Marken des Alltags: Steiff


55 Zentimeter, Plüsch, beweglich

Dass eine junge, körperbehinderte Frau eine Firma gründet, aus der sich ein weltweit bekanntes Unternehmen entwickelt, ist eher die Ausnahme, im Falle des Hauses Steiff aber tatsächlich so geschehen. Die 1847 in Giengen an der Brenz geborene Margarete Steiff erkrankte im Alter von 18 Monaten an hohem Fieber, danach waren ihre Beine gelähmt – und drei Jahre später wurde Kinderlähmung bei ihr diagnostiziert.

Das „Jungfrauenaquarium“ in Alfeld, Geburtsstätte des Bären 55 PB und vieler weiterer Kuscheltiere mit Knopf im Ohr.
Bilder: Steiff

Mit dem Schnittmuster für einen kleinen Stoff-Elefanten begann Margaretes Karriere als Unternehmerin. Nach einer Vorlage aus einem Modejournal  nähte sie 1879 das „Elefäntle“ als Nadelkissen, das bald jedoch als Kinderspielzeug sehr beliebt und zum ersten Verkaufsschlager der im Jahr darauf gegründeten Manufaktur wurde.

Schon sechs Jahre später produzierte Steiff bereits über 5000 Elefanten. 1892 kam ein illustrierter Katalog heraus, der ein vielfältiges Sortiment zeigte: Inzwischen umfasste dieses auch Affen, Esel, Pferde, Kamele, Schweine, Mäuse, Hunde, Katzen, Hasen und Giraffen.

Am 3. März 1893 wurde die kleine Firma Steiff – Margarete beschäftigte nun vier Näherinnen und zehn Heimarbeiterinnen – als „Filz-Spielwaren-Fabrik Giengen/Brenz“ ins Handelsregister eingetragen. Im Jahr darauf präsentierte man die Stofftiere erstmals auf der Leipziger Spielwarenmesse.

Ein Neffe Margaretes, Richard Steiff, trat 1897 ins Unternehmen ein und entwarf 1902 den „Bär 55 PB“ („55“ = 55cm,  „P“ = Plüsch, „B“ = beweglich), den weltweit ersten Plüschbären mit beweglichen Armen und Beinen. Als Bezug wählte er Mohair-Plüsch der Florweberei Schulte in Duisburg, die Steiff 2009 übernahm und seither Steiff-Schulte heißt.

Nachdem Steiff 1904 das Markenzeichen „Knopf im Ohr“ entwickelt hatte, wurde zwei Jahre später erstmals ein Plüschtier, das in den USA großen Erfolg hatte,  unter dem Namen „Teddybär“ angeboten. Benannt war er nach dem Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt, der sich bei einer Bärenjagd geweigert hatte, ein für ihn an einen Baum gebundenes Tier zu erlegen.

Im Jahre 1907 stellten 400 Steiff-Mitarbeiter und 1800 Heimarbeiter bereits etwa 1,7 Millionen Artikel her, davon 973.999 Teddybären. Als Margarete Steiff zwei Jahre später verstarb, übernahmen ihre Neffen die Unternehmensführung. Nachdem Steiff 1910 den Grand Prix bei der Weltausstellung in Brüssel gewonnen hatte, folgten Kriegs- und Nachkriegsjahre, in denen Steiff den „Papier-Teddybär“ aus Zellstoff und Spielzeug aus heimischen Hölzern produzierte.

Als die Nachfrage in den 20er Jahren wieder anzog – der Plüschhund „Molly“ wurde zwischen 1927 und 1932 über eine halbe Million Mal verkauft – reagierte Steiff mit der Einführung der Fließbandfertigung. Nach dem Kriegsende beschäftigte Steiff 1952 wieder etwa 2000 Mitarbeiter, die ihre Jobs unter anderem dem großen Erfolg des Stoffigels „Mecki“ verdankten, dem Maskottchen einer Fernsehzeitschrift, das man in Lizenz als Stoffpuppe herstellte.

Heute produziert Steiff in Giengen und auch in Tunesien. In den USA legen Sammler großen Wert darauf, dass die Plüschtiere aus „Good old Germany“ kommen. 220 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen am Stammsitz. Hier – auf dem Firmengelände – eröffnete 2005 das Erlebnismuseum „Die Welt von Steiff“.

Die 1903 – acht Jahre vor dem von Walter Gropius entworfenen Fagus-Werk in Alfeld – errichtete Fabrikhalle in Giengen nennt man im Volksmund übrigens „Jungfrauenaquarium“, weil sie aus Stahl und Glas konstruiert wurde und hier früher vorwiegend unverheiratete Frauen arbeiteten. (cm)

 

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