Die Welt macht Musik – die Weltmacht Musik

Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit: Sie verbindet unterschiedlichste Länder, Völker und Kulturen, stellt ein Mittel dar, Gefühlen Ausdruck zu verleihen – viel unmittelbarer und tiefer als Worte es können. Und ihr werden viele Wirkungen zugeschrieben – wissenschaftlich verbrieft.

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Musik wirkt. Das haben Wissenschaftler in vielen Studien erwiesen. So kann sie etwa auch beim Flirten helfen. Bild: Pixelio/Joujou

Musik macht gesund und glücklich – zu dieser Feststellung kam ein deutscher Krankenversicherer durch die Analyse von zehn Charthits. Dabei zog man klinische Erfahrungsberichte aus Deutschland und den USA zurate und untersuchte den Wohlfühlfaktor anhand von Musiktempo und Herzrhythmus.

Während normale Körperfunktionen des Menschen bei 72 Herzschlägen pro Minute ablaufen, wirkt Musik mit einem höheren Tempo aufputschend. Popsongs, wie etwa von Lady Gaga, steigern demzufolge die Leistung. Lieder über 120 Beats per Minute (bpm), wie etwa der AC/DC-Klassiker „Highway to Hell“, tragen zum Abbau von Aggressionen bei. Songs mit weniger als 72 bpm, insbesondere klassische Musik, wirken hingegen beruhigend.

Liebeslieder helfen sogar beim Flirten, das fand der französische Psychologe Nicolas heraus. Er ließ Frauen im Alter von 18 bis 20 Jahren mit einem jungen Mann über die Unterschiede zwischen einem normalen Keks und einem Biokeks diskutieren. Vor dem Gespräch mussten die Probantinnen fünf Minuten lang in einem Raum warten, der mal mit einem romantischen Liebeslied und mal mit einem neutralen Song beschallt wurde.

Am Ende des Gesprächs fragte der Mann alle Teilnehmerinnen nach ihrer Telefonnummer und lud sie auf einen Drink ein. Ergebnis: Nach der Ballade rückten 52 Prozent der Teilnehmerinnen ihre Telefonnummer raus. In der Kontrollgruppe waren es nur 28 Prozent.

Musik beeinflusst aber auch unser Einkaufsverhalten, wie Adrian North schon im Jahr 1997 belegte. In seiner „Wein-Studie“ spielte ein Supermarkt mal französische Akkordeonmusik, mal deutsche Blasmusik. Bei Klängen aus Frankreich waren 77 Prozent der verkauften Weine ebenfalls französisch. Wurde deutsche Blasmusik gespielt, kamen 73 Prozent der verkauften Weine aus Deutschland.

Musik macht schneller betrunken

Für eine weitere Studie wählte Nicolas Guéguen Bier trinkende Männer aus. Während des Versuchs wurden die Teilnehmer entweder mit Musik in moderater Lautstärke oder lauter Musik beschallt. Bei leiser Musik brauchte ein Mann im Schnitt 15 Minuten für ein Bier, bei lauter Musik war es bereits in weniger als 12 Minuten leer.

Der Psychologe schloss daraus: Entweder klettert durch die laute Musik der allgemeine Erregungszustand der Gäste, wodurch sie schneller trinken oder sie trinken mehr, weil eine Unterhaltung bei hoher Lautstärke schwieriger wird.

Dass die richtige Musik die Ausdauer steigert, konnte der Sportwissenschaftler Costas Karageorghis nachweisen. Als optimal erwies sich ein Rhythmus von 120 bis 140 bpm. Liefen die Probanden auf einem Laufband synchron zu einem solchen Rhythmus, brachten sie bis zu 15 Prozent mehr Leistung. Außerdem spürten sie die Anstrengung mit Musik weniger als ohne.

Der britische Forscher Marcel Zentner spielte in einer Studie 120 Babys im Alter von fünf bis 24 Monaten verschiedene Klänge vor – darunter klassische Musik, rhythmisches Klopfen oder Sprache – und beobachtete, inwieweit die Kleinen auf die verschiedenen Töne reagierten. Resultat: Sie bewegten sich eher, wenn die Musik ertönte, als wenn sie bloß der Sprache lauschten.

Zudem passten die Kleinen  ihre Bewegungen sogar dem Tempo der Klänge an. Und je synchroner die Bewegungen mit der Musik waren, desto mehr lächelten die Kinder. Eine der beliebtesten Legenden der Wissenschaft – die Annahme, dass Mozart-Musik Kinder intelligenter macht, widerlegt allerdings eine Studie der Universität Wien.

Bei so vielen positiven Eigenschaften der Musik fast ein Wunder: Wer etwas auswendig lernen muss, sollte währenddessen keine Musik hören. Zu diesem Resultat kommen Forscer aus Cardiff. In ihrer Studie zeigten sie 25 Probanden nacheinander acht Konsonanten, die anschließend in der richtigen Reihenfolge wiedergeben werden sollten. Der Test fand in unterschiedlichen Situationen statt: Mal war es in dem Raum still, mal hörten die Freiwilligen leise Musik, mal eine Stimme, die Zahlen nannte. Ergebnis: Die Gruppe, die während des Tests Musik hörte, schnitt am Schlechtesten ab.

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