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Die RWN-Medienschule: Digitaler Nachlass


Was passiert mit dem Erbe?

Was passiert mit dem eigenen Interneterbe nach dem Tod? Für viele ist das unklar. Nur eine Minderheit regelt den digitalen Nachlass zu Lebzeiten, beschäftigt sich also damit, was nach dem Tod mit den eigenen digitalen Daten geschehen soll, etwa mit den Social-Media-Profilen oder dem E-Mail-Konto. Wer nicht möchte, dass seine digitale Datenspur auch nach dem Tod noch Kreise in der Welt zieht, sollte handeln.

Wer nicht möchte, dass seine digitale Datenspur auch nach dem Tod noch Kreise in der Welt zieht, sollte noch zu Lebzeiten handeln.
Bild: Fotolia/ kebox

Acht von zehn Internetnutzern haben sich noch keine Gedanken über ihren digitalen Nachlass gemacht. Ein Fehler, findet Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder: Jeder solle frühzeitig „schriftlich festhalten, wie und durch wen nach dem Tod die eigenen digitalen Daten verwaltet beziehungsweise gelöscht werden sollen.“Das könne ein Testament oder eine Vollmacht regeln, sofern die gesetzlichen Formvorschriften eingehalten werden.

Vor allem für den Zugriff auf Online-Dienste wie Soziale Netzwerke, E-Mail-Konten oder Cloud-Dienste sollte man eine Regelung treffen. Denn: Erben bekommen oft nicht automatisch Zugang, viele „Onlinedienste berufen sich etwa auf den Datenschutz und übergeben das Konto eines Verstorbenen nicht ohne eine entsprechende Verfügung“, so Rohleder.

Zum digitalen Nachlass zählen neben Nutzerkonten im Internet auch die Daten auf der heimischen Festplatte. Wenn im Testament nichts Anderes geregelt ist, werden die Erben Eigentümer dieser Daten. Wer sensible Informationen lieber mit ins Grab nehmen möchte, kann über einen Notar oder Nachlassverwalter verfügen, entsprechende Dateien oder ganze Datenträger nach seinem Ableben vernichten zu lassen. Wichtige Daten zu Geldanlagen oder Versicherungen sollten hingegen unbedingt für die Erben konserviert werden.

Schwierig ist die Situation bei Mailkonten. Neben dem Erbrecht gilt hier das Fernmeldegeheimnis, das auch die Rechte der Kommunikationspartner des Verstorbenen schützt. In der Praxis gelingt der Zugang zu den Nutzerkonten am besten, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten geregelt hat, in welchem Umfang die Erben Zugriff auf die Accounts erhalten sollen. Die Zugangsdaten für solche Dienste kann man beim Notar hinterlegen. Allerdings ist zu beachten, dass dieser zusätzliche Gebühren verlangt, falls sich Angaben wie Benutzername oder Passwort zwischenzeitig ändern.

Bei sozialen Netzwerken bestehen derzeit unterschiedliche Regelungen. Facebook etwa ermöglicht es den Nutzern, zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt zu bestimmen, der das Profilfoto des Verstorbenen ändern oder auf Freundschaftsanfragen reagieren darf. Eine Anmeldung unter dem Konto des Verstorbenen oder das Lesen von dessen Chats ist aber auch dem Nachlasskontakt nicht möglich.

Angehörige können darüber hinaus beantragen, das Profil in einen „Gedenkzustand“ zu versetzen. Die Profilinhalte bleiben dann erhalten und Freunde oder Familienmitglieder können in der Chronik Erinnerungen teilen. (ct)

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