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Die Geschichte der Marke Brandt beginnt in Hagen – Heute wird der Zwieback in Thüringen produziert


Weit mehr als bloß „Krankenkost“

Bei Zwieback denkt fast jeder an Brandt. Das liegt wohl daran, dass es der einzige Markenzwieback ist, der bundesweit vertrieben wird – bei über 80 Prozent Marktanteil. Hoch ist auch der Kohlenhydratanteil des Produkts: etwa 74 Prozent – bei nur sechs Prozent Fett. Der Brandt Markenzwieback enthält weniger Salz als die meisten herkömmlichen Brotsorten. Damit passt er optimal zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung.

Eine besondere Zwieback-Dose gab Brandt zum 100-jährigen Bestehen heraus.
Bild: Brandt

Es begann im Jahr 1912 – und zwar auf hoher See. Der damals 26-jährige Bäcker- und Konditormeister Carl Brandt war als Schiffskoch auf den Weltmeeren unterwegs und hatte tagtäglich mit dem wenig schmackhaften Schiffszwieback zu tun. Brandt nahm sich vor, einen Zwieback herzustellen, der wirklich schmeckte. Zurück in Deutschland gründete er am 21. Oktober desselben Jahres in Hagen die „Märkische Zwieback- und Keksfabrik“.

Produktion am Fließband

Brandt ging es aber nicht nur um – gleichbleibende – Qualität, sondern auch um Quantität: Er führte eine Fließbandproduktion nach dem Vorbild des amerikanischen Autobauers Ford ein. Sie ermöglichte es ihm, seinen Zwieback besonders kostengünstig zu produzieren. Bereits 1929 war die Herstellung komplett mechanisiert, denn der Gründer hatte eine „Zwiebackschneidemaschine“ entwickelt und dazu die vierlagige „Frischbleibe-Packung“, durch die seine Ware noch länger haltbar und schmackhaft blieb. Im selben Jahr zierte erstmals ein Brandt-Kind den Zwieback-Beutel.

Im Jahr 1937 beschäftigte das Unternehmen bereits 700 Mitarbeiter. Aber Brandt wollte sein Unternehmen weiter wachsen lassen und suchte ein zweites Standbein neben dem Zwieback. Drei Jahre später wurde er fündig und kaufte die Firma „Zugspitze Keks- und Schokoladenfabrik AG“ aus dem bayerischen Landshut, die bis heute Hohlfiguren wie Osterhasen und Weihnachtsmänner herstellt. Die Produkte werden allerdings nicht unter dem Brandt-Logo verkauft, sondern im Auftrag des Handels oder bekannter Schokolademarken.

Ganz im Stil der Wirtschaftswunderzeit brachte man 1952 ein neues Brandt-Kind auf die Tüte. Vier Jahre später stieg Brandts Frau Betty in die Geschäftsführung ein und übernahm diese nach dem Tod des Gründers 1965 komplett.

Im Jahr 1973 kam das dritte Kind auf die Packung und zehn Jahre später das vierte, noch heute aktuelle. 1975 erwarb Brandt eine mehrheitliche Beteiligung am Zwieback-Hersteller Pauly im hessischen Friedrichsdorf. Nach dem Tod seiner Mutter 1984 übernahm Carl-Jürgen Brandt die Geschäfte und baute die Gruppe weiter aus. 2001 kaufte er den Knäckebrot-Hersteller Burger.

Knäckebrot und Schokolade

Während das Knäckebrot aus Burg in Sachsen-Anhalt kommt und die Schokoartikel weiterhin aus Landshut, werden die Zwieback-Varianten seit 2003 am Standort Ohrdruf in Thüringen produziert.
Im März 2017 wurde das Unternehmen, das Märkte im europäischen Ausland erschließen will, Marktführer in Österreich: Man kaufte die Bahlsen-Tochter „Feldbacher Zwieback“. Dieser wird nun im Brandt-Werk hergestellt.

Das Zwieback-Sortiment umfasst heute neben dem Klassiker beispielsweise auch eine Vollkorn- und eine laktosefreie Variante sowie den „Stipp- und Suppen-Zwieback“ (Mischung aus Bruch- und Endstücken). Hinzu kommen Geschmacksrichtungen wie Kokos, Anis oder Schoko sowie die „Minis“ und „Micro Minis“ – als Snacks für zwischendurch und unterwegs.

Apropos „Krankenkost“: Als solche ist Zwieback seit Generationen bekannt. Wer als Kind oder Erwachsener mit Magenproblemen zu kämpfen hat, weiß ihn als Schonkost zu schätzen. (cm)

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