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Fledermäuse sind keineswegs dämonisch


Possierliche Tierchen

Von Fledermäusen geht eine besondere Faszination aus. Im Mittelalter galten sie als dämonische Wesen. Auch wenn sie im Laufe der Zeit, etwa durch die Filmfigur Batman, der im Fledermauskostüm auf Verbrecherjagd geht, eine Aufwertung erfahren haben, gehören sie als Motiv auch heute noch auf jede Halloween-Party. Dabei sind Fledermäuse eigentlich harmlose und freundliche Tierchen.

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Wohl kaum gruselig: Ein junger Abendsegler bei Martin Lehnert in der Pflege.
Bild: M. Lehnert

Weltweit sind mehr als 900 Arten bekannt, in Deutschland sind 25 nachgewiesen, 17 davon stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. Microchiroptera, so die lateinische Bezeichnung der nachtaktiven Flieger, zieht sich zum Winter hin in Quartiere zurück, um dort die meiste Zeit schlafend zu verbringen. Das bekannteste und größte Refugium der Region befindet sich in den historischen Ofenkaulen im Siebengebirge.

„Die Ofenkaulen sind durch Gitter geschützt und bieten mit ganzjährigen Temperaturen von 0 bis 10 Grad und einer hohen Luftfeuchtigkeit ideale Bedingungen für die Fledertiere“, weiß Martin Lehnert. Der Biologe befasst sich seit seinem Studium mit den außergewöhnlichen Lebewesen und schrieb auch seine Diplomarbeit darüber.

Die hochintelligenten Fledermäuse seien „das einzige Säugetier, das ohne Hilfsmittel fliegen kann.“ Im Frühling und Sommer ziehen die Weibchen in ein „Frauenhaus“ und ziehen dort ihre Kinder auf. Ihren Revieren bleiben sie oft über Jahre treu. Die Männchen gehen als Einzelgänger auf Jagd.

Ab Ende August bis Mitte September kann man ganze Schwärme beider Geschlechter dabei beobachten, wie sie mögliche Winterquartiere abfliegen. Dabei checken sie in einem Radius von 100 Kilometern, ob diese noch bestehen und weiter gute Voraussetzungen bieten. Danach beginnt die Phase der verstärkten Jagd und des Fettansetzens für den Winterschlaf.

In dieser Zeit werden auch Junge gezeugt. Meist gebärt ein Weibchen nur ein Baby im Jahr. Dafür aber ist die Lebenserwartung mit bis zu 30 Jahren recht hoch. Ein wichtiger Grund für die Minimierung der Population in hiesigen Gefilden ist der Rückgang geeigneter Quartiere wie Höhlen, Felsspalten, Ruinen oder Dachböden.

Nicht selten werden bei Martin Lehnert, Lehrer am Gymnasium Hagerhof, Jungtiere und Säuglinge abgegeben, die ihre Mutter verloren haben. Mit einer Pipette und Kondensmilch zieht er sie groß und wildert sie dann aus. „Es sind ganz erstaunliche Tiere, sie sind gar nicht fern vom Menschen und kein bisschen scheu. Sie werden schnell zutraulich und schauen einen aus ihren kleinen Äuglein treuherzig an. Sie sind echt smart. Ihre Lebensweise kann ich nur als spannend bezeichnen. Ihr Echolot zur Ortung in der Dunkelheit einzigartig,“ gerät er ins Schwärmen.

Wer etwas für die bedrohten Tiere tun möchte, kann beim Naturschutzbund Deutschland eine Patenschaft übernehmen. Infos: www.nabu.de/spenden-und-mitmachen patenschaften/fledermaus. (mc)

 

 

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