„Das Anfassen-Wollen passiert mir am häufigsten“

Wem ein Schornsteinfeger begegnet, dem winkt das Glück. So lautet jedenfalls ein weit verbreiteter Glaube. Er reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Horst Ewenz (kleines Bild) ist Schornsteinfeger – und manchmal auch Glücksbringer.
Bilder: Kakaket, privat

Schornsteinfeger waren „im Mittelalter überall herzlich willkommen,“ sagt Horst Ewenz. Er ist von Beruf Schornsteinfeger und als Bevollmächtigter Bezirks­kaminkehrermeister für die Ortschaften Rengsdorf, Bone­feld, Ehlscheid, Hardert, Stra­ßenhaus, Niederraden, Ober­raden und einige Straßenzüge in Melsbach zuständig.

„Feuer hat die Existenz der Menschen seit jeher bedroht. Gerade im Mittelalter gab es schlimme Feuersbrünste, in deren Folge ganze Stadttei­le niederbrannten und die Menschen alles verloren. Es wurde viel mit Holz gebaut, selbst die Schornsteine wa­ren früher oft aus Holz und somit leicht entflammbar. Da offene Feuerstellen mit schlechtem Rauchfang in den Häusern normal waren, bestanden immer große Ge­fahren. Hatte allerdings der Schornsteinfeger den Kamin gekehrt, also das Problem beseitigt, konnte man wie­der sicher leben – und das empfanden die Menschen als großes Glück.“

Die ersten „richtigen“ Schornsteinfeger kamen üb­rigens im 16. Jahrhundert aus Italien und verbreiteten ihr Handwerk über Öster­reich und Süddeutschland in die ganze Republik. Schnell entstanden auch die ersten Schornsteinfegerinnungen. Ob in deren Anfängen insbe­sondere kleinwüchsige Men­schen in die offenen Rauch­abzüge und Schornsteine kletterten, um Teer und Ruß­belag abzukratzen, mag da­hin gestellt sein. In jedem Fall gehörten die Schorn­steinfeger recht schnell zum Hofstaat vieler Landesfürs­ten und durften, wie ihre ad­ligen Dienstherren einen Zy­linder tragen – vorausgesetzt sie waren zumindest Geselle.

Weil die Kaminkehrer an­fangs allerdings keinen und später nur einen spärlichen Lohn erhielten, brachten sie den Ruß in die Apothe­ken und bekamen von den dort daraus gemachten und verkauften Kohletabletten ihr Salär. Andere wiederum stellten ihren leeren Zylinderhut auf den Herd, bevor sie aufs Dach stiegen. Kamen sie zurück, war er meist reichlich gefüllt.

„Ob und was am meisten Glück bringt, einen Schorn­steinfeger anzufassen, sei­ne Hand zu schütteln, über die Schulter zu spucken oder die goldenen Knöpfe unseres schwarzen Kollers zu reiben, ist reine Glaubenssache“, führt Horst Ewenz weiter aus. „Das Anfassen-Wol­len passiert mir am häufigs­ten. Viele möchten mir auch einfach nur auf die Schulter klopfen. Und manche bitten mich auch, ihnen etwas Ruß auf die Nase zu malen. Wenn es ihnen zum Glück verhilft, mache ich es gerne…“ (imr)

 

 

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