Zugezogene fassen in der RWN-Region zumeist schnell Fuß

 

„Die Art der Menschen gefällt mir“

„Hier ist doch immer etwas los.“ Die Antwort von Bernd Süßmilch aus Erpel auf die Frage nach dem Heimatgefühl ist für einen Vollblutmusiker verständlich. Aber was sonst ist es, dass die Region zwischen Rhein und Westerwald für Zugereiste so schnell zur Heimat werden lässt? Die RWN befragte engagierte „Neubürger“.

Vom Großherzogtum in die Alte Herrlichkeit: Bernd Süßmilch (rechts) bringt der neuen Heimat gerne ein Ständchen.
Bilder: privat

Wenn Doris Joachimmeyer aus Neustadt gefragt wird, kommt es ganz spontan: „Ich habe meinen Traum­ort gefunden.“ Sie kann vergleichen, denn die gebürtige Berlinerin lebte 15 Jahre in Belgien, ehe sie die Liebe im und zum Westerwald entdeckte. Als Mitarbeiterin im Mehrgenerationenhaus in Neustadt hilft sie aktuell anderen, hier Fuß zu fassen – beim Integrationskurs für Flüchtlinge.

Die Menschen sind es auch, die Bernd Süßmilch aus Erpel als verantwortlich dafür nennt, dass er als gebürtiger Braunschweiger an den Rheinhängen so schnell Fuß gefasst habe. Geholfen hat dem Postbeamten dabei vor allem das Hobby, die Musik. Der Mann aus dem Großherzogtum mischt in der Herrlichkeit inzwischen nicht nur im Karneval kräftig mit. Gemeinsam mit Günter Witten hat das WiSu-Duo schon eine eigene CD herausgebracht – mit Liedern der Heimat, der rheinischen.

„Besonderer Menschenschlag“

Heimweh und Familiensinn waren es, die Wolfgang Hansult vor vier Jahren nach Asbach geführt haben. Der gebürtige Linzer lebte nach dem Mauerfall 24 Jahre mit seiner Familie im vorderen Erzgebirge, engagierte sich dort in Gemeinderat und Vereinen. Auch in der „Wieder-Heimat“ ist er ein Un-Ruheständler: Vorsitzender im MGV Asbach, ehrenamtlicher Helfer der Tafel. Was ist das Besondere an der Region? „Die Art der Menschen, die gefällt mir einfach.“

Der „besondere Menschenschlag“ ist es auch, den Hans-Joachim Bruns aus Windhagen als Pluspunkt nennt. Geboren in der Lüneburger Heide kam er vor mehr als 30 Jahren in die Region und habe „es nie bereut“. Ehrenamtlich ist er im Sport engagiert – und für die Heimat, nämlich im Heimat- und Verschönerungsverein.

Als ehemaliger Hamburger sich in Altenhofen wohlfühlen? Dafür zählt Frank Regnery auch die menschlichen Aspekte auf. Vor 16 Jahren sei er mit seiner Familie buchstäblich mit offenen Armen aufgenommen worden, berichtet der Berufssoldat. „Meine Frau sagt außerdem immer wieder, wir leben da, wo andere Urlaub machen.“ Wie sehr sich Regnery inzwischen eingelebt hat, zeigt wohl das Ehrenamt: Seit vier Jahren ist er Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft „Ewig jung“ aus Etscheid.

„Mit Karneval nichts am Hut“ – eigentlich

Frank Regnery (oben rechts liegend) ist seit vier Jahren Vorsitzender der Etscheider KG „Ewig jung“.

Im Karneval ist auch Fritz Holzschuh engagiert. Dabei erinnert er sich daran, dass er „mit Karneval eigentlich nichts am Hut“ hatte, als er vor zwölf Jahren nach Fernthal zog. „Ich habe hier von Anfang an nur offene Arme gespürt und mich in keiner einzigen Minute fremd gefühlt“, resümiert der Westerwälder seine Erfahrungen. Er musste von seiner Frau noch vor drei Jahren überredet werden, um als Prinzenpaar in Neustadt aufzutreten. „Da hat es mich gepackt“, erzählt der heutige Vorsitzende des Neustädter Karnevalsvereins.

Als „englischer Rheinländer“ hat sich in den vergangenen Jahren Rex Stephenson selbst bezeichnet. Unkels Stadtspitze sprach immer wieder vom besonders glücklichen Umstand, der den Telekommunikationsmanager 1997 an den Rhein brachte. Jahrelang führte er ehrenamtlich die Entwicklungsagentur Unkel. Der „wohl rührigste Mitbürger unserer Stadt“ (O-Ton Bürgermeister Hausen) war maßgeblich daran beteiligt, der Stadt den Beinamen Kulturstadt zu verpassen. „Wenn die Bürger zusammenhalten, dann gibt es auch eine positive Zukunft“, resümiert der 77-Jährige. (fu)

 

 

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