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Psychologie


Warum Spielen wichtig ist

Spiele können ganz unterschiedliche Funktionen haben. Mit zunehmendem Alter treten bestimmte davon zurück. Doch auch das Spiel von Jugendlichen und Erwachsenen ist nicht zwangsläufig nur ein Zeitvertreib.

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Dr. Udo Käser
Bild: privat

In einer weiten Definition des Begriffes Spiel spielen Kinder immer. „Das Explorieren der Umwelt fängt ja quasi mit der Geburt an“, sagt Dr. Udo Käser, der sich am Institut für Psychologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit Entwicklungspsychologie und pädagogischer Psychologie beschäftigt. Bei Explorationsspielen geht es um das Entdecken der Welt.

„Man kann ganz unterschiedliche Funktionen von Spiel unterscheiden“, weiß Käser. So gibt es etwa eine Übungs- und Entwicklungsfunktion, das heißt, dass im Spiel Fähigkeiten geübt werden, die im Entwicklungsprozess gerade von den Kindern erworben werden, wie etwa prosoziale Verhaltensweisen. Wenn beispielsweise ein Schul- und ein Kindergartenkind gemeinsam Schule spielen, dann werden in einer spielerischen Form auch Verhaltensweisen im Miteinander geübt. „Gleichzeitig steckt für den Älteren, der in der Schule ist, auch so etwas wie Realitätsbewältigung mit dahinter. Der Schüler erlebt sich ja in der Schule in einer ganz bestimmten Rolle“, erklärt der Privatdozent. „Das Spiel bietet ihm eine Möglichkeit, auch andere Rollen auszuprobieren und sich mit Dingen zu beschäftigen, die ‚im Kopf herumgehen’ und diese im Spiel zu verarbeiten.“

Den Kindern ist jedoch nicht bewusst, dass sie beim Spielen Fähigkeiten üben und entwickeln sowie Realität bewältigen. Sie spielen, weil es ihnen Spaß macht. „Spiel hat auch einfach einen Selbstzweck, um eben Flow zu erleben, also ein im Spiel aufgehen“, so Udo Käser. Spiele werden von Kindern häufig immer weiter und auch wiederholend fortgesetzt. Während mitspielende Erwachsene mitunter ermüden und keine Lust mehr haben, ist es für die Kinder wichtig.

Was bei ihnen auch zu beobachten ist, ist die Lust zu erleben, dass etwas funktioniert. Als Beispiel nennt der an der Universität Bonn Tätige regelfreie Konstruktionsspiele, bei denen etwa mit Bausteinen Türme gebaut werden können. „Da geht es um die Lust des Funktionierens, dass die Steine so halten, zusammenpassen und etwas ergeben, wie man sich das vorstellt“, erklärt Käser.

Mit zunehmendem Alter treten bestimmte Spielfunktionen zurück. „Das kann man sich allein daran klar machen, dass für spielende Erwachsene so etwas wie eine Übungs- und Entwicklungsfunktion seltener zum Tragen kommt. Aber ausgeschlossen ist das auch nicht“, sagt Udo Käser. So beinhalten etwa Rollenspiele wie „World of Warcraft“, die Jugendliche und Erwachsene wegen dem Unterhaltungswert spielen, laut Käser auch Übungs- und Entwicklungspotenzial, da man ein gemeinsames Projekt virtuell gemeinsam und arbeitsteilig angeht. „Das ist natürlich in einem geringeren Umfang der Fall als das bei kleinen Kindern, weil bei diesen der Entwicklungsprozess noch weniger weit fortgeschritten ist“, so der Bonner Dozent.

 

 

 

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