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Große Köpfe aus dem RWN-Land: Prinz Max zu Wied


Tiere, Pflanzen und Indianer

Über 50 Artenbezeichnungen sind nach dem Prinzen Max zu Wied benannt. Die im Schloss Neuwied ausgestellte Sammlung von Tierpräparaten, Pflanzen und indianischen Gegenständen bezeichnete der zeitgenössische Baedeker „Rheinlande“ als unbedingt sehenswert. Kein Geringerer als der Zoologe Alfred Brehm kam nach Neuwied und ließ die Kenntnisse des Prinzen in sein berühmtes Nachschlagewerk „Thierleben“ einfließen.

Das Bild zeigt eine Wiedische Katze (oder Wiedkatze, wiss.: Felis wiedii), die nach Prinz Max zu Wied benannt worden ist.
Bild: Hermann Josef Roth

Prinz Maximilian Alexander Philipp zu Wied-Neuwied, geboren am 23. September 1782 als achtes von zehn Kindern des Fürstenhauses zu Wied im Schloss Neuwied, war einer der wichtigsten deutschen Naturforscher und Völkerkundler seiner Zeit. In Anspielung auf sein Vorbild Alexander von Humboldt nannte man den Prinzen den „rheinischen Humboldt“.

Noch während seiner Zeit als Soldat in der preußischen Armee – er kämpfte von 1802 bis 1806 in den Napoleonischen Kriegen – begegnete Max zu Wied 1804 erstmals dem Naturforscher Alexander von Humboldt. Von 1811 bis 1812 studierte er an der Universität Göttingen bei dem berühmten Zoologen und Anthropologen Johann Friedrich Blumenbach. Drei Jahre später bereiste Wied als erster deutscher Forscher die portugiesischen Kolonien an der brasilianischen Ostküste und veröffentlichte seine dortigen Erlebnisse 1820 unter dem Titel „Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817“. Auf dieser Expedition entdeckte Wied unter anderem den Hornfrosch (wiss.: Ceratophrys), einen kleinen braunen Frosch, dem er – als Erstbeschreiber – den Namen „Hornkröte“ gab, weil dieser eine „kegelförmig aufgerichtete Spitze“ auf jedem Augenlid trägt.

Es gibt aber nicht nur Tiere, wie etwa auch den Blaulatzsittich, die Max entdeckt und als Erster beschrieben hat, sondern auch „eine ganze Reihe von Arten, die nach ihm benannt worden sind“, wie Dr. Hermann Josef Roth, pensionierter Biologielehrer aus Bad Godesberg, erklärt. Roth ist heute vermutlich der beste Wied-Kenner überhaupt: „Es sind nicht nur deutsche, sondern auch englische oder portugiesische Bezeichnungen. Dabei wurde manchmal der Familienname genommen – wie etwa bei der ‚Wiedische Katze oder Wiedkatze (Felis wiedii)‘ – oder in anderen Fällen der Vorname – wie beispielsweise beim ‚Maximilianpapagei (Pionus maximiliani)‘.“

Im Jahre 1832 brach Max zu seiner zweiten Expedition auf, einer Nordamerika-Reise, bei der er von dem Schweizer Maler Karl Bodmer begleitet wurde. Dieser erstellte mehr als 400 Skizzen und Aquarelle von Tieren, Pflanzen und Indianern, die der Prinz zum Teil in sein Werk „Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834“ aufnahm. Die beiden  Textbände und der Bildatlas erschienen zwischen 1839 und 1841 im Koblenzer Verlag J. Hölscher. Später wurden auch eine englische sowie eine französische Fassung aufgelegt.

Durch seine beiden Reisen erarbeitete sich Max zu Wied hohen Respekt bei den damals angesehensten Wissenschaftlern. So hatte er persönlichen Kontakt zu dem britischen Ornithologen und Tiermaler John Gould, einem der berühmtesten Vogelkundler seiner Zeit, der ihn 1846 in Neuwied besuchte. Maximilian wurde 1853 zum Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften Berlin ernannt und erhielt 1858 die Ehrendoktorwürde der Universität Jena.

Als Max zu Wied am 3. Februar 1867 in Neuwied starb, umfasste seine Bibliothek  etwa 3200 Bände. Seine zoologische Sammlung, die heute dem American Museum of Natural History in New York gehört, war beeindruckend: 4000 Vögel, 2000 Fische und Reptilien sowie 600 aufgestellte Säugetiere.

Apropos Indianer: Es wird gemunkelt, dass die Jagdwaffe des Prinzen Max dem Winnetou-Autor Karl May als Vorbild für die „Silberbüchse“ diente, da beide auf dieselbe Weise mit Silbernägeln beschlagen sind. Das doppelläufige Gewehr gehört bis heute zur Sammlung des Schlosses Neuwied. (cm)

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