Marken des Alltags: Kupferberg Gold

 

Eine der schönsten Launen der Welt

Die schöne heile Welt der bundesrepublikanischen 1980er Jahre – falls sie tatsächlich in unseren Köpfen ist, dann haben die damaligen TV-Spots maßgeblichen Anteil daran. Einer dieser unvergesslichen Filme wurde von der Firma Kupferberg geschaltet. Heitere Menschen trinken in stilvollem Ambiente Sekt und geben einander Wangenküsschen, untermalt von fröhlicher Musik.

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Bilder: Hersteller

Auf der Anhöhe des Kästrich über der Mainzer Innenstadt gründete Christian Adalbert Kupferberg am 4. Juli 1850 seine „Fabrication moussierender Weine“. Zwei Jahre später wurde die Erfolgsmarke des Hauses kreiert: Kupferberg Gold. Bereits 1853 exportierte man nach England – und in den folgenden Jahren kamen über 60 überseeische Gebiete des britischen Empires hinzu.

Im Jahre 1870, kurz vor der deutschen Reichsgründung, verbrachte Otto von Bismarck als preußischer Ministerpräsident und Außenminister sowie Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, mehrere Tage auf dem Kästrich und schlug übergangsweise sein „Bureau des Auswärtigen Amtes“ dort auf. Im Folgejahr wurde der bisherige Graf zum Fürsten erhoben und zum ersten Reichskanzler ernannt. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes erschlossen sich der Sektkellerei ab 1872 neue Exportmöglichkeiten. Noch im selben Jahr wandelte Christian Adalbert Kupferberg sein Unternehmen  in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, kurz KGaA, um.

In der Berliner Friedrichstraße nahm man im Jahr 1912 die erste große Leuchtreklame in Betrieb. Auf einer Fläche von 60 Quadratmetern zeigten 2600 wandergeschaltete Glühlampen eine Animation, die das Eingießen von Sekt darstellte, in ein Glas, aus dem kleine Bläschen aufstiegen.

Sektkeller boten Schutz vor Bomben

Während der Weltkriege fanden tausende Menschen in den unterirdischen Kupferberg-Sektkellern Schutz vor feindlichen Bomben, das Stammhaus jedoch wurde beim Angriff auf Mainz im Februar 1945 stark beschädigt. Nach Kriegsende wurde zwar mit dem Wiederaufbau begonnen, doch bereits Mitte der 1960er-Jahre reichte dessen Kapazität nicht mehr aus, so dass in Mainz-Hechtsheim neue, großräumige Anlagen errichtet wurden.

Prüfer an der Dosiermaschine

Im Juli 1978 wurde – nach einem echten Übernahmepoker – ein Kooperationsvertrag mit der Unternehmensgruppe Racke aus Bingen geschlossen. Harro Moller-Racke war zuvor vom Kupferberg-Clan zu Hilfe gerufen worden, um den Magenbitterfabrikanten Underberg abzublocken. Letztlich verkaufte Underberg seine Papiere an Moller-Racke, der nun einen 77,6-Prozent-Anteil an Kupferberg hielt.

Nachdem der persönlich haftende Gesellschafter Andreas Kupferberg noch am 4. Juli 2000 den 150. Geburtstag seiner Sektkellerei hatte feiern können, übernahm im Oktober 2004 die Oetker-Tochter Henkell & Söhnlein die Marken Kupferberg und Scharlachberg von der Racke-Gruppe. Diese verkaufte die Gebäude auf dem Kästrich – die bis heute für Besucher geöffnete Kupferbergterrasse – 2010 an die Immobiliengruppe Richter.

Kupferberg Gold ist laut eigener Aussage übrigens nicht nur eine der schönsten Launen der Welt – das Unternehmen verfügte ab 1888 auch über die am tiefsten geschichteten Sektkeller der Welt. In jenem Jahr hatten die Söhne des Firmengründers die mittelalterlichen Gewölbe erweitern lassen: Auf sieben unterirdischen Etagen entstanden insgesamt 60 Kellerräume. (cm)

 

 

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