MGV-Chorleiter Hoffmann


Aus Zufall zum Perfektionisten

Der Karrierestart war noch ein Zufallsprodukt, inzwischen ist er eher als Perfektionist einzustufen: Axel E. Hoffmann gilt aktuell als einer der profiliertesten Chorleiter in der Region. Dabei ist er aber auch selbst als Solist aktiv. Der ausgebildete Tenor kann auf ein Repertoire von nicht weniger als 150 Solopartien zurückgreifen. Im RWN-Interview plauderte er ein wenig aus dem Nähkästchen.

Da brummt doch ein Bass? Axel E. Hoffmann entlarvt auch Sünder aus der letzten Chorreihe.
Bild: Roland Thees

Herr Hoffmann, als langjähriger Kreischorleiter haben Sie ja die heimische Chorszene bestens kennenglernt. Wie lautet da Ihre Einschätzung? Geht es mit dem Chorgesang bergab?

Axel E. Hoffmann: Nein, es mag vielleicht einen Wandel geben. Der Gesangverein schlechthin wird sich wandeln. Vielleicht gibt es demnächst mehr spezialisierte Chöre oder auch mehr Chöre mit, sagen wir mal etwas höheren Ansprüchen. Auch wenn es Männergesangvereine immer wieder noch mal geben wird, geht es uns doch wie beim Kegeln: Das regelmäßige gesellige Zusammensein, das ist etwas, was leider irgendwie verlorengeht.

 

Wie sind Sie selbst eigentlich zur Musik, zum Chorgesang gekommen?

Hoffmann: Das ist so eine Geschichte. Da bin ich mal eine große Treppe heruntergegangen, singenderweise, weil es so schön geschallt hat in dem großen Raum. Da stand ein Sänger da, der meinte, ich sollte bei ihnen, also bei den Sangesfreunden Neuwied mitsingen. So bin ich zum Chorgesang gekommen.

 

Ihr weiterer Lebenslauf lässt eher vermuten, dass Sie sonst weniger dem Zufall überlassen, oder?

Hoffmann: Das stimmt wohl Ich habe ja zunächst eine Ausbildung zum Goldschmied abgeschlossen. Erst danach ging es zum Studium nach Frankfurt fürs Konzertfach Tenor. Da habe ich 150 verschiedene Konzertpartien einstudiert und Konzerte gegeben. Mit dem Alter nimmt das Singen etwas ab. Also ich bin nicht der große Tenor, den alle haben wollen, aber auch nicht mehr der junge Student. Dazwischen gibt es immer weniger Angebote. Daher habe ich mich sehr gerne entschieden, meine Kenntnisse weiterzugeben. Schreibe da auch selber die Sätze, die für den Chor passen.

 

Seit fast 25 Jahren dirigieren Sie nun  den MGV Linz. Was muss denn ein Chorleiter mitbringen?

Hoffmann: Es ist sehr wichtig, die gute Laune beim Singen zu bewahren. Es gibt so unheimlich viele Chorleiter, die nur danach trachten, den einen bestimmten Ton zu bekommen. Je länger ich nun schon Chorleiter bin, je mehr löse ich mich vom Zwang, dem Zwang, das muss nun nur so sein. Die Sätze der Chorpartituren, die ich schreibe, die muss ich so schreiben, dass der Sänger nicht überfordert wird, dass er es eben mit Freude vortragen kann.

Denn nur die Freude, die der Sänger sich selber schafft, nur die kann er auch weitergeben an seine Zuhörer. Das ist etwas, was viel, viel wichtiger ist, als noch eine Stimme mehr oder noch mehr Verkünsteltes. Das fängt natürlich schon bei der Auswahl der Stücke an. Wenn das nicht passt, wenn die Anforderungen zu hoch sind, kann das ganz schnell zum Zerknirschen des Sängers führen und schon überhaupt nicht zu seiner guten Laune beitragen. Auf der anderen Seite muss man sehen, wo man die Sänger abholt. Man muss die Sänger einschätzen und dann eben für sie passende Sachen schreiben.

 

Ihre Musikauswahl ist aber eher untypisch. Warum?

Hoffmann: Die kommt mir inzwischen immer mehr entgegen. Ich muss ja auch sagen, ich bin inzwischen seit über 35 Jahren Chorleiter. Ich habe auch einen Wandel vollzogen. Habe aber auch schon sehr früh den Mut gehabt, mal etwas Untypisches an Chorliteratur anzupacken. Dazu gehört eben auch, mal den Mut zu haben, etwas Leichteres zu schreiben.

 

Sie haben bislang nicht einmal den Zuhörer zitiert. Zufall?

Hoffmann: Nein, wie ich sagte, wenn wir Sachen singen, die uns Spaß machen – und wir sind ja auch ein Teil der Gesellschaft – dann kann man auch davon ausgehen, dass es auch den Zuhörern Spaß macht. Sicher, wir würden uns mit unseren Stücken derzeit nicht in einem sakralen Karfreitagstermin singen können. Da würden wir „Thema verfehlt“ attestiert bekommen. Ich glaube man hat ganz viel Erfolg, wenn man Schlager darbietet, wo der Zuhörer glauben kann, das könne er unter Umständen auch mitsingen.

 

Würden Sie es akzeptieren, wenn man Sie Perfektionist nennt? Und wie motivieren Sie sich denn selbst?

Hoffmann: Na ja, ich bin immer mit Herz und Hand dabei, suche nach der Möglichkeit, das Beste daraus zu machen. Es gibt immer wieder Momente, wo der Chor so schön klingt, dass es mir viel Spaß macht. Ich habe wohl das Chromosom der ständigen Übung in mir ohne genervt zu sein. Ich versuche immer, mich nicht zu verstellen. Die Chöre singen eigentlich das, was ich auch mag. Authentisch sein, das hält mich über die Jahre frisch. (fu)

 

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