Anruf-Sammel-Taxis und Bürgerbusse


Bei Anruf Abfahrt

So idyllisch es im ländlichen Raum auch sein kann, von A nach B zu kommen, kann dort zur Herausforderung werden. Betroffen sind vor allem Bürger ohne Führerschein oder Auto, die auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind. Aber: Wo Bus und Bahn nicht oft fahren oder die nächste Haltestelle weit entfernt ist, helfen mittlerweile alternative Angebote wie Bürgerbusse und Anruf-Sammel-Taxis.

Mitfahrbank in Bad Honnef: Kreative Alternative zum ÖPNV
Bild: Stadt Bad Honnef

Bereits etwa 15.000 Kilometer zurückgelegt und über 2144 Fahrgäste transportiert hat der Bürgerbus der Verbandsgemeinde Unkel, der seit März 2018 im Einsatz ist. Das von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragene und durch Spenden finanzierte Projekt sorgt dafür, dass Bürger, die nicht selbst fahren können oder nicht gut zu Fuß sind, mobil bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Aktuell neun Fahrer bringen die Fahrgäste zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Bank.

Bürgerbus der VG Unkel
Bild: Verbandsgemeinde

Der Bürgerbus fährt hauptsächlich dienstags und donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie zu den Öffnungszeiten der Linzer Tafel. Eine Buchung ist montags und mittwochs von 14 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 0 22 24/18 06 68 und online auf www.buergerbus-vgunkel.de möglich. Dort kann man sich auch als ehrenamtlicher Helfer registrieren. Teamleiter Holger Diedenhofen zufolge ist bereits ein zwei- bis vierstündiger Einsatz als Fahrer im Monat hilfreich.

Nicht mehr wegzudenken ist auch der Bürgerbus der Verbandsgemeinde Asbach, der im August ein Jahr alt wird. Er fährt ebenfalls dienstags und donnerstags von 8 bis 18 Uhr. Die Fahrten können jeweils am Vortag von 15 bis 17 Uhr telefonisch unter 0 26 83/91 22 23 angemeldet werden.

Bereits nach zehn Monaten konnte der 1500. Fahrgast begrüßt und die 1000. Fahrt durchgeführt werden. Damit wurden alle Erwartungen an das Projekt übertroffen. Mittlerweile gibt es viele Stammkunden. Wer das 29-köpfige Bürgerbusteam als Fahrer oder Telefonist verstärken möchte, meldet sich unter Telefon 0 26 83/68 96.

Eine Ergänzung oder ein Ersatz für den normalen Linienverkehr ist das Anruf-Sammel-Taxi (AST), das von den Kommunen konzipiert und getragen wird, in deren Gebiet es verkehrt. Im RWN-Land werden AST-Fahrten etwa in Bad Honnef, Königswinter, Hennef, Windeck und der Verbandsgemeinde Linz angeboten. Sie müssen bis 30 Minuten vor der Abfahrtszeit mit Angabe der gewünschten Abfahrtshaltestelle telefonisch bei der örtlichen AST-Zentrale bestellt werden. Die Beförderung erfolgt bis zur Haustür, sofern diese im Bedienungsgebiet liegt.

In der Verbandsgemeinde Asbach können ortsansässige 16- bis 21-Jährige ein Taxi für die Hälfte des normalen Taxitarifs nutzen. Durch das von den Ortsgemeinden Asbach, Buchholz, Neustadt und Windhagen finanzierte Jugendtaxi können die Heranwachsenden kostengünstig und sicher zum Ziel und wieder nach Hause kommen. Als Nachweis für die örtlichen Taxiunternehmen wird eine Jugend-TaxiCard benötigt, die im Asbacher Bürgerbüro persönlich zu beantragen ist. Das Taxi kann freitags und samstags von 20 bis 3 Uhr sowie sonntags und an Feiertagen von 20 bis 24 Uhr angefordert werden. Jugendliche aus der Ortsgemeinde Buchholz können zusätzlich nach Eitorf, Uckerath, Oberpleis und Hennef fahren.

Ein eher ungewöhnliches Beförderungsangebot sind Mitfahrbänke. Vor zwei Jahren wurden auf Initiative des Netzwerkes „Hauptsache Familie – Bündnis für Bad Honnef“ zwei rote Mitfahrbänke im Stadtgebiet aufgestellt. Eine Bank steht im Tal vor der Hochschule an der Linzer Straße, die andere in Aegidienberg an der Kreuzung Aegidienberger Straße/Köhler Straße. Hilfreich können sie zum Beispiel sein, wenn der Bus vor der Nase weggefahren ist oder die Zeit bis zum nächsten Bus noch lang ist.

Damit die Autofahrer wissen, dass man auf eine Mitfahrgelegenheit wartet, muss man das Schild „Hauptsache Familie – Bündnis für Bad Honnef“ umklappen und so die gewünschte Fahrtrichtung anzeigen. Die Mitglieder des Bündnisses, die Initiatoren des Projektes, sehen in den Bänken eine unkonventionelle Form, sowohl in Kontakt zu kommen als auch Berg und Tal intensiver zu vernetzen. Die Mitfahrbänke sollen eine kostengünstige Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr sein.

Auch in Eitorf gibt es seit Juli 2017 Mitfahrbänke – eine in der Bahnhofstraße im Zentrum (zwischen Polizeiwache und Apotheke) und eine an der alten Dorfpumpe im Ortsteil Merten. In Hennef wurden bereits vier Mitfahrbänke installiert: am Heiligenstädter Platz in der Innenstadt (Ziel: Allner und Adscheid), in der Lettestraße in Allner (Ziel: Innenstadt), an der Feuerwache in Uckerath (Ziel: Adscheid und Eitorf-Merten) und zuletzt im Sommer 2018 in der Agathastraße in Adscheid (Ziel: Uckerath und Hennef-Innenstadt). Sie alle wurden vom Verein „kivi“ initiiert.

Da es zwischen Bonn und Neuwied keine Brücken gibt, sind auch die Rheinfähren für viele Bürger aus dem RWN-Land, die linksrheinisch arbeiten, studieren oder zur Schule gehen, ein wichtiges Transportmittel. „Unsere Fähren werden von vielen Pendlern und auch Schülern genutzt. Viele fahren jeden Tag und hierfür bieten wir eine ganze Reihe von Sondertickets“, erklärt Ruth Huber von der Rheinfähre Linz-Kripp GmbH. Ähnliches berichtet auch Michael Birk von der Rheinfähre Königswinter GmbH: „Unser Fährschiff wird viel von Berufspendlern benutzt, im Schnitt zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends je 250 bis 300 Fahrzeuge“. Insgesamt gibt es im RWN-Gebiet sieben Fährverbindungen über den Rhein. (eg)

 

 

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