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Schiedsrichter stehen oft in der Kritik


„Nicht leicht, sich durchzusetzen“

Hierzulande finden nach Angaben des DFB über 1,6 Millionen Fußballspiele jährlich statt – also rund 4400 Begegnungen pro Tag. Jedes dieser Spiele benötigt jemanden, der den Regeln zur Geltung verhilft: den Schiedsrichter. Rund 75.000 Unparteiische gibt es in Deutschland. Und ihr Amt ist wahrlich kein leichtes. Nicht nur, dass sie Situationen blitzschnell erkennen und bewerten müssen, für viele sind sie wegen manchen Entscheidungen die Buhmänner der Nation.

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Schiedsrichterobmann Michael Groß wünscht sich manchmal einen besonneneren Umgang mit den Spielleitern.
Bild: Privat

„Es ist oft nicht leicht, sich als Schiedsrichter durchzusetzen“, erklärt Michael Groß, Schiedsrichterobmann und -ansetzer im Fussballverband Rheinland, Kreisteil Westerwald-Wied. „Man muss sich damit anfreunden, dass einige Spieler die Schiri-Leistung immer kritisieren oder die Person selbst nicht akzeptieren wollen. Hektik und Zoff allerdings werden meistens von außen herangetragen“, zeichnet der Raubacher das aktuelle Bild auf.

Dass Trainer, Betreuer oder Zuschauer aufs Spielfeld rennen und den Schiedsrichter angreifen, ist ihm innerhalb seines Zuständigkeitsgebietes zwar noch fremd. Doch in seinen Augen verschärft sich die Situation zusehends – vor allem im Jugendbereich. „Bei Eltern und Betreuern ist die Hemmschwelle gesunken. Ihre Beleidigungen werden immer wüster und gehen oft unter die Gürtellinie. Der Respekt ist einfach verloren gegangen, gerade gegenüber unseren Nachwuchs-Schiris. Nicht wenige haben wegen den Beleidigungen schon nach den ersten drei, vier Spielen das Handtuch geworfen.“

Soweit kommen müsste es eigentlich nicht. „Werden die eigenen Spieler oder das eigene Kind auch so wüst beschimpft, wenn sie eine glasklare Chance vergeben?“, wünscht sich Michael Groß einen besonnenen Umgang mit den Spielleitern. „Wenn wir Schiedsrichter, vor allem die jungen, von außen auch mal so behandelt werden würden wie die eigenen Spieler oder die eigenen Kinder, ja, das wäre was…“.

Über zu wenige Referees klagen wie in anderen Bezirken, kann der Schiedsrichterobmann gleichwohl nicht. Mit rund 170 ausgebildeten Schiedsrichtern stehe eine ausreichende Anzahl zur Verfügung. „Schwierig wird es nur mit der Ansetzung an Samstagen. Da finden im Jugendbereich 40 bis 50 Spiele statt, für die eine Lösung her muss. Denn die Jungen wollen ja noch selber spielen und viele Ältere müssen anderen Verpflichtungen nachgehen. Sonntags wiederum ist die Koordination recht entspannt.“ (imr)

 

 

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