Rheinische Pforten und Tore zum Westerwald


Diese Türen stehen immer offen

Hamburg ist das Tor zur Welt, Lübeck das Tor zum Norden und Helgoland das Tor zum Meer. Gerade in Norddeutschland gibt es viele solcher Tore im übertragenen Sinne, aber auch die RWN-Region ist reich an solchen Pforten.

Eines der Tore zum Westerwald: Die Bogenbrücke über die A3 gilt heute als Kunstdenkmal.
Bild: Presseagentur Funk

Eines der „Tore“ im übertragenen Sinne, mit denen sich die hiesige Region schmücken darf, ist die Kulturlandschaft „Mittelrheinische Pforte“, die auf der rechtsrheinischen Seite Gemeinden wie Asbach, Bad Honnef, Buchholz, Hennef, Königswinter, Rheinbreitbach und Windhagen umfasst. Die Kulturlandschaft markiert durch das stark eingeschnittene Eingangstal des Unteren Mittelrheins den Übergang vom Rheinischen Schiefergebirge zur Niederrheinischen Bucht.

Die „Mitterheinische Pforte“ mit den über 40 dicht liegenden Bergkuppen des hoch frequentierten Erholungs- und Ausflugsraumes Siebengebirge ist vulkanischen Ursprungs. Der dortige Petersberg, erster Niederlassungsort der Heisterbacher Mönche, kam nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz und blieb mit den Pilgerwegen von Königswinter, Nieder- und Oberdollendorf, Heisterbach und Rosenau zur Petruskapelle bis in die 1930er Jahre ein bedeutender Wallfahrtsort. Das 1888 auf dem Petersberg erbaute Grandhotel, das seit 1990 von der Steigenberger-Gruppe betrieben wird, befindet sich im Eigentum des Bundes und wurde am 23. September 2019 nach zweieinhalbjähriger Umbauphase von Außenminister Maas wiedereröffnet.

Die im Rheintal gelegenen Städte Königswinter und Bad Honnef wurden durch den Tourismus und den Kurbetrieb stark verändert. In ihrer unmittelbaren Umgebung wird bis heute Weinbau betrieben. Auf der rechtsrheinischen Seite bildet das Pleiser Hügelland, auch Pleiser Ländchen genannt, den östlichen Teil der Kulturlandschaft. Es ist geprägt durch die tief eingesenkten Täler von Hanf- und Pleisbach. Das linksrheinische Gegenstück zum Pleiser Ländchen bildet das Drachenfelser Ländchen.

Sprengung ersparte Tunnelbau

Neben der Mittelrheinischen Pforte liegt auch die Rheinische Pforte im RWN-Land. „Porta Rhenania“ bezeichnet einen schmalen Durchlass, der vor über 150 Jahren in den Höhenrücken des Schlossbergs zwischen Schladern und Altwindeck gesprengt wurde. Der künstliche Einschnitt ersparte der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft den Bau eines Tunnels.

Porta Rhenania: Der schmale Bergeinschnitt ist das Ergebnis einer Sprengung durch die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft.
Bild: Dieter Vollmer

Auch im weiteren Verlauf der Siegstrecke von Köln nach Siegen war man beim Bau der Bahnstrecke nicht zimperlich im Umgang mit der Natur: Der Flussverlauf wurde mehrfach begradigt und am Hof Schladern, der von 1461 bis 1812 zum Kloster Ehrenstein im Wiedtal gehört hatte, wurde der Bergrücken zwischen dem Auelsberg und dem Steiner Berg gesprengt. So entstand der Siegfall bei Schladern, der als größter Wasserfall im heutigen Nordrhein-Westfalen gilt. Das Wasser fällt hier etwa vier Meter tief. Durch die Sprengung wurde der Lauf der Sieg deutlich verändert und die Bahn konnte so auf den Bau eines Tunnels und zweier Brücken verzichten.

Knapp neun Kilometer südöstlich von Schladern liegt das ebenfalls zu Windeck zählende 350-Einwohner-Dorf Au, das mitunter auch als „Tor zum Westerwald“ bezeichnet wird. Die kleine Ortschaft im Rhein-Sieg-Kreis liegt in einer Schleife der Sieg im südlichen Nordrhein-Westfalen, direkt an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Durch seinen vergleichsweise großen und verkehrstechnisch wichtigen Bahnhof hat der Ort trotz seiner geringen Größe überregionale Bedeutung erlangt.

Der Bahnhof wurde bereits am 1. August 1860 eröffnet, als Bestandteil der Bahnstrecke von Deutz nach Gießen. Nachdem am 1. Mai 1887 die Oberwesterwaldbahn nach Altenkirchen – daher die Bezeichnung „Tor zum Westerwald“ – in Betrieb gegangen war, wurde Au zu einem Eisenbahnknotenpunkt. Seit der Ende 2013 abgeschlossenen Modernisierung hat der Bahnhof sechs im regulären Betrieb benutzte Bahnsteiggleise.

Ihren Titel als „Tor zum Westerwald“ muss sich Au jedoch teilen: Mit Kircheib, dem Ort, der sich sogar im eigens von Jonny Winters („Elvis aus dem Westerwald“) komponierten Jubiläumssong zum 750-jährigen Bestehen als „Tor zum Westerwald“ besingen lässt. Und auch die Bogenbrücke über der Autobahn A3 zwischen den Abfahrten Siebengebirge/Königswinter und Bad Honnef/Linz wird als Westerwälder Tor bezeichnet. Sie ist eine der wenigen noch erhaltenen Steinbrücken, die in der Zeit des Autobahnreichsamtes entstanden sind, und gilt heute als Kunstdenkmal.

Als Wiedtor wird hingegen in manchen Reiseberichten die alte Autobahnbrücke bei Neustadt bezeichnet. Tatsächlich überspannt ein steinerner Bogen hier die Wied, die an dieser Stelle bereits anschauliche Breite hat. (cm/fu)

 

 

 

 

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