Marken des Alltags: Bavaria blu und Bergader Edelpilz


Blauschimmel trifft Weißschimmel

Er ist seit 1972 auf dem Markt und hat – sicher nicht zuletzt dank der TV-Werbung zur besten Sendezeit – inzwischen nationale Bekanntheit erlangt: der bayerische Weichkäse Bavaria blu aus der Bergader Privatkäserei. Da es sich um eine Mischung aus den beiden Edelpilzkulturen Blau- und Weißschimmel handelt, die Hülle ist mit Weißschimmel überzogen, während das Innere mit Blauschimmel marmoriert ist, wird er auch Weiß-Blau-Käse genannt.

Manches, was aus Bayern kommt, ist einfach Käse – aber trotzdem gut.
Bild: Bergader Privatkäserei GmbH

Die Bergader Privatkäserei GmbH mit Sitz in Waging am See wurde 1902 gegründet und ist seither in Familienbesitz. Ursprungsidee des Firmengründers Basil Weixler, großer Liebhaber des französischen Roqueforts, war die Kreation eines Roqueforts, den er aus Kuhmilch und nicht – wie in Frankreich üblich – aus Schafsmilch herstellte. In seiner kleinen Dorfkäserei in Oberbayern gelang ihm die Kultivierung des Schimmelpilzstammes penecilium roqueforti.

Im Jahre 1927 brachte er ihn in Anlehnung an das französische Vorbild unter dem Namen „Bayerischer Gebirgs-Roquefort“ als ersten deutschen Edelpilzkäse auf den Markt. Obwohl er seinen Käse ja aus Kuhmilch machte, strengten die auf den Schutz ihres Originals bedachten Franzosen einen Gerichtsprozess an, der Basil Weixler nach acht Jahren Gerichtsstreit die Namensanleihe untersagte. Seither heißt das Produkt Bergader Edelpilz. Dieser wird bis heute nach unveränderter Rezeptur hergestellt und ist nach über 90 Jahren im laut Claudia Stadler, Leiterin Unternehmenskommunikation, heute das stärkste Exportprodukt des Hauses.

Der Rechtsstreit hat dem Unternehmen durchaus genützt, denn jahrelang wurde in der Fachpresse über jedes Detail des Prozesses berichtet. Zudem wurden in dessen Zuge Lebensmittelhändler im gesamten Deutschen Reich nach ihrer Meinung über den Käse befragt und dadurch nochmals auf ihn aufmerksam gemacht. So war der „Roquefort-Prozess“ einer der Meilensteine für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Familienunternehmens.

In den 60er Jahren erreichte der Bergader Edelpilz höchste Design-Ehren, als die „Edelpilz-Ecken“ in eigens von Luigi Colani gestalteten roten Kunststoffdosen auf den Markt gebracht wurden. Und 1973 gehörte der Käse mit zur Ausrüstung einer Himalaya-Expedition.

Im Jahr zuvor war die Marke herausgekommen, die heute in aller Munde ist, zumindest in den Mündern vieler Käseliebhaber – Bavaria Blu. Die Rezeptur des heute so prominenten Weichkäses war eine Weiterentwicklung der Edelpilzkreation des Bergader Edelpilz´.

Als führender Hersteller und Exporteur von Blauschimmelkäse ist das Unternehmen Bergader mit weiteren namhaften Marken wie beispielsweise dem Bergader Almkäse (verschiedene Geschmackssorten von Schnitt- und Weichkäse) oder Bonifaz, einem Weichkäse in diversen Sorten, am Markt vertreten.

Bergader produziert nach traditionellen Rezepturen und Verfahren an den oberbayerischen Standorten Waging am See und Bad Aibling und verwendet ausschließlich Milch regionaler Herkunft. Das Unternehmen ist in mehr als 50 Ländern vertreten, darunter eine eigene Tochtergesellschaft in Norditalien. Rund 660 Mitarbeiter produzieren eine Jahresabsatzmenge von über 36.000 Tonnen.

Übrigens: Auch der Firmenname Bergader ist verbunden mit der Ursprungskreation Bergader Edelpilz: die blauen Schimmeladern im Käse erinnern an die Wasseradern des Watzmanns, der Bestandteil des Logos von Bergader ist. (cm)

 

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