Marken des Alltags: Söhnlein Brillant

 

Der brillante Herr Söhnlein

Am 28. März 1876 wurde Söhnlein Rheingold als erste Sektmarke in das deutsche Markenregister eingetragen. Im selben Jahr erhielt der Sekt auf der Weltausstellung in Philadelphia die „Große Medaille“. Als Bewunderer Richard Wagners hatte Söhnlein seinen besten Sekt auf diesen Namen getauft. Der Komponist kam sogar seiner Bitte nach, dem edlen Schaumwein auf der Bayreuther Bühne die Weihe zu verleihen.

Söhnlein- Werbung zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Bilder: Söhnlein Rheingold Sektkellerei GmbH

Im zarten Alter von 15 Jahren wurde Johann Jacob Söhnlein, geboren 1827, als Lehrling einer Frankfurter Weingroßhandlung in die Geheimnisse der Schaumweinherstellung eingeweiht. Auf der Basis dieses Wissens gründete er 1864 gemeinsam mit sechs Geschäftspartnern in Wiesbaden-Schierstein die Rheingauer Schaumweinfabrik.

Höchste Ehrung erfuhr die Sektkellerei, als Kaiser Wilhelm I. verfügte, dass „fortan und für alle Zeit beim Vollzug des Taufaktes beim Stapellauf deutscher Kriegsschiffe nur die Marke Rheingold zur Verwendung zu kommen habe.“ Die Reederei Norddeutscher Lloyd aus Bremen nahm die Marke als erste und einzige deutsche Sektmarke in ihre Getränkekarten auf. Andere Schifffahrtslinien folgten und verbreiten den Namen Rheingold rund um den Globus.

In den 1890er-Jahren wurde in Wiesbaden-Schierstein aufgrund des großen Erfolges ein Neubau erforderlich. Für die großzügig angelegte Kellerei nahm sich der Architekt Alfred Schellenberg das Kloster Eberbach in der Nähe von Eltville zum Vorbild.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannte das Unternehmen die Bedeutung der Werbung und ließ künstlerische Anzeigen gestalten, die unter anderem in der Zeitschrift „Jugend“ erschienen und zu Dokumenten des nach ihr benannten „Jugendstils“ wurden.

Bizarrer Rechtsstreit um eine Schiffstaufe

Nach dem Tod von Johann Jacob Söhnlein im Jahr 1912 übernahm sein Sohn Friedrich Wilhelm die Kellerei, die sich inzwischen komplett in Familienbesitz befand und ab 1922 Söhnlein Rheingold AG hieß. 1934 erneuerte man den bereits 1877 geschlossenen Vertrag mit der Fürst von Metternich-Winneburg’schen Domäne. Neben den hochwertigen Grundweinen und dem Namen der renommierten Domäne Schloss Johannisberg sicherte sich Söhnlein nun auch die Erlaubnis zur Verwendung des Metternich-Winneburg’schen Wappens für die Marke Fürst von Metternich.

Johann Jacob Söhnlein

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in Zeiten des Wirtschaftswunders, wurde der Sektkonsum für breitere Gesellschaftsschichten erschwinglich. Söhnlein bot ab 1964 neben dem Premium-Sekt Fürst von Metternich und der Traditionsmarke Rheingold die neue Konsummarke Söhnlein Brillant an.

Im Jahre 1987 gaben die ehemaligen Wettbewerber Söhnlein Rheingold KG und Henkell & Co. ihren Zusammenschluss bekannt, um als starker Verbund noch besser auf die jeweiligen Marktanforderungen reagieren zu können.

Pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum im Jahr 2004 hat die inzwischen in vielen zeitgemäßen Geschmacksrichtungen erhältliche Marke Söhnlein Brillant die Rekordzahl von 900 Millionen Flaschen abgesetzt.

Übrigens: Ein bizarrer Rechtsstreit brachte Söhnlein im Jahre 1902 international ins Gespräch. Als die in New York gebaute kaiserliche Yacht Meteor traditionsgemäß mit Rheingold getauft werden soll, wurde der Patin Alice Roosevelt, Tochter des US-Präsidenten, eine Flasche Champagner der Marke Moët & Chandon untergeschoben. Es folgte ein deutsch-französischer Champagnerkrieg, den Söhnlein gewann und zudem vom großen Presserummel profitierte. (cm)

 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.