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Marken des Alltags: Wella


„Wella weckt die Schönheit!“

Untermalt von Georg Friedrich Händels Wassermusik lief am 8. November 1960 im Werbefernsehen ein 30-sekündiger Spot für das Haarpflegeprodukt Wella Original. Regie führte Walter Künnemann vom Tonstudio Frankfurt, der auch den genannten Slogan getextet hatte. Wella engagierte sich seinerzeit auch zunehmend international und wurde unter anderem Exklusivlieferant der Olympischen Spiele in Mexiko-City.

Durch Dauerwellen-Apparate entstand der Markenname Wella.
Bild: Fotolia/edwardderule

Im sächsischen Rothenkirchen eröffnete der Friseur Franz Ströher 1880 eine Fabrik für Perückenhaar und stellte in den folgenden Jahren weiteren Friseurbedarf her. Seine Söhne Karl und Georg entwickelten in den 1920er Jahren Apparate für Dauerwellen und gaben ihnen – abgeleitet von „Welle“ – den Namen Wella.

Das 1930 in eine Aktien-Gesellschaft umgewandelte Unternehmen profitierte in den folgenden Jahren immer mehr vom Mode-Hit Dauerwelle und präsentierte mit dem Produkt „Wella Junior“ das weltweit erste tragbare Dauerwellengerät.

Wie viele deutsche Unternehmen setzte auch Ströher im „Dritten Reich“ Zwangsarbeiter ein. Ab 1939 produzierte man neben Haarschneidemaschinen, Trockenhauben und Präparaten für die Haarpflege auch Rüstungsgüter wie Peitschenantennen. Eine Firma aus Den Haag, die Wella-Produkte in Benelux und Frankreich vertrieb, wurde enteignet und weit unter Wert an die Ströher AG verkauft.

Deren Enteignung folgte dann 1948 durch die sowjetische Besatzungsmacht: Die ostdeutsche Fabrik und alle ihre Patente wurden beschlagnahmt und zum Staatseigentum der im Jahr darauf gegründeten DDR erklärt. Bereits 1945 hatte die Familie Ströher im hessischen Hünfeld unter dem Namen Ondal GmbH einen Produktionsbetrieb für Wella-Haarkosmetik und -Salontechnik aufgebaut.

In den 1950er Jahren brachte Wella mit „Koleston Perfect“ die erste Creme-Haarfarbe auf den Markt, die versprach, das Haar zugleich auch zu pflegen. Es folgten das Färbe- und Festiger-Mittel „Accord“, das  Pflegeprodukt „Lifetex Concentrat“ sowie die Frisiercreme „wellaform“. Das erste Shampoo, das nicht für den Vertrieb über Frisiersalons, sondern speziell für den Verkauf in Supermärkten, Drogerien und Parfümerien gedacht war, produzierte Wella im Jahr 1972. Vier Jahre später brachte man ein Haarspray mit dem Wirkstoff „Chitosan“ heraus, der den Halt verbessern sollte, ohne das Haar zu verhärten.

Kurz nach dem 100-jährigen Firmenbestehen im Jahr 1980 weitete Wella seinen Handel unter anderem auf die USA aus – und in der damaligen UdSSR wurde am Ende des Jahrzehnts eine eigene Produktion aufgenommen. Anfang der 1990er kauft man „Londa“ zurück – jenen Betrieb, der während der DDR-Zeit aus dem Stammhaus entstanden war.

Anfang 2000 expandierte das Unternehmen auch in den Asien-/Pazifik-Raum und setzte seine Produkte nun fast weltweit ab. Vermutlich gerade wegen dieser internationalen Bedeutung wurde Wella 2003 vom weltgrößten Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble (P&G) übernommen.

Nachdem P&G bereits 2015 den Verkauf großer Teile seiner Kosmetiksparte angekündigt hatte, um sein Produktportfolio zu reduzieren, wurde Wella zum 1. Oktober 2016 vom US-Konzern Coty übernommen. Dieser wird von der deutschen Unternehmerfamilie Reimann kontrolliert. Die 450 Mitarbeiter am alten Wella-Standort Hünfeld können trotz der Übernahme einigermaßen entspannt in die Zukunft blicken, denn es wurde vertraglich festgehalten, dass sämtliche Arbeitsverträge unverändert mit gleichem Gehalt und gleichen Rahmenbedingungen weiterlaufen. (cm)

 

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