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Theresia Liedhegener führte schon oft den Martinszug an


Reitet St. Martina weiter?

Über zwanzig Jahre lange war die gebürtige Roßbacherin Theresia Liedhegener bei bis zu drei regionalen Martinszügen pro Jahr hoch zu Ross unterwegs. Ob die 47-Jährige auch in Zukunft noch in die Rolle des St. Martin schlüpfen wird, wird sich wohl am 9. November entscheiden.

St. Martins singing

Mit ihren bunt erstrahlenden Laternen folgen die Kinder rund um den 11. November vielerorts St. Martin auf seinem Pferd.
Bild: Fotolia/K. & U. Annas

Angefangen hat Theresias Liedhegeners Laufbahn als „St. Martina“ bereits vor über 20 Jahren. Ihren ersten Einsatz hatte sie Anfang der 90er Jahre in Strauscheid. Damals hatte der Feuerwehrkommandant und Cousin ihres Mannes angefragt, ob man bereit sei, als St. Martin beim örtlichen Martinszug mitzureiten. „Da ist schon über viele Jahre immer von der Feuerwehr jemand mit dem Mantel zu Fuß mitgegangen, weil sie kein Pferd hatten“, so Liedhegener, die damals seit Kurzem zwei Pferde besaß.

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Manchmal sitzt auf dem Pferd auch eine St. Martina. In Roßbach etwa schlüpfte Theresia Liedhegener häufiger in diese Rolle.
Bild: privat

Mit ihrer Stute „Sonja“ stellte sie sich der Aufgabe. Da sie wusste, dass der Vorbesitzer Festzüge gegangen ist und das Pferd somit Trubel kannte, glaubte sie, dass es hinhauen könnte. Und tatsächlich funktionierte es, obwohl die Stute etwas nervös war, weil sie nicht wusste, was auf sie zukam. Aber die Dunkelheit, die Laternen, die Kinder, die Musik, das Blaulicht, das Martinsfeuer – das alles sind auch Faktoren, die für ein Pferd nicht alltäglich sind und somit eine Herausforderung. „Die Pferde, die das können, sind sehr rar“, ist sich Liedhegener sicher.

Doch Sonja gewöhnte sich schnell daran. „Das war einfach ein Traumpferd“, sagt ihre Besitzerin rückblickend. „Ich habe das 20 Jahre mit ihr gemacht. Sie hat sich schon gefreut, wenn wir sie abends verladen haben. Sie wusste genau, wo‘s hingeht.“ In Roßbach schlüpft die 47-jährige Mutter einer Tochter seit Anfang der 2000er Jahre in die St. Martin- Rolle. „Dort machen wir auch immer die Mantelteilung vom Pferd aus. Das ist natürlich der spannendste Teil, weil dann die Leute im Kreis stehen und ich mit dem Pferd da rein muss“, so die Reiterin. Die Geschichte vom heiligen Martin wird vorgelesen und von dem Bettler- Darsteller und Liedhegener stumm gespielt. Mit einem Holzschwert, das ihr Vater vor Jahren extra angefertigt hat, teilt „St. Martina“ dann ihren in der Mitte mit einem Klettverschluss versehenden Mantel.

Dass sie eine Frau ist, ist für die Kinder übrigens kein Problem: „Sie wissen, dass wir die Geschichte spielen, also ihnen ist bewusst, dass ich nicht der echte St. Martin bin und sie akzeptieren das auch.“

Auch in Neustadt ist Theresia Liedhegener etliche Jahre in die Rolle des Heiligen geschlüpft. „Das war immer am 10. November, an meinem Geburtstag. Ich habe immer gesagt: ‚Ihr wisst, ich mache den St. Martin, vor acht Uhr braucht keiner zu kommen.’“, erinnert sie sich. „Und ich bin auch, als ich mit meiner Tochter schwanger war, St. Martin geritten, weil ich wusste, dass ich das mit dem Pferd riskieren kann.“

Kann Stute Sonja ersetzt werden?

Vor drei Jahren hatte Stute „Sonja“, die mittlerweile ein stolzes Alter von 34 Jahren erreicht hat, ihren letzten Auftritt. „Ich habe gemerkt, dass sie es von der körperlichen Belastung her nicht mehr kann“, erzählt Liedhegener, die im Wiedtal lebt. „Sie ist froh, dass sie auf ihren eigenen Beinen noch stehen kann.“

Vor zwei Jahren kaufte die Familie ein „Ersatz“-Pferd. Da der Wallach jedoch bereits vor dem Start und am Rande des Roßbacher Zuges stehend völlig außer sich war, brachen die Liedhegeners die Aktion aus Sicherheitsgründen gleich ab. „Mit dem Pferd in den Zug reinzugehen hätte keinen Zweck gehabt“, ist sich „St. Martina“ sicher, die an diesem Abend daher nur zu Fuß teilnahm und die Folgetermine in Neustadt und Strauscheid kurzfristig absagte. Da sich die Suche nach einem neuen vielversprechenden Pferd schwierig gestaltete, war sie auch 2015 in Roßbach nur zu Fuß unterwegs. „

Vor ein paar Wochen haben wir nun die Möglichkeit gehabt, ein Pferd, das wir selber gezüchtet haben, zurückzukaufen. Mit dem wollen wir es dieses Jahr noch einmal probieren. Ob es hinhaut, werden wir erst sehen, wenn wir in Roßbach auftreten“, erzählt die Besitzerin von mittlerweile sieben Pferden. Hoffnung macht die Tatsache, dass das Pferd ein Enkel von „Sonja“ ist und auch eine sehr ruhige Veranlagung hat. „Wenn es nicht klappt, dann war es das, denke ich, für uns, weil ich ja nicht alle paar Jahre neue Pferde kaufen kann.“ (eg)

 

 

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