“ etwas antiquiert klingt, sind Hobbys wie Nähen, Häkeln & Stricken heutzutage durchaus aktuell – und das nicht nur bei älteren Frauen, sondern vor allem auch bei Kleinkind-Müttern.

RWN Termin Vorteil Center Asbach; Stoffabteilung v.l.r. Melanie Schulz, und Janette Zien

Ordentlich Stoff geben Melanie Schulz und Jeanette Zien aus der Stoffabteilung im Vorteil-Baucenter.
Bild: H.-W. Lamberz

Es sei nie aus der Mode gekommen, „Mode selbstzumachen und die Nachfrage ungebrochen“, sagt Mechthild Tillmann, die Direktorin der Volkshochschule Rhein-Sieg. „Wir haben vor 25 Jahren schon Modenschauen aus den eigenen Nähkursen gemacht, weil das ein Urbedürfnis zu sein scheint, dass die Frau gerne etwas Eigenes entwirft, was eben nicht jede andere hat, und so ihre Individualität zum Ausdruck bringt.“ Von der Schülerin bis zur Seniorin sind in den Kursen „alle Altersgruppen und Schichten vertreten“. Ganz neu ist ein „Upcycling-Fashion“-Kurs, in dem aus alten Textilien hippe Kleidungsstücke entstehen.

Bekleidungstechnikerin Inge Kurtenbach leitet im Auftrag der Katholischen Familienbildungsstätte Linz Nähkurse in St. Katharinen und in Linz. Sie hat die Erfahrung gemacht, „dass das im Moment total im Kommen ist, gerade bei jüngeren Frauen, die kleine Kinder haben“. Genauso sieht es auch Brigitte Lehnert aus Waldbreitbach, die seit zehn, zwölf Jahren Nähkurse für die Kreisvolkshochschule Neuwied gibt, zwischendurch aber mal pausiert hat, „weil es nicht mehr so gefragt war“.

Genäht werden etwa Sachen für Babys und kleine Kinder, Kostüme für Karneval, Kleider und manchmal auch Decken. Lehnert erinnert sich aber auch an eine Teilnehmerin, die nur daran interessiert war, zu erfahren, wie man Kleidung umändert. „Es gibt Stammkunden, die sagen: ‚Dieses Semester näh ich ein Kostüm und beim nächsten Mal trau ich mich mal an einen Mantel.’ Die bleiben dann ihrer Kursleiterin treu“, erzählt Mechthild Tillmann. „Mittlerweile ist schon in mehreren meiner Kurse ein fester Stamm drin“, weiß auch Inge Kurtenbach zu berichten. Die Frauen kommen in den Nähkurs, weil sie dann wissen, dass sie einmal in der Woche nähen, weil sie sich zu Hause eh keine Zeit dafür nehmen.

Dass Nähen „extrem zugenommen“ hat, findet auch Marion Efferoth, die für die Stoffabteilung im Vorteil-Baucenter Asbach zuständig ist. Beliebt sei derzeit etwa die Anfertigung von Taschen. „Wir haben von einer Firma Mustertaschen und die passenden Stoffe dazu bekommen“, so Efferoth. „Dann können die Kunden das nachnähen.“ Zudem würden immer noch viele Loop-Schals selber genäht, mittlerweile aber nur noch aus Jersey-Stoff. Eben daraus werde auch viel für Kleinkinder, etwa Mützen und Strampelhosen, genäht.

Nicht nur Ältere handarbeiten

„Und dann gibt’s noch ganz weichen Kuschelfleece“, weiß die Fachverkäuferin. „Als wir ihn das erste Mal bekommen haben, war er unifarben. Jetzt gibt’s ihn auch mit Mustern drauf, mit Sternen und Blumen. Das kommt jetzt immer mehr.“ Verarbeitet werde er meist zu Krabbeldecken oder Decken für den Kinderwagen. Ihre durchweg weiblichen Kunden schätzt sie auf Mitte 20 bis 80. „Immer mehr Jüngere nähen. Das wundert mich. Früher war das ja gar nicht“, sagt sie. „Ich habe auch zwei Freunde, die ein Baby bekommen haben. Die haben das Nähen jetzt entdeckt und machen nur noch Mützchen und Hosen.“

Kollegin Susanne Stoffels aus der Wollabteilung meint, dass auch das Stricken von Strümpfen & Co wieder voll im Trend ist. Aber: „Das sind nicht nur die alten Damen. Das hat sich gewandelt. Es sind auch junge Leute, die stricken und häkeln, die eine Anleitung haben und dann kommen und das machen wollen.“ Auch in Schulen werde wieder viel häkeln gelehrt. Sehr beliebt ist laut Stoffels das dünne Baumwollgarn Catania, aus dem vom Schlüsselanhänger bis zum Kuscheltier alles Mögliche gehäkelt wird.

„In den letzten fünf bis acht Jahren hatten wir ein Strickrevival, das gerade abgelöst wird vom Häkeln. Das geht vom Einsteigerseminar bis hin zum 3D-Häkeln“, meint VHS-Direktorin Tillmann. Gut nachgefragt sei auch der neue Klöppelkurs: „Es gibt ein wirkliches Interesse, sich auf so eine stille Art mit filigranen Fertigkeiten zu beschäftigen.“ (eg)

 

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