Der Herr des Eises

Scheren, wässern, glätten. Was so einfach wie Waschen, Schneiden und Fönen beim Frisör klingt, ist ein Wirklichkeit ein langwieriger, permanenter, frostiger Prozeß: das Eismachen.

Martin Leicher

„Iceman“ Martin Leicher: „Das Eismachen ist eine Wissenschaft für sich.“
Bild: Presseagentur Funk

Für Martin Leicher, der dafür sorgt, dass die 450 Quadratmeter große Eisfläche der Eishalle in der Westerwald-Arena Asbach immer in ihrem besten Zustand ist, ist es durchaus ein cooler Job. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: „Man muss sich zwar warm anziehen, doch gibt es einen schöneren Lohn, als vor Freude strahlende Kinder zu sehen, wenn sie auf das frische Eis stürmen?“

Als er vor zwei Jahren die reizvolle Aufgabe übernahm, hieß es für ihn „learning by doing“. „Das Eismachen ist eine Wissenschaft für sich und birgt so manche Überraschung. Den meisten Schlittschuhläufern ist das gar nicht bewusst. Sie sehen mich nur im Kassenhäuschen sitzen oder auf der Eismaschine meine Runden auf dem Eis drehen“, meint der „Iceman“: „Eismachen klingt einfacher, als es in Wirklichkeit ist.“

Denn vor Beginn der Saison muss die Eisfläche erst einmal hergerichtet werden. Der Aufwand, der dabei betrieben wird, ist beachtlich: Zunächst muss die Betonplatte des Karrees mit Kältemaschinen auf Minus fünf bis Minus acht Grad durchgekühlt werden. Hierzu sind Kühlschlangen eingebaut, ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung – nur mit gegenteiligem Effekt.

Ist der Beton durchgekühlt, wird die erste Eisschicht erzeugt. Das Wasser, das aufgespritzt wird, verwandelt die Fläche in eine hauchdünne Eisfläche. Diese wird dann peu à peu in weiteren Schichten bis zu einer gesamten Eisstärke von etwa acht bis zehn Zentimeter aufgebaut – je nach Außentemperatur kann dieser Prozess bis drei Wochen andauern. „Das Eis wird Schicht für Schicht, Millimeter für Millimeter, in Handarbeit mithilfe eines Schlauchs aufgetragen“, erklärt Martin Leicher das Procedere. Erst die letzten Zentimeter werden dann mit der Eismaschine aufgebracht.

Leicher weiter: „Wir unterscheiden drei große Schichten. Grundeis und Deckeis haben jeweils etwa 2,5 Zentimeter, darüber liegt das Abriebeis mit einer Stärke von rund drei Zentimetern. Diese Schicht wird mit dann von uns mit der Eismaschine laufend erneuert. Die beiden unteren Schichten bleiben eine ganze Saison lang bestehen.“

Ist das Eis einmal gemacht, genügen tägliche Auffrischungsrunden mit der Eismaschine. „Wann und wie oft, das entscheide ich mit Blick auf das Eis und die Anzahl der Schlittschuhläufer“, erklärt der Eismann seinen Einsatzplan. „Bei Hochbetrieb mache ich mich jede Stunden daran, die Eisfläche wieder zu glätten.“ Denn die von den Menschen abgegebene Wärme, ihr Kurvenziehen und das Abbremsen nutzen das Eis ab, Rillen entstehen, Schneeabrieb bildet sich und machen den Einsatz der Eismaschine erforderlich, für den der Laufbetrieb unterbrochen wird.

„Mit einem Messer wird die oberste Schicht abgehobelt. Bei einem Arbeitsgang kommen da schon mal zehn Schubkarren voll mit Eisabfall zusammen, die abtransportiert werden“, erklärt Leicher. „Kurz danach wird etwa 40 Grad heißes Wasser aufgetragen. Das heiße Wasser lässt das bestehende Eis schmelzen, dadurch werden Kratzer besser entfernt und das Eis wird glatter.“

 

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