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Lichtverschmutzung nimmt zu


Westerwälder Nachthimmel

Je dunkler der Himmel, desto prächtiger leuchten die Sterne. Noch sind Westerwald und Siebengebirge dunkel genug, um sogar die Milchstraße zu sehen. Doch die zunehmende Lichtverschmutzung trübt die Freude von Astronomen: Schwach strahlende Himmelskörper drohen im Licht-Smog unterzugehen.

Totale Mondfinsternis 2015

Die jüngste Mondfinsternis ließ sich im RWN-Land noch ganz gut einfangen.
Bild: Christian Preuß

„Ich seh den Sternenhimmel“ – so trällerte Hubert Kah Anfang der 1980er unbekümmert. Viel ist seither passiert, was dem passionierten Astronom Toni Mayer aus Boden im Westerwald Sorgen bereitet: Die wachsende künstliche Beleuchtung der Nacht mit ihren teils noch unerforschten Auswirkungen auf Mensch und Natur. Denn was die Sicherheit fördere und Wohlstand wie Modernität signalisiere, habe auch eine Schattenseite.

Das auch als Lichtverschmutzung bezeichnete Phänomen nehme pro Jahr etwa um fünf Prozent zu. Und wenn das so weiter gehe, werde „der Nachthimmel über dem Westerwald bald nicht mehr dunkel genug sein, um beispielsweise die Milchstraße zu sehen“, warnt Mayer. „Gemessen an der geballten Nachbarschaft Köln, Bonn und Ruhrgebiet sowie Frankfurt und Rhein-Main-Gebiet ist es zwar noch ganz schön dunkel. Doch wie lange noch?“

Laut Analysen gäbe es in Deutschland kaum noch Orte, die die Qualität eines fast natürlich dunklen Sternenhimmels haben. Einer davon sei etwa das brandenburgische Dörfchen Gülpe, gerade einmal 80 Kilometer von Berlin entfernt. „Das grenzt für mich schon fast an ein Wunder. Doch wegen der dünnen Besiedlung der Region stört in den havelländischen Nächten kaum ein unerwünschtes Licht das Himmelsspektakel.“ Ähnlich spektakulär dunkel sei es im Biosphärenreservat Rhön, führt Mayer weiter aus und verweist auf diverse Lichtverschmutzungskarten: „Einige Kollegen fahren in ihrer Freizeit quer durchs Land, um die Orte aufzuspüren, die uns Astronomen glücklich machen.“

„Zum Glück gibt es noch Gegenden auf der Welt, wo die Milchstraße die nächtliche Szenerie wie ein hellleuchtendes Dach überspannt“, weiß der engagierte Hobby-Astronom Daniel Bockshecker. „Auch Deutschland hat Bestlagen unter den Sternen zu bieten, unsere Region halte ich für eine der bevorzugten“, ergänzt das Mitglied der „Sternwarte Siebengebirge“.

„Jeder, der einmal in der ländlichen Abgeschiedenheit unserer Region an den Nachthimmel geblickt hat, ist beeindruckt von der Fülle an Sternen. Je weiter weg wir also von Lichtglocken wie denen über Köln oder Frankfurt entfernt sind, desto besser ist die Sicht auf den Nachthimmel. Die Lichtglocke über Köln beispielsweise kann man schon vom Drachenfels aus beobachten, sie erhellt den Himmel deutlich.“

Über Köln selbst, so Bockshecker, sei es auch fast nicht mehr möglich, einzelne Sterne zu erkennen. Andererseits wüssten auch Menschen auf dem Land oft nicht, welche Schätze sie sich am Nachthimmel entgehen lassen. „Würden sie nach Einbruch der Dunkelheit nur für eine halbe Stunde draußen verweilen, könnten auch sie diese entdecken.“

 

 

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