Erkrankte blicken hinter Kulissen des Motorsports

 

Ein Herz für Herzkinder

Marino Engels aus Waldbreitbach engagiert sich seit über 20 Jahren über den „Bundesverband Herzkranke Kinder“ für Kinder mit angeborenem Herzfehler. Alljährlich im Sommer verbringt er mit Herzkindern und ihren Familien einen Tag auf dem Hockenheim- oder Nürburgring.

Marino Engels präsentierte in der RWN-Redaktion Bilder von „seinen“ Motorsportveranstaltungen.
Bild: Presseagentur Funk

Er denke, „in der heutigen Zeit sollte man sich irgendwo sozial engagieren“, erklärt der 66-Jährige. „An den ‚Bundesverband Herzkranke Kinder‘ bin ich 1997 über das damalige Ministerium für Familie und Gesundheit gekommen.“ Sein Wunsch sei es gewesen, sich bei einer in Deutschland ansässigen Organisation für kranke Kinder zu engagieren. „Kinder mit angeborenem Herzfehler und deren Eltern haben schon eine ganze Menge mitgemacht“, erklärt Engels, selbst Vater einer Tochter.

Fast 8000 Kinder werden jährlich mit einem Herzfehler geboren. Jedes Jahr benötigen 4500 von ihnen Eingriffe am offenen Herzen. „Ich wollte mal wieder etwas Freude in ihre Gesichter zaubern. Glückliche Kinder – das war mein Bestreben“, so Engels.

Da er in den 1980er Jahren Langstreckenrennen auf dem Nürburgring gefahren war, hatte er gute Kontakte in die Motorsportszene und beschloss diese für den guten Zweck zu nutzen. Sein Plan war, herzkranken Kindern und ihren Familien bei einer Motorsportveranstaltung einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. 1998 feierte die Idee Premiere auf dem Nürburgring „und das kam so gut an, dass wir es im folgenden Jahr nochmal gemacht haben“, so der gebürtige Solinger. „Mittlerweile sind über 20 Jahre daraus geworden.“

Auf dem von Engels minutiös geplanten Programm finden sich Besuche bei der Rennleitung und bei einem Rennteam. Die Kinder dürfen in einem Rennwagen Probe sitzen und auch mal mit einem Pokal in der Hand auf dem Siegerpodest stehen. Natürlich werden von der Tribüne aus auch die Rennen verfolgt.

Unterstützt wird Engels von seiner Frau sowie seit einigen Jahren auch von Rudi Philipp, Ehrenpräsident des Porsche Clubs Nürburg­ring. Dieser habe „uns einige Türen geöffnet, was den Hockenheim angeht“, so Engels. „Und er hilft mir, die Gruppe zusammenzuhalten, wenn wir die einzelnen Stationen durchgehen.“ Nächstes Jahr im Sommer können erneut 50 Herzkinder und Angehörige bei den Porsche Club Days am Hockenheimring Motorsport zum Anfassen erleben.

Seit 2014 lädt das Ehepaar Engels über den Bundesverband Herzkinder mit ihren Eltern kurz vor dem Advent nach Waldbreitbach ein – das nächste Mal 2020. Herzstück der Veranstaltung ist ein ökumenischer Gottesdienst, den die Engels mit den Kirchen vor Ort organisieren. Symbolisch erhalten die Kinder dort „ein neues Herz aus Naturschiefer mit dem Namen drauf“, erklärt Engels, der im Gottesdienst Herzen und Engel verteilt und eine selbstgeschriebene Fürbitte vorträgt.

Im Anschluss an die Messe und eine kleine Stärkung zieht der Ehrenamtler mit den Kindern durch das geschmückte Waldbreitbach. „Meine Frau und ich schenken uns nichts, dafür machen wir was für die Kinder und für die Gemeinde – das ist unser Beitrag“, erklärt der Rentner, der bereits mehrfach für sein Engagement geehrt wurde.

Als „Ironie des Schicksals“ bezeichnet er, dass sowohl seine Frau als auch er mittlerweile herzkrank sind. Das binde ihn „noch etwas mehr an den ‚Bundesverband Herzkranke Kinder‘“, so Engels. (eg)

 

 

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