Vor 50 Jahren kam die erste Tiefkühlpizza auf den deutschen Markt

 

Die Convenience-Revolution

Willy Brandts Kniefall in Warschau, die Raumfahrthavarie von Apollo 13, die Trennung der Beatles, der erste Tatort: 1970 war ein bewegendes Jahr. Mit dabei war die Einführung der ersten Tiefkühlpizza in Deutschland. Seither kommt echtes italienisches Lebensgefühl kinderleicht auf den heimischen Teller.

Pizza-Produktion im Oetker-Werk 1984 (großes Bild) und die erste TK-Pizza für den deutschen Markt.
Bild: Hersteller

Der Legende nach soll sie 1899 erstmals gebacken worden sein. Ein Teigfladen, belegt mit den italienischen Nationalfarben Grün (Basilikum), Weiß (Mozzarella) und Rot (Tomaten), benannt nach Königin Margherita von Italien. Tatsächlich belieferten Bäckereien da aber bereits seit rund 20 Jahren den italienischen Hof mit Pizzen. Frühformen finden sich zudem seit der Antike in Rezepten aus dem Mittelmeerraum und Persien.

1905 legten schließlich Einwanderer in New York den Grundstein zum weltweiten Erfolg des italienischen Nationalgerichts. Etwas mehr als 50 Jahre später vermarkteten die Gebrüder Celentano die erste Tiefkühlpizza der Geschichte in größerer Stückzahl.

Europa brauchte etwas länger, um auf den Zug aufzuspringen. Im italienischen Mantua produzierte Großbäcker Romano Freddi erstmals 1968 Tiefkühlpizzen auf industrielle Art. Schnell erkannte man nun bei Dr. Oetker das Potenzial und verkaufte ab 1970 die Pizza alla Romana in Deutschland, hergestellt in Lizenz bei Romano Freddi.

Für den heutigen Gaumen eher gewöhnungsbedürftig belegt mit Tomaten, Paprika, Mortadella sowie einer Käsemischung aus Mozzarella und Provolone wurde die Rohteig-Pizza im mitgelieferten Aluminiumteller satte 30 Minuten gebacken. Für zwei Personen sollte sie reichen und war mit 2,95 DM nicht gerade günstig in einer Zeit, in der der durchschnittliche Arbeitnehmer 1100 DM im Monat verdiente.

Mary Roos und der Happy-Pizza-Song

Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch. 1973 wurden 2800, zum Ende des Jahrzehnts 23.000 Tonnen Pizza von den Herstellern für den hiesigen Markt produziert. Dr. Oetker bediente die steigende Nachfrage mit den unterschiedlichsten Variationen begleitet von starken Marketingaktionen. Schlagersängerin Mary Roos etwa widmete 1975 der Tiefkühlpizza den „Happy-Pizza-Song“ und gab in Kaufhäusern bei den Dr. Oetker Tiefkühlkostwochen Autogrammstunden.

Zehn Jahre später erblickte eine der immer noch beliebtesten Tiefkühlpizzen das Licht der Welt: Die Ristorante, von der heute rund 300 Millionen Packungen jährlich verkauft werden, war zunächst in den Sorten Salami und Schinken erhältlich.

Längst zählt die Tiefkühlpizza zu den wichtigsten Produkten im Dr.-Oetker-Kosmos. Mit mehr als 400 Varianten weltweit ist das Angebot so vielfältig wie nie zuvor. Aktuelle Ernährungstrends wie der Verzehr mehrerer kleiner Speisen über den Tag, das sogenannte „Snacking“, finden sich beispielsweise im 2019 eingeführten Intermezzo-Sortiment wieder. (red)

 

 

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