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Deutschlands österliche Rituale


Räppeln, Eier suchen, Feuer machen

Das Ende der Fastenzeit bringt mit dem Osterfest traditionell zahlreiche Bräuche, die für Spaß und Unterhaltung sorgen. Für die Kinder möglicherweise das Wichtigste: Ostereiersuche in Gärten und Parks.

Räppelkinder in Linz am Rhein
Bild: H. W. Lamberz (RWN-Archiv)

Weit verbreitet ist neben der Eiersuche die Sache mit dem Osterschmuck in der Wohnung. Rechtzeitig in die Vase gestellte Zweige erfreuen da schon mal durch den ersten zarten Austrieb, werden aber auch gerne mit buntverzierten Ostereiern geschmückt.

In katholischen Regionen erzählt man (den Kindern), dass die Kirchenglocken am Karfreitag nach Rom fliegen und erst am Ostersonntag zurückkommen, um zu erklären, wieso sie an den Kartagen nicht läuten. Nicht nur in Linz und Umgebung haben sich da Traditionen als Ersatz gefunden. Da laufen beispielsweise in der Bunten Stadt bis zu 200 Teilnehmer zu bestimmten Zeiten mit ihren Holzräppeln durch die Stadt. Der unüberhörbare Lärm der Räppler zeigt den Mitbürgern also die Uhrzeit an. Die von der Volksbank traditionell verteilten Medaillen für die Teilnehmer zeugen inzwischen von einer langen Tradition und erzählen mit ihren jeweiligen Motiven selbst auch einiges aus der Stadtgeschichte.

Beim Frühstück werden in vielen Familien besondere Wettkämpfe ausgefochten: Zwei hartgekochte Eier werden mit den Spitzen gegeneinander geschlagen. Derjenige, dessen Ei dabei nicht kaputt geht, hat gewonnen. Kuchen in Hasen- oder Lammformen gebacken bereichern den österlichen Speisenplan, der häufig auch Lammbraten zu bieten hat.

Das Osterfeuer ist ein Ritual aus dem Mittelalter. Damit, so die Überlieferung, sollen die bösen Wintergeister vertrieben und der Frühling begrüßt werden. Das Osterfeuer auf der Erpeler Ley ist eines der bekanntesten in der Region.

Bei einem Osterritual in den alpinen Regionen werden Holzräder mit Stroh gefüllt, angezündet und den Berg heruntergerollt. Die Räder erreichen bis zu 60 Stundenkilometer. Das ähnliche Bike-Brennen aus der Küstenregion hat ebenfalls weniger mit Ostern als mit dem Ende des Winters zu tun.

Eierlauf und Osterreiten

Im Harz färbt man mit dem Ruß abgebrannter Kienspäne anderen Leuten das Gesicht. Denn der Asche, die ein guter Dünger ist, wurden besondere Kräfte zugeschrieben. Die Bauern achteten darauf, ob die Asche auf ihre Äcker und Weiden flog. Dort sollte Getreide besonders gut gedeihen.

Ostereierweitwerfen ist auch im Westerwald ein bekannter Brauch geworden. In Horhausen fliegen zum 32. Mal die Ostereier. In Bayern wird das Ei in ein Wollsäckchen gesteckt und so regelrecht durch die Luft geschleudert. Der Wurf wird wiederholt, bis die Eierschale kaputt ist. Sieger ist der, dessen Ei am längsten heil bleibt.

In manchen Orten gibt es den Eierlauf. Der Eiersammler muss eine große Zahl Eier einsammeln, die in gleichmäßigem Abstand auf einer Strecke liegen. Der Läufer muss gleichzeitig zu einem bestimmten Punkt laufen und wieder zurück. Das Team, das zuerst das Ziel erreicht, gewinnt.

Die genauen Ursprünge des Osterreitens sind unbekannt. Die Prozessionen in Bayern finden am Ostersonntag statt. In Frack und Zylinder gekleidete Männer reiten auf geschmückten Pferden eine Strecke entlang und verkünden die Auferstehung Christi. Entlang der Strecke versammelt sich eine große Zahl an Zuschauern, die das Spektakel beobachten.

Ostereierschießen wird in zahlreichen Orten der Region veranstaltet, wobei die bunten Preise für die besten Schützen dem Wettbewerb den Namen geben. Ähnlich geht es dem Ostereierkegeln. Wie beispielsweise in Erpel handelt es sich eigentlich um ein relativ normales Kegelvergnügen, mit dem Unterschied, dass man dort eben Ostereier gewinnt. Besonderheit in Erpel: Gekegelt wird in der Ortsmitte unter freiem Himmel.

Ins Freie zieht es zu Ostern – passende Witterung vorausgesetzt – auch im RWN-Land zahlreiche Familien. Für den Osterspaziergang liefert Altmeister Goethe berühmte Gedichtzeilen: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick…“ (vm/fu)

 

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