Tatort rheinischer Westerwald: Linz/Leubsdorf


Als die Scheiterhaufen in Leubsdorf brannten

Unmenschliche Grausamkeiten in Linz: Gertrud S. und Elisabeth E. wurden 1631 der „Zauberei und der Buhlschaft mit dem Teufel“ bezichtigt. Und prompt wurde ihnen der Hexen-Prozess gemacht. Wenn die Anklage damals das Wort „Hexe” auffuhr, war es egal, wer die beiden Frauen beschuldigt hatte. Hexe war buchstäblich das Totschlagsargument jener Zeit.

von Hermann-Joseph Löhr

Die Häuser der beiden benachbarten Familien standen laut Bürgerliste der Stadt Linz im Rheintorviertel, damals die vornehmste Gegend der Bunten Stadt am Rhein. Auf Betreiben des Pfandherren über die Steuereinnahmen von Linz, dem Grafen Ernst von Isenburg fand 1631 der fast sechs Wochen dauernde Prozess gegen die beiden Frauen in Linz statt.

Dokumentation der Ausstellung "Hexen - Wythos und Wirklichkeit"

Scheiterhaufen, nachgebaut für eine Ausstellung im Historischen Museum in Speyer Um 1517 erfolgte der Bau des Rathauses, an dem heute die Castenholz-Plakette an die Hinrichtung des Linzer Bürgermeisters erinnert. Weniger bekannt ist Castenholz´ Rolle als Protokollant bei brutalen Hexenverhören.

Dem isenburgischen Grafen gehörte unter anderem das Hönninger Schloss Arenfels. Der Kölner Kurfürst hatte seine Linzer Steuereinnahmen verpfändet, so war Graf von Isenburg als Pfandherr zugleich Landesherr der Stadt Linz.

In der Herrschaftszeit des Erzbischofes Ferdinand von Bayern nahmen die Hexenverfolgungen im Kurfürstentum Köln stark zu. Der Erzbischof selbst verfasste 1607eine sogenannte Hexenprozessordnung und ergänzte sie noch einmal 1628. Darin wurden die blutigen Regeln zur Durchführung der Hexenverfolgung noch einmal wesentlich verschärft. Besonders der Einsatz der Folter wurde erleichtert. Die eingesetzten Hexenkommissare gingen mit außerordentlicher Brutalität vor.

Besonders grausam für die beiden Linzer Familien war, dass schon drei Jahre zuvor Angehörige ebenfalls der Hexerei beschuldigt worden waren. Sie starben auf dem Scheiterhaufen bei Leubsdorf. Es handelte sich um eine Schwester der Getrud und um die Mutter der Elisabeth.

Im Hexenprozess1631 unterstellte das Linzer Schöffengericht den beiden neu angeklagten Bürgerinnen, dass die Hexerei in ihren Familien läge. Wie in vielen anderen Orten in Deutschland handelte nicht die Kirche, sondern es wurde ein Zivilgericht gebildet. Dem Schöffengericht gehörten der Amtmann des Grafen, der Schultheiß der Stadt und mehrere Schöffen an. Getagt wurde im historischen Rathaus vom 2. Januar bis zum 8. Februar.

Auch in anderen Orten des Kölner Kurfürstentums fanden um diese Zeit solche Hexenprozesse statt. Ernst von Isenburg weilte nur selten in seinen Stammlanden. Meist betraute er seine Amtmänner und Schultheißen mit der Wahrnehmung von Verwaltungsaufgaben in der Heimat. Aber diese wussten, dass der Graf ein harter und unnachgiebiger Verfechter bei religiösen und glaubensrechtlichen Zwistigkeiten war, wenn es um die Belange seiner Kirche ging.

Castenholz II

Um 1517 erfolgte der Bau des Rathauses, an dem heute die Castenholz-Plakette an die Hinrichtung des Linzer Bürgermeisters erinnert. Weniger bekannt ist Castenholz´ Rolle als Protokollant bei brutalen Hexenverhören.
Bilder: Löhr

Gefangen gehalten wurden die beiden Frauen im Verlies eines der Stadttore der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Zur „Befragung“ unter Folter wurden sie ins Rathaus gebracht und in der „kleinen Stube“ verhört. Elisabeth floh am 5. Januar1631, drei Tage nach ihrer Verhaftung. Es gelang den amtlich-kurkölnischen Häschern jedoch, Elisabeth aufzustöbern und erneut zu verhaften.

Das Schöffengerichtverstärkte sich daraufhin mit einem Folterexperten aus Bonn, der über vielfältige „Maschinerie der Martern“ verfügte. Dem Bonner Foltermeister zur Seite stand ein Kapuzinerpater, der den geistlichen Exorzismus anwandte. Protokollant der Hexenverhöre war nach den alten Urkunden kein Geringerer als der zeitweilige Linzer Bürgermeister und Zollschreiber Augustin Castenholz.

Bürgermeister Castenholz wurde selbst zwei Jahre nach dem Hexenprozess auf dem Linzer Marktplatz von schwedischen Truppen als „Verräter“ hingerichtet. Castenholz soll die Hönninger vor den herannahenden schwedischen Truppen im ersten Jahr des 30-jährigen Kriegs gewarnt haben. Es sind wohl eher diese Verdienste, die dazu führten, dass noch heute der Name des Bürgermeisters mit Ehren belegt ist. Seine Beteiligung an Hexenprozessen wird es jedenfalls nicht sein.

Unter den im Protokoll akribisch beschriebenen Torturen gestanden die beiden Frauen jedenfalls, was das Gericht hören wollte. Zugleich nannten sie die Namen weiterer Linzer Frauen, die ebenfalls am Hexentanz mit dem Teufel auf dem Linzer Burgplatz teilgenommen hätten. Das führte zu einer regelrechten Menschenjagd in Linz, denn die bloße Teilnahme am Hexensabbat unterlag schon der Todesstrafe. Als Hexensabbat bezeichnete man die geheimen, nächtlichen Treffen von so genannten Hexen mit dem Teufel.

Am Morgen des 17. Januar 1631 gelang Elisabeth zum zweiten Mal die Flucht aus dem Stadttorgefängnis. Der Schultheiß befahl nunmehr allen Linzer Bürgern mithilfe von Glockengeläut und Trommelschlag, sich auf dem Marktplatz zu versammeln. Dann forderte er laut die unverzügliche Herausgabe der Flüchtigen. Doch Elisabeth blieb verschwunden. Die Folter wurde in den kommenden Wochen gegen Gertud allein fortgesetzt. Am 8. Februar 1631 verurteilte das Schöffengericht sie als Hexe zum Tode auf dem Scheiterhaufen. Es war der letzte Hexenprozess in der Stadt Linz.

 

 

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