Marken des Alltags: Lego

 

Acht Noppen und drei Röhren

Der größte Reifenhersteller weltweit? Na, Lego! Allein im letzten Jahr wurden für die kleinen Fahrzeuge des Spielzeugherstellers 700 Millionen Stück produziert. Angefangen hat diese Erfolgsgeschichte vor 86 Jahren mit einer Schreinerei.

Die dänischen Bausteine sind in der ganzen Welt bekannt. Mittlerweile gibt es 80.000 verschiedene Steine.
Bild: Lego

Man schrieb das Jahr 1932, als der Schreinermeister und Tischler Ole Kirk Christiansen seine Werkstatt im dänischen Billund eröffnete. Es wurden Trittleitern, Bügelbretter, Stühle und Holzspielzeug gefertigt. Bereits im Alter von zwölf Jahren begann Gründersohn Godtfred Kirk nach der Schule in der Werkstatt mitzuhelfen.

Ab 1934 wurde der kleine Betrieb sowie die Produkte unter dem Namen Lego weitergeführt, der sich aus den dänischen Wörtern leg godt („spiel gut“) zusammensetzt. Erstes Lego-Produkt war eine bunte, hölzerne Ente, die sich als Verkaufsschlager entpuppte. Das erste Konstruktionsspielzeug hieß „Kirks Sandspiel“. Nachdem der 17-jährige Godtfred Kirk 1937 mit der Entwicklung von Modellen begonnen hatte, umfasste der Lego-Katalog Ende des Jahrzehnts bereits 100 Spielzeuge.

Als Dänemark 1940 von deutschen Truppen besetzt wurde, ging Godtfred Kirk nicht wie geplant zum Studium nach Deutschland, sondern wurde Geschäftsführer der Firma. Zwei Jahre später verursachte ein elektrischer Kurzschluss einen Brand, der das Werk fast vollständig zerstörte. Man nahm die Herstellung von Holzspielzeug jedoch rasch wieder auf. Im Jahr darauf beschäftigte das Unternehmen bereits rund 40 Mitarbeiter.

Zu den ersten Investitionen nach Kriegsende zählte 1946 die Anschaffung einer Kunststoff-Spritzgussmaschine – der ersten eines dänischen Unternehmens. 1949 produzierte Lego bereits rund 200 unterschiedliche Kunststoff- und Holzspielzeuge, darunter auch die „Automatic Binding Bricks“ („automatisch verbindende Steine“) mit Noppen auf der Oberseite.

Seit 1953 tragen die Bausteine den offiziellen Namen Lego Mursten (Lego Stein), der auf die damals hohle Unterseite eines jeden Steins gedruckt wurde. Am 1. Mai 1954 wurde der Antrag auf Eintrag des Warenzeichens angenommen. Allerdings waren die Plastiksteine keine dänische Erfindung. Bereits 1939 hatte der britische Kinderpsychologe Hilary Harry Fisher Page solche „selbsteinrastende Bausteine“ („Self-Locking Building Bricks“) zum Patent angemeldet und unter dem Markennamen „Kiddicraft“ in Großbritannien vermarktet. Nach seinem Tod 1957 übernahm Lego das Patent und kreierte einen weltweiten Bestseller.

Die entscheidende Lego-Innovation wurde am 28. Januar 1958 um genau 13.58 Uhr durch Godtfred Kirk zum Patent angemeldet: ein Baustein mit acht Noppen oben und drei Röhren unten, mit dem man erstmals klemmfest bauen konnte. In Billund waren mittlerweile 140 Mitarbeiter tätig.

Die Lego-Gruppe, heute der weltweit führende Spielwarenhersteller, ist weiterhin ein Familienunternehmen. Bis 2004 war Kjeld Kirk Kristiansen (mit „K“), einer der Söhne von Godtfred Kirk Christiansen, Lego-Chef. Heute steht allerdings das Nichtfamilienmitglied Niels B. Christiansen an der Spitze des Konzerns. (cm)

 

 

 

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