«

»

„L‘amour de Loin“ wird ins Cine5 übertragen


Zu schön, um wahr zu sein

Nachdem die 100. Live-Übertragung aus der New Yorker Metropolitan Opera, Mozarts Don Giovanni, erneut für einen Rekord an den Kinokassen sorgte, folgt am 10. Dezember mit „L‘amour de Loin“ der finnischen Komponistin Kaija Saariaho eine der erfolgreichsten zeitgenössischen Opern. Die märchenhafte Liebesgeschichte aus dem Mittelalter, die 2000 bei den Salzburger Festspielen Premiere feierte, ist zum Ausklang des Programmjahres 2016 in der Inszenierung von Robert Lepage ab 19 Uhr im Cine5 in Asbach hautnah zu erleben.

kristian-schuller_metropolitan-opera

„L´amour de Loin“: Zeitgenössische Oper mit traditionellem Thema
Bild: Met/Kristian Schuller

Bevor Kaija Saariaho den gewiss nicht einfachen Weg zur Komponistin einschlug, war sie Malerin. Für ihre erste Oper hat sie einen denkbar zeitlosen Stoff gewählt: die Liebe. Es ist eine Liebe, die zu schön, zu vollkommen ist, um wahr zu sein, und die deswegen unerreichbar bleiben muss – eine „Liebe aus der Ferne“ also.

Das französischsprachige Libretto verfasste der libanesische, heute in Paris lebende Schriftsteller Amin Maalouf, der die märchenhafte und tragische Liebe des Troubadours Jaufré Rudel aus dem 12. Jahrhundert aus der anrührernder Poesie des „La vida breve“ in eine faszinierende Opernhandlung umgesetzt hat.

Wie in Wagners Tannhäuser stellt sich der Opernpro­tagonist eine ideale Liebe vor, von der er glaubt, dass sie nur durch seine Kunst heraufbeschworen werden kann. Durch die immer wieder neuen Berichte eines Pilgers angeregt und von seinem Hörensagen berauscht, verliebt sich der spätmittelalterliche Troubadour in die ferne Gräfin von Tripolis, Clémence. Ohne sie jemals gesehen zu haben, besingt er ihre Schönheit und Tugend in zahlreichen Liedern. Durch die Vermittlung des Pilgers kommen diese Lieder der Gräfin zu Ohren, allerdings ohne die Zustimmung des Sängers, und sie verfällt nun ihrerseits ins Träumen.

Angst vor der Realität

Beide haben jedoch Angst vor einer Begegnung, weil sich ihre Träume und Sehnsüchte in der Realität zerstören könnten. Rudel überwindet sich schließlich, weil er, wenn die Gräfin seine Lieder schon zu hören bekommen hat, sie wenigstens selbst vortragen will, und macht sich mit dem Pilger auf den weiten Weg nach Tripolis. Unterwegs wird er schwerkrank; als er am Ende schließlich in die Arme seiner Geliebten sinken kann, stirbt er. Clémence wiederum entsagt daraufhin der Welt und geht ins Kloster.

Kaija Saariaho selbst war von dieser Geschichte sofort fasziniert. In mehreren Interviews wiederholte die Komponistin: „Sie war das, was ich suchte, ein Märchen über Liebe und Tod, einfach und linear. Ich suchte nichts Dramatisches, nichts mit großen Eifersuchtsausbrüchen. Und schließlich fühlte ich: Ich bin der Troubadour, der Musiker, und ich bin die Frau, die in einer fremden Kultur lebt.

Im Wechselbad der Gefühle

Ihre Musik schafft reiche, weite Klangflächen – das Spektrum ist breit angelegt: modale Melodik, Parallelführungen, eingängige Vokalparts, verbunden mit elektronischen Elementen sowie Adaptionen originaler Melodien Rudels ergeben eine klanglich reiche kompositorische Mischung voll dunkler Melancholie – aber auch voll glitzernder Zauberklänge.

Für die neue Produktion an der New Yorker Metropolitan Opera von Robert Lepage werden schimmernde LED-Leuchten über die Begrenzung der Bühne hinaus montiert, sodass die Bühne und auch der Orchestergraben visuell verlängert werden. Eric Owens spielt den Ritter Jaufré Rudel, seine Liebe Clémence wird von dem Stimmwunder Susanna Phillips dargestellt. Gesungen wird in Französisch mit deutschen Untertiteln.

Selbstverständlich ist auch „L‘amour de Loin“ in HD-Qualität zu sehen und mit 5.1 Dolby Surround Sound zu hören. (imr)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.