„Do It Yourself war nie wirklich weg“

Weit gefehlt, wer bei „Do It Yourself“ nur an Werbekampagnen von Baumärkten,  Hobbybastler oder strickende Mütter denkt. Hinter „Do It Yourself“ verbirgt sich eine eigene  Designdisziplin mit Geschichte. Der Historiker Jonathan Voges beleuchtet in seiner Doktorarbeit eine Bewegung, die sich seit über hundert Jahren von einer Randerscheinung zu einem wahren Massenphänomen entwickelt hat. Und er stand der RWN-Redaktion in einem Gespräch Rede und Antwort. 

Jonathan Voges (kleines Bild) hat das Heimwerken zum Thema seiner Doktorarbeit gemacht.
Bilder: Fotolia/Gennadiy Poznyakov, privat

Wie kamen Sie auf die Idee, die „Selbst-ist-der-Mann“-Entwicklung zu einer historisch-wissenschaftlichen Doktorarbeit zu machen?

Jonathan Voges: Wenn man so will, hat die Arbeit zwei Ursprünge. Mein eigentlicher Plan war es, über das Wirtschaften im alternativen Milieu der 70er und 80er Jahre zu schreiben. Bei der Lektüre der Quellen wurde mir deutlich, dass die Protagonisten immer häufiger davon sprachen, Wirtschaft ganz auszuschließen und lieber alles selbst zu machen. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff des Heimwerkens beziehungsweise des Do It Yourself, eine Tätigkeit, die eine längere Geschichte hat, die bislang noch nicht geschichtswissenschaftlich aufgearbeitet worden ist.

Das ist besonders verwunderlich, weil das Thema einen Beitrag zu den unterschiedlichsten, die Zeitgeschichtsforschung gerade interessierenden leistet: Die Geschichte von Arbeit und Freizeit, die Frage nach Geschlechterbeziehungen, ein besonders wichtiger und innovativer Bereich der Geschichte des Einzelhandels wie Baumärkte und dergleichen mehr. Der zweite Anlass ist, dass mir selbst die DIY-Begeisterung vollständig abgeht. Gerade aus diesem Unverständnis heraus, warum so viele Menschen gerne und vielleicht sogar häufiger als nötig ihre Samstage in Baumärkten verbringen, bewirkte ein quasi alltagsethnologisches Interesse am Thema.

 

Sind Sie selbst also kein begeisterter Heimwerker?

Voges: Eher nein: Ich gehöre in die Kategorie der ,Mussheimwerker‘. Ich mache partnerschaftlich mit meiner Lebensgefährtin das, was anfällt. Ich freue mich auch, wenn es gut wird und wir sind dann ganz furchtbar stolz auf das Geleistete. Das führt aber nicht dazu, dass wir nun unbedingt besonders viel Freude oder Spaß oder Befriedigung bei der ,Arbeit‘ empfinden würden.

 

Ist Do It Yourself aus wissenschaftlicher Sicht eher als immer wiederkehrender Trend oder doch mehr als eine ganz normale Freizeitbeschäftigung wie beispielsweise Sport einzustufen?

Voges: Es ist schwer, von einem wiederkehrenden Trend zu sprechen, da ich auf Grundlage meiner Recherchen davon ausgehen würde, dass das DIY nie wirklich weg war. Seit es in den späten 50er Jahren aufkam, war es im Grunde immer da, ja wuchs im Umfang der geleisteten DIY-Stunden und in der Frage ,Projekte‘ eher immer weiter an.

Deshalb kann man vielleicht tatsächlich davon ausgehen, dass das DIY sich am Ende vielleicht tatsächlich so normalisiert hat, wie man das vom Breitensport als Freizeitbeschäftigung kennt. Mit dem Sport hat es auch gemein, dass es sich um eine Freizeitbeschäftigung handelt, die als ,sinnvoll‘ angesehen wird: Sport dient der Gesundheit, DIY der Verschönerung des Hauses beim gleichzeitigen Einsparen der Geldmittel, die ansonsten für den Handwerker hätten aufgewendet werden
müssen. (imr)

 

 

 

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