«

»

Marken des Alltags: Schlösser


Viele Vorhängeschlosser stammen aus Westfalen

Dass mit den Firmen Burg, Burg-Wächter und Abus (August Bremicker und Söhne) gleich drei Hersteller von „präventiver Sicherheitstechnik“ im westfälischen Wetter-Volmarstein gegründet wurden, ist kein Zufall: Das „Schloßmachen“, also die Herstellung von Vorhangschlössern, gemeinhin Vorhängeschlösser genannt, lässt sich hier bis ins Jahr 1750 zurückverfolgen und verbreitete den Weltruf der „Schloss-Stadt“.

Seit 2008 zieren die Hohenzollerbrücke in Köln unzählige Vorhängeschlösser. Sie sind ein Liebesoder Freundschaftsbeweis. Die Schlüssel werden in den Rhein geworfen.
Bild: GerdRohsDesign

Und so ist auch mit einiger Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein nicht geringer Teil der gravierten Vorhängeschlösser, die seit 2008 als Liebes- oder Freundschaftsbeweis an der Kölner Hohenzollernbrücke angebracht wurden, von einem dieser Hersteller stammt.

Die Burgruine Volmarstein, das Wahrzeichen des Ortes, gab sowohl der Firma Burg als auch einem ihrer erfolgreichsten Produkte, dem Vorhangschloss „Volmarstein“, den Namen. Der Betrieb wurde am 1. Juli 1890 von Friedrich Wilhelm Lüling als Schmiede gegründet.

Nachdem die F.W. Lüling KG am 3. April 1919 die Wortmarke Burg beim Reichspatentamt hatte registrieren lassen, gründete im Jahr darauf Alfred Lüling, einer der Söhne des Firmengründers, ein Handelsunternehmen, das den Alleinvertrieb des damals führenden Schlossherstellers für Deutschland übernahm. Während man Vorhangschlösser in früherer Zeit aus Bronze oder Eisen gefertigt hatte, boten die Volmarsteiner nun auch Modelle aus rostfreiem Edelstahl oder Messing an.

Als 1950 die Söhne Alfred Lülings ins Unternehmen kamen, wurde dieses geteilt: Die Firma F.W. Lüling KG lieferte fortan Burg-Schließsysteme an die Industrie, während die Burg-Wächter KG sich unter der gleichnamigen Marke auf die Endkunden konzentrierte. Beide Firmen haben ihren Hauptsitz weiterhin in Wetter (Ruhr). Bei Burg-Wächter hat sich allerdings inzwischen die 1964 eröffnete Fertigungsstätte im sauerländischen Meinerzhagen-Valbert zum größten Produktionsstandort
entwickelt. Die Burg F.W. Lüling KG hingegen verlagerte 2012 nach 122 Jahren die gesamte Fertigung ins benachbarte Hagen. Die bisherigen Produktionshallen wurden verkauft – an Abus.

Mit Achim Lüling trat i2001 bereits die 4. Generation in die Geschäftsleitung der Burg F.W. Lüling KG ein. Auch bei Burg-Wächter wird es bald soweit sein – Zitat: „Heute wird das Unternehmen in 3. Generation geführt, die 4. Generation lernt für die Zukunft.“ Außerdem wird Wert auf die Feststellung gelegt, dass man heute als einziger Hersteller Messing-Vorhangschlösser in Großserie in Deutschland produziert.

Zurück zur Hohenzollernbrücke: Die Deutsche Bahn AG als deren Eigentümer ist inzwischen von dem Vorhaben abgerückt, die Schlösser wegen Belastung der Geländer oder gar der Brückenstatik zu entfernen. Man stuft sie nunmehr als unproblematisch ein. Sie wiegen zwar immerhin rund 22 Tonnen – was jedoch angesichts des Gesamtgewichts von 24.000 Tonnen sozusagen kaum ins Gewicht fällt. Dass die Schlösser bleiben, freut nicht zuletzt die KölnTourismus GmbH: Viele Paare reisen extra an, um ihr Schloss anzubringen – und kommen zu Jahrestagen wieder.

Die Tradition mit den Schlössern und den weggeworfenen Schlüsseln stammt übrigens aus Italien – allerdings mit einer anderen Symbolik: Am Ende ihrer Ausbildungszeit befestigten Absolventen der Sanitätsakademie San Giorgio in Florenz die Vorhängeschlösser ihrer Umkleideschränke an Brücken: Der in den Fluss geworfene Schlüssel demonstrierte die wieder gewonnene Freiheit.  (cm)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.