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Marken des Alltags: Lindt


Schweizer Schoko im Kalender

Was der Lindt-„Goldhase“ an Ostern ist, das sind die „Gold-Glocken“ zu Weihnachten. Doch das vorweihnachtliche Sortiment der Schweizer Schokoladenmarke ist weitaus umfangreicher: Verschiedene Adventskalender und Weihnachtsmänner, Lindor-Baumbehang, „Frohes Fest-Pralinés“, „Choco-Eiszapfen“, „Schneemänner“, „Goldzapfen“, „Goldstücke“, „Santa Filzbeutel“ – die Auswahl erscheint schier endlos.

Lindt hatte 1879 das Conchieren entwickelt und damit eine neue Qualität in der Schokoladenherstellung geschaffen.
Bild: Lindt

Die Geschichte des Unternehmens reicht zurück bis ins Jahr 1845, als in Zürich die erste Schokoladenmanufaktur der Deutschschweiz von Rudolf Sprüngli-Ammann gegründet wurde. Als sich dieser 1892 aus dem inzwischen deutlich gewachsenen Unternehmen zurückzog, ging es an seinen Sohn Johann Rudolf Sprüngli-Schifferli über, der 1899 den heutigen Hauptsitz in Kilchberg am Zürichsee in Betrieb nahm. Um den Neubau zu finanzieren, wurde die bisherige Einzelfirma in die Chocolat Sprüngli AG umgewandelt.

Im selben Jahr kaufte Sprüngli die Manufaktur von Rodolphe Lindt in Bern. Im Fokus des Interesses stand gleichwohl dessen berühmte Marke – und vor allem sein exklusives Fabrikationsgeheimnis: Lindt hatte 1879 das „Conchieren“ entwickelt. Bei diesem Verfahren wird durch Reiben mittels einer Conchier-Maschine („Längsreiber-Conche“) eine wesentliche Qualitätsverbesserung der Schokolade erreicht. Diese Veredelung basiert darauf, die Kakaobutter homogen zu verteilen und unerwünschte Stoffe aus der Trockenmasse zu entfernen. Diese Methode, die anfangs bis zu 90 Stunden in Anspruch nahm, ermöglicht eine fabrikmäßige Produk­tion im großen Stil, denn die Schokolademasse, die zuvor wegen ihrer Zähflüssigkeit in die Formen gepresst werden musste, konnte nun gegossen werden.

Das neue Unternehmen Lindt & Sprüngli produzierte nun sowohl in Kilchberg als auch in Bern. Die beiden Partner führten die Geschäfte zunächst in Kooperation, doch 1905, vier Jahre vor seinem Tod, schied Rodolphe Lindt aus der Firma aus.

In den ersten zwanzig Jahren des neuen Jahrhunderts erlebte die Schweizer Schokolade-Industrie vor allem im Export eine Blütezeit. Von diesem Aufschwung profitierte auch das Unternehmen Lindt & Sprüngli: Um 1915 verkaufte man drei Viertel der Produktion in rund 20 Länder weltweit.

Im Jahre 1936 schloss man einen Lizenzvertrag mit der Aachener Leonard Monheim AG für die Produktion und den Vertrieb der Edelmarke Lindt in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Lizenzabkommen in Italien und Frankreich. Mit Lindor erfanden die Maîtres Chocolatiers von Lindt 1949 eine einzigartige Schokolade vollkommen neuer Art. Bis heute erfreuen sich, neben der gefüllten Milchschokoladen-Tafel, vor allem die Lindor-Kugeln mit der zartschmelzenden Füllung besonderer Beliebtheit.

Mit der Übernahme des französischen Lizenznehmers begann 1977 der Aufbau einer internationalen Firmengruppe, 1986 folgte der Erwerb des deutschen Lindt-Geschäfts und des Werks in Aachen. Unter der Holding Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG sind seither alle Tochterfirmen gebündelt.

Heute steht Lindt & Sprüngli trotz eines schwierigen US-Marktes gut da: Zwar belastete dessen Rückgang 2016 und die Neuaufstellung der 2014 übernommenen Firma Russell Stover das Ergebnis, doch das Geschäft in Europa trug zum weiteren Unternehmenswachstum bei.

Die Züricher Confiserie Sprüngli besteht übrigens bis heute und wird als Aktiengesellschaft in der sechsten Generation geführt. (cm)

 

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