Nicht nur ein Miteinander

Vor genau 500 Jahren – am Vorabend vor Allerheiligen 1517 – soll Martin Luther an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen zu Ablass und Buße angeschlagen haben. Dies ist auch der Anlass für die Ausstellung „500 Jahre Reformation in Linz am Rhein“, die bis einschließlich Freitag, 3. November, in der Katholischen Kirche St. Martin und der Evangelischen Kirche in Linz jeweils mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr kostenlos zu sehen ist.

In der Evangelischen Kirche in Linz findet die Finissage der Ausstellung am Freitag, 3. November, statt.
Bild: Stadtarchiv Linz

Etwa neun Monate Arbeit hat die Linzer Stadtarchivarin Andrea Rönz im Vorfeld in die Konzipierung und Gestaltung der Ausstellung investiert. Dabei stammen die Ausstellungsstücke aus den beiden Pfarrarchiven, dem Linzer Stadtarchiv und auch von Linzer Privatleuten. „Beispielsweise ist in der St.-Martins-Kirche eine Lutherbibel aus Privatbesitz zu sehen“, sagt die Historikerin.

Und auch in der Linzer St.-Martins-Kirche ist ein Teil der Reformationsausstellung zu sehen.
Bild: Stadtarchiv Linz

Zudem werden dort Dokumente wie der Briefwechsel zwischen dem Kölner Kurfürsten und Erzbischof Hermann von Wied und dem Linzer Pfarrer Johannes Helie gezeigt sowie ein Statutenbuch der Bunten Stadt am Rhein, historische Messegewänder, Bücher oder auch Grabplatten.

Auch am Mittelrhein seien die 1540er Jahre eine sehr bewegte und unruhige Zeit gewesen. „Die Seelsorge lag in dieser Zeit in Linz brach“, berichtet die Linzer Stadtarchivarin. „Der zuständige Altgläubige Pfarrer Johannes Helie ließ sich nur vertreten und die Geistlichkeit war in der Bevölkerung zu dieser Zeit nicht besonders gut gelitten.“ Ein Zerwürfnis zwischen Stadtrat und Pfarrer begünstigte außerdem den Versuch Hermann von Wieds, die Reformation in Linz durchzusetzen. „Von Einigkeit war zu der Zeit in Linz nicht viel zu spüren“, sagt Andrea Rönz. So habe es hier beispielsweise auch Bilderstürme gegeben.

Papst und Kaiser griffen ein

Erst als Kaiser und Papst eingriffen, Hermann von Wied als Kölner Kurfürsten und Erzbischof absetzen ließen und Adolf III. von Schaumburg sein Amtsnachfolger wurde, wurde die alte Ordnung wieder hergestellt. Schließlich verließen 1570 die letzten sogenannten Neugläubigen Linz und es dauerte knapp 250 Jahre, bis es wieder eine evangelische Gemeinde in der Stadt gab.

In der evangelischen Kirche werden daher im Rahmen der Reformations-Ausstellung vor allem Dokumente zur Neugründung der evangelischen Kirche und zum Kirchenbau gezeigt. „Doch noch lange war das Verhältnis zwischen Katholiken und Evangelischen schwierig“, erzählt Rönz.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich dies stark gewandelt. Heute gibt es zwischen katholischer und evangelischer Kirchengemeinde in Linz ein gutes Miteinander, was sich auch darin zeigt, dass die Ausstellung in beiden Kirchen zu sehen ist.

Zum Ende der Ausstellung findet am Reformationstag, 31. Oktober, um 10 Uhr ein evangelischer Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Linz statt. Dort wird auch die Finissage am Freitag, 3. November, um 19.30 Uhr mit einer konzertanten Lesung von Jessica Burri zum Thema „Die Apostel Gottes: Frauen der Reformation“ veranstaltet.

Der Katalog zur Ausstellung ist übrigens kostenlos in beiden Kirchen, im Stadtarchiv und in der Tourist-Info in Linz erhältlich. (msc)

 

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