«

»

Uniform ist eine Erfindung des Militärs


Wo Narren und Soldaten gleiche Wege gehen

Das Adjektiv „uniform“ meint bekanntlich nichts anderes als „ein-“ oder „gleichförmig“, das Substantiv „Uniform“ beschreibt „einheitlich gestaltete Kleidung“. Die Linzer Stadtsoldaten treten in „Rut-Wieß“ auf, die Funken des Asbacher „Club Gemötlichkeit“ ebenfalls – und die Karnevalsgesellschaft Unkel in Blau-Rot. Zwar variieren die Farbkombinationen, doch die Uniform ist immer das gemeinsame Erkennungszeichen.

Uniformen, wie hier bei den Stadtsoldaten, sind in vielen Karnevalsgesellschaften gang und gäbe.
Bild: Stadtsoldaten-Corps Linz

Das älteste Traditionscorps im Kölner Karneval sind die „Roten Funken Köln“ – oder korrekt: die „Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e. V.“ Am 10. Februar desselben Jahren nahmen die „Roten Funken“ als 5. Gruppe am ersten Kölner Rosenmontagszug überhaupt teil. Der „Zoch“ ist auch der älteste der großen deutschen Rosenmontagszüge. Kurz zuvor war das Festkomitee Kölner Karneval gegründet worden, das diesen organisiert. Mit ihren roten Uniformjacken und weißen Hosen erinnerten die Funken an die Kölner Stadtsoldaten, die 1794 von den einmarschierenden Franzosen aufgelöst wurden. Auf dem Wiener Kongress wurde das Rheinland dem Königreich Preußen zugeteilt. Köln gehörte damit ab 1815 zur Provinz Jülich-Kleve-Berg, später Rheinprovinz.

Durch ihr betont unmilitärisches Gehabe karikierten die „Roten Funken“ die in der preußischen Zeit tonangebenden Soldaten. 1870 bildete sich innerhalb ihrer Reihen die „Kölner Funken-Artillerie“, eine Gruppe mit blau-weißen Uniformen. Aus ihr wurden die „Blauen Funken“.

Auch Spielmannszüge und Schützenvereine sind ohne einheitliche Kostümierung kaum denkbar. Gemeinsamer historischer Hintergrund: Alle diese Outfits sind Militäruniformen nachempfunden. Im Jahre 1309 wurde der Begriff „vestitura uniformis“ (einheitliche Kleidung) erstmals für jene Ritter gebraucht, die Herzog Friedrich von Österreich nach Speyer begleiteten.

Mit der Modernisierung der Textilproduktion setzte sich die Uniformierung etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts immer stärker durch. 1720 waren fast alle europäischen Armeen uniformiert. Um sich auf dem Schlachtfeld vom Feind zu unterscheiden, wurden meist kräftige Farben für die Uniformen gewählt. Bald wurden diese mit der jeweiligen Nation assoziiert, wie „Preußischblau“. Auch die Farben „Schwarz-Rot-Gold“ entstammen Uniformen – denen des Lützowschen Freikorps, das während der Befreiungskriege gegen Napoleon kämpfte. Die Truppe trug schwarze Uniformen mit rotem Kantenbesatz und goldfarbenen Messingknöpfen.

Selbstverständlich geht auch die Polizeiuniform auf das Militär zurück. Die 1976 in der Bundesrepublik eingeführte Uniform in den Farben „Moosgrün-Beige“ war die erste und einzige, die den Polizisten aller deutschen Landesbehörden und auch der Bundespolizei ein einheitliches Erscheinungsbild verlieh. Sie wurde inzwischen in allen Ländern – bis auf Bayern – durch (verschiedene) blaue Uniformmodelle abgelöst. 2015 entschied sich dann auch die bayerische Staatsregierung für die Einführung einer blauen Uniform. Die Auslieferung soll bis Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein.

Übrigens: Auch Musikgruppen treten mitunter in Uniform auf. Die Kölner Band „Brings“ steht traditionell im Schotten-Karo auf der Bühne – in Anlehnung an britische Punk-Bands. „Wir wurden ja immer als Punks gesehen“, so Peter Brings in einem Interview mit der Funke Mediengruppe. Die andere Bedeutung: „Die Kulissen sind manchmal knallbunt, und wenn die Musiker alle dasselbe tragen, wissen die Leute im Saal, die gehören zusammen.“ (cm)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.