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Mit Menschen: Nina & Dariush Zare


Odyssee in ein neues Leben

Nina und Dariush Zare flohen vor einem Jahr aus dem Iran und leben nun in Linz. In den letzten sechs Jahren hat sich das Leben der beiden politischen Aktivisten grundlegend verändert.

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Aufgrund der politischen Lage in ihrer iranischen Heimat sind die Zares im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen.
Bild: Presseagentur Funk

In ihrer Heimat lebte das iranische Ehepaar in der Nähe der Großstadt Schiras. Der 32-jährige Dariush arbeitete als Koch, seine 29-jährige Frau Nina studierte Genetik. Beide standen der „Grünen Bewegung“ nahe. Im Juni 2009 demonstrieren Tausende Iraner auf den Straßen Teherans und anderer Städte wie Schiras. Sie warfen dem Regime vor, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2009 gefälscht zu haben.

Das Mullah-Regime reagierte mit Härte auf die Demonstranten. Der Iran wurde zum Schlachtfeld. Polizisten prügelten auf wehrlose Menschen ein. Tausende wurden festgenommen und zu Gefängnisstrafen verurteilt; über 100 Menschen kamen durch das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte oder im Gefängnis unter Folter ums Leben.

Dariush war einer der Gefangenen. Er wurde 2009 und 2010 vom iranischen Staatssicherheitsdienst festgenommen. Nach einem Jahr auf Bewährung kam er frei, wurde im Jahr 2014 aber erneut verurteilt – zu sechs Jahren Haft. Auch Nina wurde durch den Staatssicherheitsdienst befragt. „Ich musste jede Woche dorthin gehen und ich fühlte mich physisch bedroht“, erzählt sie. Das Paar lebte und arbeitete schlussendlich unter so großem Druck, dass es sein Heimatland verlassen musste.

Zunächst flohen Nina und Dariush Zare über die Landesgrenze in die Türkei. Von dort gelangten sie mit einem Flüchtlingsboot nach Griechenland, wurden von den Behörden in einen Bus gesetzt und trafen nach einer dreiwöchigen Reise über Serbien und Österreich völlig erschöpft in Deutschland ein.

In Linz haben sich die beiden ein neues Leben aufgebaut. „Wir sind Deutschland und den Deutschen dankbar, können hier frei sprechen. Wir haben einen netten Vermieter, er und seine Frau helfen uns“, sagt Nina. „Als wir nach Linz kamen, halfen sie uns bei der Orientierung. Sie luden uns manchmal am Wochenende zum Mittagessen oder Kaffeetrinken ein. Wir hatten Glück, dass wir sie kennengelernt haben.“

Die erste Anhörung zur Anerkennung ihres Asylantrags beim Bundesamt für Migration hat das Paar noch nicht absolviert, da es einen ständigen Deutschkurs noch nicht besuchen darf. Dariush besucht derzeit an zwei Tagen in der Woche einen Deutschkurs in Linz. Seine Frau Nina versucht im Internet etwas zu lernen. Da sie weiterhin hier leben und auch arbeiten möchten, ist es den beiden wichtig, die deutsche Sprache zu erlernen.

Derzeit arbeiten sie drei Stunden täglich in der Bibliothek der Robert-Koch-Schule in Linz. Pro Stunde bekommen sie einen Euro. „Wir sind derzeit zufrieden mit dieser Arbeit, da wir dabei Deutsch lernen können und unsere Kollegen sehr nett sind“, sagt Dariush. An zwei Tagen in der Woche trifft er sich mit seinen Freunden in der Linzer Sporthalle, um Fußball zu spielen. Zudem fährt er oft Fahrrad.

Nina trifft sich donnerstags mit einer Frauengruppe im Katholischen Pfarrheim in Linz zum gemeinsamen Kochen. „Kochen und essen bringt Menschen zusammen und in gemeinsamer Runde macht Kochen gleich noch mal so viel Spaß und man kann das Essen anderer Länder und Kulturen probieren“, sagt die Iranerin, die im Februar ein Kind erwartet.

Eine Rückkehr in den Iran steht für das Paar derzeit nicht zur Diskussion. „Ich würde zurückkehren, wenn die Regierung sich verändern und meine Frau in der Öffentlichkeit den Schleier nicht tragen müsste“, sagt Dariush. (as)

 

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