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Neue Funktionen für Kirchen & Co


Weltlich statt sakral genutzt

Im RWN-Gebiet gibt es einige Kirchen und Kapellen, die heute profanen Zwecken dienen. Besonders beliebt zu sein scheint die Nutzung als Veranstaltungsstätte.

Antonius

Krimiautor Jörg Böhm stellte vor Kurzem im Forum Antoniuskirche in Waldbreitbach sein neustes Buch vor. Bild: Christine Dlugosch Lesung mit Gabriele Hamburger und Norman Liebold in der Donatus-Kapelle
Bild: Bürgerverein

Ursprünglich eine Kloster- und später eine Gymnasialkirche war etwa die heutige Stadthalle in Linz. Die Gebäude des 1639 bis 1650 an der Strohgasse errichteten und 1813 aufgelösten Kapuzinerklosters beherbergten ab 1817 das Linzer (Pro-)Gymnasium. Mit Ausnahme der Kirche wurden die Klostergebäude 1891 abgerissen und auf dem Gelände ein Schulneubau errichtet. 1967 zog das Gymnasium in einen Neubau im Bondorf um. Die barocke Saalkirche ging 1971 in den Besitz der Stadt über, wurde in eine Stadthalle umgewandelt und um einen modernen Anbau ergänzt. In einer Nische über dem Portal ist eine Madonna auf der Mondsichel aus der Erbauungszeit der Kirche erhalten.

In einer ehemaligen Kirche – der Ende des 17. Jahrhunderts fertiggestellten Klosterkirche der in Linz ansässigen Schwestern des Servitessenordens – befindet sich auch das Linzer Stadtarchiv. 1854 haben die Nonnenwerther Franziskanerinnen die Gebäude des 1802 säkularisierten und 1824 veräußerten ehemaligen Servitessenklosters zum Zwecke der Krankenpflege übernommen und die Kirche wurde von den Kranken und deren Angehörigen genutzt. 1979 zog das Krankenhaus in den Stadtteil Roniger Hof um. Als Stadtarchiv dient die Servitessenkirche seit 1983. 1991 wurde ein moderner Anbau fertiggestellt.

Auch in der Donatus-Kapelle in Königswinter-Rauschendorf finden schon lange keine Heiligen Messen mehr statt. Die 1961
von Rauschendorfer Bürgern errichtete Kapelle ersetzte ein Heiligenhäuschen, das 1957 als Folge von Flurbereinigungs- und Straßenbaumaßnahmen abgerissen worden war. 1986
 übereignete die Stadt Königswinter dem Bürgerverein Rauschendorf-Scheuren die Kapelle. Im März 2015 startete dort die Reihe „Literatur in der Kapelle“, die der Verein gemeinsam mit dem Verein „Literatur im Siebengebirge“ organisiert. Die nächste Veranstaltung findet am 21. April statt: Dirk Breitenbach liest um 19 Uhr aus seinem Krimi „Körperteile“.

Seinen vierten Krimi „Moffenkind“ stellte kürzlich der Autor Jörg Böhm in der besonderen Atmosphäre des Forums Antoniuskirche auf dem Waldbreitbacher Klosterberg vor. Der ehemalige geistliche Mittelpunkt für Patienten, Schwestern und Mitarbeiter des St. Antonius Krankenhauses wurde 1911 erbaut und 2000 zur Tagungs- und Veranstaltungsstätte umgebaut. Auch die 1903 erbaute Klosterkirche Geistingen in Hennef dient heute als Veranstaltungsort. Nachdem dort 2006 letztmals die Heilige Messe gefeiert worden war, hatte der neue Besitzer den Innenraum der Kirche umgebaut.

Eine Zeitlang als Fotostudio genutzt wurde vor wenigen Jahren die neue St.-Simeons-Kapelle in Linzhausen, die wohl Mitte der 1990er Jahre in Privatbesitz übergegangen ist. 1907 nach altem Vorbild errichtet, ersetzte sie die hochwassergeschädigte und daher abgerissene alte St.-Simeons-Kapelle aus dem Jahre 1715. „Und sie sollte Paaren die Möglichkeit geben, in einer Kirche zu heiraten, auch wenn sie nicht mehr kirchlich heiraten können“, erzählt Fotografin Florence Vollmer.

„Ich selber habe es vorgemacht. 2012 habe ich in der Kapelle meinen Mann geheiratet. Eine freie Theologin hat die Trauung abgehalten, und das, obwohl ich schon einmal kirchlich geheiratet hatte.“ Doch bereits 2013 gab die Fotografin die Kapelle wieder auf. „Sie war als Fotostudio leider immer zu kalt. Und ich habe sie einfach nicht warm bekommen“, erklärt sie. „Seitdem steht sie leider wieder leer.“ (eg)

 

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