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Tierfriedhof bietet Anlaufstelle


Tierische Ruhestätte in Oberpleis

Nichts stört die letzte Ruhestätte von Peggy. Rund um das Grab der 15 Jahre alt gewordenen Hündin gibt es nur Felder, Wiesen, einen nahen Wald und einsame Spazierwege. Hier am Ortsrand von Oberpleis hat Ricarda Jankowski für verstorbene Haustiere ein Refugium geschaffen. „Die Idee zu einem Tierfriedhof kam mir vor über zwölf Jahren, als eine Freundin mich fragte, ob sie auf dem Wiesengelände hinter unserem Bauernhof ihren Hund begraben dürfte“, so Jankowski.

Tierfriedhof Bönnschenhof - Oberpleis

Viele Besitzer legen Wert darauf, einen Ort zu haben, an dem sie ihre verstorbenen Haustiere besuchen können. In Oberpleis werden sie fündig.
Bild: H.-W. Lamberz

Bis die offizielle Genehmigung vorlag, vergingen allerdings rund sieben Jahre. „Über 40 Gremien waren beteiligt und viele Lokalpolitiker lehnten anfänglich den Tierfriedhof einfach ab“, erinnert sie sich. Schließlich hat die Kreisverwaltung dann nach langem Hin und Her das Okay gegeben, „allerdings mit sehr vielen Auflagen“, so Jankowski.

Ein bodengeologisches Gutachten, ein landschaftspflegerischer Begleitplan und zahlreiche Vorschriften, was darf und was darf nicht – der Tierfriedhof Bönnschenhof ist eingebettet in einen kleinen Paragrafendschungel.

Rund 500 Tiere bislang bestattet

„Charlie war dann der erste Hund, der hier 2004 offiziell begraben werden durfte“, erinnert sich Ricarda Jankowski. Ein Rassemix, mittelgroß, dessen Grab allerdings von seinen ehemaligen Besitzern nach zehn Jahren aufgelöst wurde. „Das ist aber normal hier. Die Mindestliegepflicht beträgt fünf Jahre und nicht alle ehemalige Besitzer wollen das Grab permanent behalten“, so die Friedhofs-Eigentümerin.

Rund 500 Hunde, Katzen, Meerschweinchen und sogar Sittiche wurden seit der offiziellen Eröffnung in Oberpleis bestattet. Abhängig von der Größe des Tieres kostet ein Reihengrab inklusive Bestattung jährlich zwischen 35 und 85 Euro. Wer seinen Liebling aus meist finanziellen Gründen lieber im anonymen Reihengrab bestatten möchte, hat jährlich zwischen 15 und 65 Euro zu bezahlen.

Im eigens gebauten Kühlraum wartet dann das Haustier auf seine letzte Reise. Ob für das Tier eine Urne oder ein Kartonagesarg gewählt wird, ist oft auch eine Preisfrage. „Meistens geben die Leute dann noch das Lieblingsspielzeug oder das bevorzugte Futter des Tieres mit ins Grab“, kennt Ricarda Jankowski die Gewohnheiten der Tierbesitzer.

Abschied nehmen fällt vielen schwer

Vielen fällt es sehr schwer, Abschied von Joschi, Mohrle oder Moritz zu nehmen. Davon zeugen auch die Sprüche auf den Grabsteinen. Für Juno heißt es „Am Ende des Regenbogens sehen wir uns wieder“ und an Hund Ben erinnert der Spruch „Du bleibst für ewig in unserem Herzen“.

Die Grabgestaltung selbst ist dann Sache des Grabpächters. „Wir bieten auch Einfassungen und Grabsteine an“, listet die Chefin des Bönnschenhofes auf. Oft pilgern Frauchen oder Herrchen regelmäßig nach Oberpleis, um einen Grabbesuch zu machen. „Wir haben da sogar eine Familie, die kommt seit zwei Jahren jede Woche einmal für zwei Stunden auf den Friedhof.

Dann stellen sie am Grab ihres Hundes Stühle auf, packen das mitgebrachte Essen aus und halten so eine Art Friedhofs-Picknick“, wundert sich Ricarda Jankowski über das seltsame Ritual. Fast alle Tiergräber werden gut gepflegt, mit Blumen, kleinen Engelsfiguren, einem Bild des verstorbenen Tieres und Kerzen.

Aber nicht alle Wünsche der ehemaligen Tierbesitzer können auf dem Bönnschenhof erfüllt werden. „Es wird oft nachgefragt, ob wir auch Pferde oder sogar Schafe bestatten können. Das erlaubt aber unsere Friedhofsordnung nicht, denn wir dürfen hier keine Nutztiere begraben“, bedauert Jankowski.

 

 

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