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Romantische Aufnahmen können auch an der Tankstelle entstehen

Es ist der schönste Tag im Leben – sagen zumindest alle Brautleute. Und dieser Tag soll ja auch möglichst perfekt festgehalten werden. Der Kölner Starfotograf Firat Bagdu verrät im RWN-Interview einige Foto-Tricks, wie das ideale Hochzeitsbild sicher gelingt.

 

Profi am Werk: Hochzeitsfotograf Firat Bagdu bei einem Shooting in Köln  Bilder: Firat Bagdu

Profi am Werk: Hochzeitsfotograf Firat Bagdu bei einem Shooting in Köln
Bilder: Firat Bagdu

Welche Tageszeit eignet sich in der Regel am besten für Außenaufnahmen (vorausgesetzt es regnet nicht)?

Bagdu: Zu jeder Tageszeit kann man schöne Hochzeitsfotos realisieren. Da aber die Brautpaare meistens vormittags mit der Vorbereitung beschäftigt sind, sollte man versuchen, das Shooting auf den Nachmittag ab etwa 14 Uhr zu verlegen, um bei den Porträts harte Schatten zu vermeiden. Auch im Regen entstehen sehr schöne Motive. Ein erfahrener Fotograf weiß, wie man bei Regen die Brautpaare schön in Szene setzt.

 

In welcher Umgebung wollen Ihrer Erfahrung nach Hochzeitspaare am liebsten fotografiert werden?

Bagdu 1Bagdu: Da die Brautpaare meistens unerfahren sind in der Fotografie, schlagen sie oft Orte wie Schloss oder Schlossgarten oder ähnliches vor. Allerdings können überall schöne Fotos entstehen wie zum Beispiel in einem Café oder auf einer Einkaufsstraße, auf einem Feld oder in einer Scheune. Das ist dann der Job des Fotografen, Brautpaare von seiner Kompetenz zu überzeugen. Dies ist aber nur durch die Bildsprache möglich. Wenn Brautpaare von dem Fotografen überzeugt sind, machen sie alles mit.

 

Welche ungewöhnliche Locations hatten Sie schon für Hochzeitsaufnahmen?

Bagdu: Im tiefen Wald, an einem historischen Leuchtturm an der Küste des Ozeans, an einer Tankstelle usw.

 

Wenn das Brautpaar bestimmte Vorstellungen hat, Sie aber andere Hintergrundmotive oder Einstellungen bevorzugen würden – wie einigen Sie sich dann?

Bagdu: Ich mache ein Bild, zeige es dem Brautpaar und dann geht es los. Meistens reicht ein kurzes Gespräch, um zu klären, warum deren Vorschlag in dem Moment nicht passend ist. Kommunikation ist das A und O in der Porträtfotografie. Auch beim Fotografieren darf und soll der Fotograf das Brautpaar unterhalten. Wenn der Fotograf ständig nur auf seinen Kameradisplay schaut, hat er verloren.

 

 

Wann wird ein Hochzeitsfoto kitschig – oder besser gesagt: wo ist die Grenze zwischen Kitsch und Kunst in diesem speziellen Foto-Fall?

Bagdu: Kitsch ist relativ. In meinen Augen ist ein Foto Kitsch wenn das Konzept des Fotos nicht stimmt, die Bildbearbeitung fehlerhaft ist und die Fotoidee banal rüberkommt. Junge Brautpaare von heute finden Brautpaare vor dem Baum kitschig. Aber auch so ein Motiv kann bei den Brautpaaren gut ankommen, wenn es gut fotografiert und stilvoll umgesetzt wird.

 

Was tun Sie, um eventuelle schlechte Launen bei einem der Brautleute aufzuheitern?

Bagdu: Aufmerksamkeit schenken, kommunizieren, Scherze machen, aber nicht aufdringlich, schöne Fotos machen und zeigen. Ganz wichtig ist es, die Personen in den kreativen Prozess mit einzubeziehen. Das sorgt für gute Laune.

 

Was war die ungewöhnlichste Fotosession für Brautpaare, die Sie bisher hatten?

Bagdu: Gute Frage. Alle Sessions waren ungewöhnlich. Eine Session war aber ganz speziell. Braut und Bräutigam kamen getrennt zum Fotosession. Die Braut war rechtzeitig da, der Bräutigam dagegen kam 45 Minuten zu spät. Und das alles, weil er noch das Auto waschen wollte. Nach zehn Minuten verließ uns die Braut, ziemlich aufgeregt und sauer. Ich stand da mit dem Bräutigam. Eine Fotosession ohne Fotos also.

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