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„Internationaler Kochtopf“


Wenn Integration durch den Magen geht

Seit über einem Jahr kommen in Bad Hönningen einmal monatlich deutsche und geflüchtete Frauen zusammen, um gemeinsam zu kochen und sich auszutauschen. Ins Leben gerufen wurde das integrationsfördernde Projekt von der Bad Hönninger Flüchtlingskoordinatorin Barbara Schmitz.

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Acht Deutsche und 20 bis 25 Flüchtlingsfrauen aus verschiedenen Nationen kommen seit Mitte letzten Jahres einmal im Monat in Bad Hönningen zum Kochen zusammen.
Bild: Internationaler Kochtopf

Den sogenannten „Internationalen Kochtopf“ gibt es seit Juli vergangenen Jahres. „Ich habe im Mai 2015 die Stelle als Flüchtlingskoordinatorin in Bad Hönningen aufgenommen und dann ging es darum, wie man die Menschen, die dort leben, integrieren kann“, erklärt Barbara Schmitz, wie das Angebot entstanden ist. „Das war das erste Projekt dieser Art, aber nur für Frauen. Und es wird sehr gut angenommen.“

Jeden zweiten Freitagabend im Monat treffen sich die Teilnehmerinnen in den Räumen der evangelischen Kirche in Bad Hönningen und kochen Gerichte aus ihrer Heimat. „Wir sind acht deutsche Frauen und 20 bis 25 Flüchtlingsfrauen“, so Schmitz, die anfangs Einladungen in den verschiedenen Sprachen erstellt und die Flüchtlingsfrauen so über das Angebot informiert hatte. „Es kamen sehr viele, und wir sind immer noch sehr viele. Es ist schon so, dass das mittlerweile ein fester Termin für die Frauen ist.“

Vertreten sind beim „Internationalen Kochtopf“ Frauen aus dem Iran und Irak, aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Eritrea, Aserbaidschan und Deutschland. Jeden Monat steht ein – beim vorherigen Treffen festgelegtes – Land im Mittelpunkt. Die Vertreterin der Nation sucht im Vorfeld ein entsprechendes Gericht aus, geht einkaufen und erklärt den anderem beim Kochtreff, was es zu tun gibt. „Am Anfang haben sie immer zwei, drei Gerichte gemacht, aber dann kommen wir oft mit der Zeit gar nicht hin“, weiß Barbara Schmitz. „Jetzt ist es ein Gericht, manchmal mit Fleisch, manchmal Reis, manchmal Suppe.“

Wie eingangs schon erwähnt, geht es bei den Treffen aber nicht nur ums gemeinsame Kochen und Essen. Das Angebot dient auch zur Kontaktaufnahme zu anderen Ortsbewohnern und zur Verbesserung der Sprachkenntnisse. „Die Frauen treffen sich auch zum Beispiel im Sprachkurs, aber auch schon mal zu Festivitäten oder einfach so zum Kaffee trinken oder mit den Kindern auf dem Spielplatz. Das klappt schon gut“, so Schmitz. „Manche Frauen sprechen mittlerweile schon sehr gut deutsch. Am Anfang ging das mit Händen und Füßen.“

Der Kochtreff ist zudem ein geschützter Raum für die Frauen. „Es ist ja in den Heimatländern in der Regel so, wenn Besuch kommt, sitzen die Männer in einem Raum und die Frauen in einem anderen Raum“, erklärt die Flüchtlingskoordinatorin. „Die Männer gehen Fußball spielen, die gehen überall hin, aber die Frauen hatten noch nicht wirklich was, wo man einfach auch mal Frauengespräche führen kann, was sie vor Männern nicht machen.“ Daher richte sich das Angebot ganz bewusst nur an Frauen, die aber ihre Kinder mitbringen dürfen.

Immer wieder mal werden auch Personen zu den Kochabenden eingeladen, die über Themen informieren, die für die Flüchtlingsfrauen interessant sind. Beim Kochabend im September klärten etwa eine Mitarbeiterin der Interventionsstelle der Caritas Neuwied sowie die Gleichstellungsbeauftragte der VG Bad Hönningen, über Gewalt gegen Frauen und wie man sich davor schützen kann auf und darüber, welche Rechte Frauen in Deutschland haben. „Das Interesse war schon sehr groß“, so Schmitz.

Abschließend noch einmal zurück zum Kochen: Vor einem halben Jahr hatte der „Internationale Kochtopf“ einen offiziellen Catering-Auftrag. Im April fand im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum die Preisverleihung zum Care-Schreibwettbewerb „Heimat ist …“ statt. Dabei gab es die Gelegenheit, internationale Speisen zu probieren, die die Bad Hönninger Gruppe zubereitet hatte. „Wir haben sehr guten Kontakt zu der Bonner Hilfsorganisation und die hatten uns angefragt, ob wir nicht kochen möchten für diese Veranstaltung“, erzählt Schmitz. „Das war eine gute Erfahrung für die Frauen, einfach auch mal über den Tellerrand zu gucken.“ (eg)

 

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