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Migration ist im Rheinland ist geschichtlich verankert


Völkerwanderung im „Rein-Land“

Migration fand überall im Rheinland und zu jedem Zeitpunkt der Geschichte statt. Es ist eine Tatsache: Deutschland ist längst zu einem Einwanderungsland geworden. Und es funktioniert, so wie die Einwanderung immer schon funktionierte. Gleich welchen historischen Zeitraum man betrachtet, Völker waren stets unterwegs und ließen sich an neuen Orten nieder.

von Hermann-Joseph Löhr

Gerade dort, wo die großen Flüsse fließen, denn sie boten beim Wandern Orientierung. Gerne wird das Rheinland daher auch Rein-Land genannt. Das Rheinland ist eine geschichtsträchtige Kulturregion, die von allen Zugezogenen etwas beibehielt, von den Römern etwa die Fußbodenheizung oder das Schulwesen. Oder von den Franzosen Ende des 18. Jahrhunderts die Rechtsprechung.

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Einzug ins Rheinland gehalten, haben in den letzten Jahrhunderten unter anderem Römer, Franzosen und Osteuropäer. Von ihnen geblieben ist vor allem Gutes.
Bild: Fotolia/Riccardo Piccinini

Durch deren Zentralisierung und Bürokratisierung der Verwaltung wurde im Rheinland gar ein Modernisierungsschub eingeleitet. Mitten im Herzen Europas liegend, ist das Rheinland reich an Zeugnissen der letzten Jahrtausende. Die Römer siedelten schon vor über 2000 Jahre am Rheinufer. Sie brachten jene mediterrane Lebensart mit, auf die die Rheinländer bis heute so stolz sind. Lehrreich für die heutigen Probleme der Integration ist der damalige Umgang mit Religion. Einige römische Gottheiten wurden von der einheimischen Bevölkerung übernommen, wenn auch auf keltische oder germanische Art verehrt.

Um 1800 siedelten Emigranten der französischen Revolution im Rheinland. Bestes Beispiel die Stadt Neuwied. Graf Johann Friedrich Alexander (1737-1791) machte Neuwied zu einer freien und religiös toleranten Stadt. Juden kamen und Familien aus Osteuropa. Christliche Gruppen wie Hugenotten, Mennoniten, Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeinde und vieler kleinerer christlicher Sekten zogen ebenfalls zu.

Bekannt ist der Zuzug der „Vertriebenen“. Am 15. April 1950 traf ein Transport mit 439 Vertriebenen in Rheinland-Pfalz ein. Es waren die ersten von insgesamt 126.000 Menschen, die zwischen 1950 und 1955 in Rheinland-Pfalz eine neue Heimat fanden.

Es folgt die jüngere Einwanderungsgeschichte, die mit der Anwerbung von „Gastarbeitern“ aus dem Mittelmeerraum begann. Seit 1952 kamen viele Männer und Frauen aus den verschiedensten europäischen Ländern nach Deutschland. 1964 trifft der millionste Gastarbeiter, der Portugiese Armando Rodriguez, auf dem Bahnhof Köln-Deutz ein. Er bekommt ein Moped geschenkt. Was als ein vorübergehender Aufenthalt von Menschen aus damals strukturschwachen Ländern gedacht war, entwickelte sich für die Zugewanderten zu einer langfristigen Lebensperspektive. Mittlerweile ist bereits ihre dritte Generation herangewachsen. Die Kinder und Enkel der Einwanderer leben meist bewusst mit zwei Kulturen, in einem Deutschland, das offener und vielfältiger geworden ist. Sie alle gestalten wie ehedem die Römer dieses Land mit.

 

 

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