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1,4 Milliarden Euro für das Narrentum


Wirtschaftsfaktor Karneval

Millionen Jecken geben in der fünften Jahreszeit viel Geld für Kostüme, Getränke, Essen, Übernachtungen und Eintrittskarten aus. „Wie groß die ökonomische Bedeutung des Karnevals genau ist, lässt sich jedoch nur schwer einschätzen“, so Dr. Henry Goecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Was es gibt, sind Schätzungen – und die geistern nun schon seit Jahren durch die Presse.

Verkaufsoffener Sonntag Vorteil-Center Unkel


Archivbild: H.-W. Lamberz

Da ist zum Beispiel eine Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des Festkomitees Kölner Karneval. Demnach sorgt der Kölner Karneval für rund 460 Millionen Euro Umsatz, sichert 5000 Arbeitsplätze und spült vier bis fünf Millionen Euro an zusätzlicher Gewerbesteuer in die öffentlichen Kassen. Und nach Berechnungen des Bundes Deutscher Karneval wurden 2012 bundesweit rund 1,4 Milliarden Euro für den Karneval ausgegeben.

Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Da lohnt es sich, ein wenig tiefer ins Karnevals-Geschäft einzutauchen. Wie etwa beim Taxi-Unternehmen Heinrich in Unkel. „Wir hoffen ja schon auf einen guten Umsatz“, bekräftigt Firmenchefin Christel Heinrich. Alle drei Autos von Taxi Heinrich werden an den tollen Tagen (fast) ununterbrochen im Einsatz sein. „Aber unsere normalen Krankenhausfahrten erledigen wir dabei natürlich auch noch“, so Heinrich. Und obwohl laut ihrer Aussage die Fahrgäste generell in den letzten Jahren „etwas schwieriger“ geworden sind, hofft Christel Heinrich doch auf großzügige Trinkgelder. „Die heiße Phase ist ja Anfang Februar, da haben die Leute noch etwas mehr in der Tasche“.

Gut zu tun hat aber auch Lutz Lehrach aus Dattenberg. Der Inhaber einer Firma für Werbetechnik produziert fast alle Werbeprodukte für die Linzer Corps. „Wir haben zum Beispiel 20 Fahnen für den Prinzen hergestellt. Die Dekoration für das Närrische Wochenende stammt auch von uns, ebenso wie zahlreiche Banner und Beschriftungen“, hält Lutz Lehrach fest.

Getränke, Kostüme und Knabbereien

Richtig gut läuft das Karnevalsgeschäft auch in den Vorteil-Centern in Asbach und Unkel. „Karneval spielt bei uns eine wichtige Rolle“, hält Ludwig Reuschenbach fest, im Vorteil-Center verantwortlicher Leiter des Food-Bereichs. „Klar, dass jetzt besonders die Stubbi-Flaschen (0,33-Liter; die Red.) Bier, Bierdosen und Energie-Getränke gut gehen“, weiß der Lebensmittelexperte. Ständig muss in der Session Nachschub geordert werden, „aber wir haben alles vorrätig“, gibt Reuschenbach Entwarnung.

Wer es wegen des Karneval-Geschubses gerne bruchsicher mag, für den haben jetzt die Vorteil-Center „Kleiner Klopfer Fun Mix“ als 30 ml Pet-Flaschen im Sortiment.  Auch die beliebten Kleinst-Flaschen wie „Kleiner Feigling“ werden nun stark nachgefragt. Und da zum Alkohol auch etwas Handfestes gehört, sind Berliner, Bratheringe, Rollmöpse, Salate und Fischkonserven momentan die Renner.

„Selbst beim Umsatz mit Knabberartikeln merken wir, dass Karneval ist“, so Reuschenbach. Auch in der Stoffabteilung der Vorteil- Center. „Gerade in der fünften Jahreszeit ist dies eine wichtige und umsatzstarke Abteilung“, hält Einkaufsleiter Herbert Muss fest. Neben den Stoffen zum Selberschneidern sind natürlich die Karnevalskostüme im Blickpunkt der Kunden. „Und in Unkel haben wir ja auch gerade unsere Stoffabteilung in Sortiment und Fläche stark vergrößert“, so Muss.

Alles jood also an Karneval? Nicht überall. Denn beim Übernachtungsgewerbe scheint die fünfte Jahreszeit eher ein Stiefkind zu sein. „Unsere Gäste kommen als Karnevalsflüchtlinge gerade jetzt zu uns, weil wir eine Jecken-freie Zone bieten“, heißt es aus der Geschäftsleitung des Rhein-Hotel Schulz in Unkel. „Wir feiern hier explizit nicht“, lässt das Hotel wissen.

Wenig Karnevalsbegeisterung verspürt man auch im Medimax Asbach. „So ein Fernseher oder eine Waschmaschine haben ja auch nicht viel jecken Charme“, schmunzelt Geschäftsführer Werner Schützeichel. Lediglich der CD-Umsatz steigt während der tollen Tage merklich an. „Besonders die CD ‚Karneval der Stars, Folge 45‘ ist der Renner. Und CD´s von Viva-Express, den Bläck Fööss oder Kasalla laufen jetzt auch gut“, so Schützeichel. (tv)

 

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