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Kapelle in Obererl


Seherin schaut in Antoniuskapelle nach dem Rechten

Marietta Schmid-Kalter aus Obererl kümmert sich seit elf Jahren ehrenamtlich um die Antoniuskapelle unweit ihres Wohnhauses. Damals löste sie ihre Schwiegermutter ab.

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Marietta Schmid-Kalter prüft den Blumenschmuck in der Antoniuskapelle in Obererl. Seit elf Jahren bringt die 50-Jährige dort regelmäßig alles auf Vordermann.
Bild: Privat

Jeden Morgen und jeden Abend sucht die 50-jährige Marietta Schmid-Kalter die Antoniuskapelle in Obererl auf, um nach dem Rechten zu gucken. „Damit alle Kerzen da sind und es vorbereitet ist für die Besucher“, berichtet die gebürtige Strödterin. „Ich gucke immer nach dem Blumenschmuck und mache auch ganz gerne je nach Jahreszeit ein bisschen Deko.“

Als ihr Mann und sie vor elf Jahren sein Elternhaus übernahmen, war „ganz klar, dass ich auch die Kapelle weiterführe“. Schmid-Kalters Vorgängerin – ihre eigene Schwiegermutter – hatte sich zuvor über 30 Jahre für die Kapelle eingesetzt. Deren Pflege lag schon immer in der Hand der Familie Kalter, „weil wir das nächstgelegene Haus sind“.

Obwohl Marietta Schmid-Kalter einen Schlüssel besitzt und während der „Amtszeit“ ihrer Schwiegermutter die – erste – Antoniusstatue gestohlen wurde, schließt sie die Kapelle nicht ab. „Ich lasse sie extra offen“, sagt sie. Ihr zufolge kommt es nämlich immer wieder vor, dass Verzweifelte die Kapelle abends oder nachts aufsuchen. Manche würden in der Kapelle eine Nachricht zurücklassen – zum Beispiel „Danke, dass die Tür geöffnet war. Ich hätte sonst nicht gewusst wohin.“ –, manche würden aber auch morgens an ihrer Tür klingeln.

Ihr Name und ihre Adresse stehen auf einer Tafel in der Kapelle. Besucher, die etwas für die Kapelle abgeben möchten, zum Beispiel einen Blumenschmuck, werden gebeten, sich an sie zu wenden. Obwohl Marietta Schmid-Kalter Seherin und Medium ist, hat sie dadurch „keine Ärgernisse“. „Die Leute fühlen sich eher angesprochen und halten dann noch ein Gespräch mit mir“, sagt sie.

Rosenkranzgebete für Verstorbene

Um Besuchern die Möglichkeit zu geben, sich in der Kapelle zu verewigen, überlegen Schmid-Kalter und ihr Mann, ein Buch auszulegen, in das sich jeder eintragen kann. „Es gibt unheimlich viele Menschen, die extra aus Köln, Düsseldorf… hier an die Kapelle kommen“, weiß Marietta Schmid-Kalter.

Zweimal im Jahr bestellt sie Kerzen für die Kapelle. „5000 Stück, die brauch ich aber auch“, erklärt sie. „Hier ist sehr viel Zulauf.“ Denn nicht nur von außerhalb kommen Besucher. Wenn Bürger aus Unter- und Obererl sterben, findet das Rosenkranzgebet traditionell in der Kapelle statt. Deshalb ist es wichtig, dass Schmid-Kalter sich darüber informiert, wer in Erl gestorben ist. „Wir haben neuerdings eine Holzpinnwand, auf der wir die Todesanzeigen zeigen“, erzählt sie. Stets versucht die 50-Jährige mit den Angehörigen in Kontakt zu treten und sie nach den Lieblingsfarben des Verstorbenen zu fragen, um die Kapelle dementsprechend mit Dekostoffen und Blumen zu schmücken.

„Damit das Rosenkranzgebet so auch ein bisschen für den Verstorbenen spricht“, erklärt sie. „Ich finde, es ist immer schön, den Menschen noch irgendwas Persönliches mitgeben zu können.“ In Erl spielt das Rosenkranzgebet nach wie vor eine wichtige Rolle. „Da kommen alle“, weiß Schmidt-Kalter. „Das sprengt dann den Rahmen der Kapelle.“

Die Größe der Kapelle, die über vier Sitzreihen verfügt, schätzt sie auf etwa 20 Quadratmeter. Im Jahre 2011 wurde sie mit Hilfe des ganzen Ortes komplett renoviert. „Zwei Maler haben die hintere Front, wo der Heilige Antonius steht, mit einem wunderschönen Bild versehen“, erzählt Schmid-Kalter. Sie macht einmal in der Woche eine Grundreinigung, und „wenn Beerdigung ist, dann wird natürlich die ganze Kapelle richtig geputzt, auch die großen Fenster“. (eg)

 

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