Amin Sorkhaby sprach mit Andrea Oosterdyck

 

„Deutsch lernen ist das A und O“

Andrea Oosterdyk arbeitet seit 2009 als Integrationsbeauftragte bei der Kreisverwaltung des Kreises Neuwied. Ihre Aufgabe ist es, die Menschen im Bereich „Flüchtlinge“ zu informieren. Ziel ihrer Arbeit ist es, das gleichberechtigte Zusammenleben der in der Stadt wohnenden Menschen verschiedener Nationalitäten, Kulturen und Religionen zu fördern und zu sichern. Insgesamt leben im Landkreis 16.175 Ausländer; dies entspricht 8,8 Prozent der Bevölkerung.

Interview Oosterdyk - Integration

Amin Sorkhaby im Gespräch mit Andrea Oosterdyck, der Integrationsbeauftragten des Kreises Neuwied, über Flüchtlinge.
Bild: H.-W. Lamberz

Ein Drittel der zugewiesenen Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Sie werden an den verschiedenen Schulen im Kreis Neuwied angemeldet. „Deutsch lernen ist das A und O“, sagt Andrea Oosterdyk. „Für viele Flüchtlingskinder beginnt Deutsch erst in der Grundschule, da sie beispielsweise keinen Kindergarten besucht haben.“ Zunächst werden die Kinder auf den normalen Unterricht vorbereitet. Sie sind motiviert, wollen Deutsch lernen.

Häufig wechseln die Flüchtlinge zunächst in Fächern wie Sport und Musik in die Regelklasse, dann in Mathe oder Naturwissenschaften, später ganz. Wie schnell das gelingt, kann man nicht pauschal beantworten. „Wenn die Deutschkenntnisse gut genug und die schulischen Leistungen in den anderen Fächern ebenfalls gut sind, kann auch ein Wechsel zu einer höheren Schule wie dem Gymnasium in Betracht kommen“, so die Integrationsbeauftragte. „Kinder lernen unglaublich schnell und finden auch schnell Anschluss.“

Kinder brauchen bei den Hausaufgaben jedoch Hilfe von den Eltern. „Die Eltern von Flüchtlingskindern stoßen dabei auf Probleme, sie sind zumeist nicht in der Lage ihren Kindern zu helfen“, weiß die Integrationsbeauftragte. Immer wieder gibt es Sprachprobleme. Die offiziellen Integrationskurse stehen den Flüchtlingen aber erst dann offen, wenn ihr Asylverfahren bearbeitet wurde – das braucht nach wie vor viel Zeit. Dann erst kann es mit der Integration in den Arbeitsmarkt losgehen.

„Man hat hier viele Möglichkeiten, Sprache und Bildung zu erlernen. Wenn man alles nutzt, kann man sein Leben selber gestalten, dann ist man integriert“, so Oosterdyk. Wer bereit sei, Tausende Kilometer auf abenteuerlichen Überlandpassagen zurückzulegen und dann noch sein ganzes Vermögen ausgebe, um sich in ein klappriges, seeuntaugliches Boot zu setzen, habe verdient, dass man sich ernsthaft mit seinem Anliegen auseinandersetzt.

Integration sei aber ein gegenseitiger und bilateraler Prozess. Wer nach Deutschland komme, muss auch bereit sein, die hiesigen Werte zu respektieren. „Manche Leute, die hier einwandern, entwickeln jedoch keine Handlungskompetenzen“, weiß die Neuwieder Integrationsbeauftragte. „Sie bleiben irgendwo stehen, haben einen ganz engen Bereich, sind darauf angewiesen, in ihrem kleinen Umfeld zu bleiben, kommen nicht raus, können keine Kontakte knüpfen.“