Die blaue Vergangenheit an Rhein und Wied

 

Blaues Blut und blauer Pfau

Bevor das Land an Rhein und Sieg im Jahre 1815 aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses durch das Königreich Preußen übernommen wurde, war es sowohl von geistlichen als auch von weltlichen Herrschern regiert worden. Die brandenburgisch-preußische Linie des Hauses Hohenzollern, bedeutendste Dynastie des deutschen Hochadels, herrschte hier bis zur Abschaffung der Monarchie in Deutschland 1918.

Den Begriff „Blaues Blut“ kennt jeder. Man wendet ihn auf Menschen an, die dem Adel angehören. Das „Blaue Blut“ ist verknüpft mit der „vornehmen Blässe“: Da sich der Adel stets vor der Sonne schützte, um sich vom arbeitenden Volk abzusetzen, bewahrte er sich seine weiße Haut, unter der die Blutgefäße bläulich schimmerten. Daher nahm das niedere Volk an, in den Adern des Adels fließe blaues Blut.

Heinrich und Mechthild

Prominente „Blaublüter“ in der Region waren die Grafen von Sayn. Sie besaßen Gebiete im Westerwald und an der Sieg. Durch die Heirat von Heinrich III. mit Mechthild von Landsberg um 1215 wurde die Grafschaft erheblich aufgewertet. Denn Gräfin Mechthild brachte ein beträchtliches Erbe ein und gehörte zudem zum erweiterten europäischen Hochadel.

Graf Friedrich III. von Wied: Gründer der Stadt Neuwied
Bilder: Stadt Neuwied

Mit dem Tod Heinrichs 1246 war das Grafengeschlecht im Mannesstamm erloschen. Die kinderlose Witwe verkaufte bis 1250 gegen eine hohe jährliche Leibrente die Anwartschaft auf ihre Westerwälder Landesherrschaft an den mächtigsten Reichsfürsten dieser Zeit, den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden. Er zählte neben jenen von Trier und Mainz zu den drei geistlichen Fürstbischöfen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Nachdem 1803 der rechtsrheinische Teil des Kurfürstentums Köln aufgelöst worden war, wurde das Territorium gemäß Reichsdeputationshauptschluss dem Fürsten Karl Ludwig Friedrich Alexander zu Wied-Runkel zugesprochen. Die bis dato zum Amt Altenwied gehörende Lahrer Herrlichkeit wurde nun Nassau-Usingen und dem Amt Linz zugeordnet.

Weil sich Fürst Friedrich Karl zu Wied-Neuwied geweigert hatte, dem Rheinbund beizutreten, wurden die beiden wiedischen Territorien (Wied-Runkel und Wied-Neuwied) 1806 auf Druck Napoleons aufgelöst und ebenfalls Nassau-Usingen zugeteilt, das nun zusammen mit Nassau-Weilburg zum Herzogtum Nassau erhoben wurde. Friedrich August von Nassau-Usingen war erster Herzog und zugleich der letzte männliche Spross seiner Linie.
Am 9. Juli 1815 kamen die Gebiete zu Preußen, in Gestalt des Hohenzollernkönigs Friedrich Wilhelm III., der bis zu dessen Auflösung zudem Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches gewesen war.

1848 bedeutete das Ende des Fürstentums

Das Fürstentum Wied bestand bis zur Märzrevolution 1848 als Standesherrschaft innerhalb Preußens fort. Am 30. Oktober verzichtete Hermann Fürst zu Wied, vierter und letzter der Fürsten zu Wied, für sich und seine Nachkommen unwiderruflich auf alle Regierungsrechte. Dessen ungeachtet zählte das Geschlecht Wied-Neuwied bis 1918 weiter zum deutschen Hochadel.


Der Wappenvogel der Fürsten zu Wied war übrigens der „Blaue Pfau“ (wissenschaftlicher Name: Pavo cristatus), der bis heute als Wappentier der Stadt Neuwied und mehreren Ortsgemeinden des Landkreises fungiert. Hierzu zählt beispielsweise die Gemeinde Steimel, deren Wappen ihn am linken Schildrand zeigt. Vor allem die Männchen des „Blauen Pfaus“ gelten als die ältesten Ziervögel. Der Pfau wird seit jeher als Symbol von Königlichkeit, Reichtum, Schönheit, Unsterblichkeit gesehen, steht aber auch für Arroganz und Eitelkeit. Um ihn ranken sich seit der griechischen Antike viele Mythen und Legenden. (cm)

 

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