Eine Knolle mit Tradition

Das Erzgebirge verspricht kulinarisch vielseitig zubereitete Kartoffelgerichte. Ursprünglich war die Knolle in (Not-)Zeiten, in denen man sich Fleisch kaum leisten konnte, von den Hausfrauen als Arme-Leute-Essen zubereitet worden. Symbolträchtiger geht es bei den erzgebirgischen Weihnachtsspeisen Neunerlei und Stollen zu.

Erzgebirge

Wer im Erzgebirge verweilt, kommt an Heidelbeergetzen (kl. Bild) und Klitscher kaum vorbei.
Bilder: Fotolia/A_Lein, superfood, Lsantilli

Noch heute spielt die wenig anspruchsvolle Kartoffel in vielen Gerichten aus dem Erzgebirge die Hauptrolle. „Klitscher“ zum Beispiel sind eine Art Kartoffelpuffer, bei denen geriebene Kartoffeln in der Pfanne beidseitig goldgelb gebacken werden. Sie werden sowohl als süße, als auch als herzhafte Hauptspeise sowie als Beilage gegessen. Dazu passt Apfelmus.

In der gesamten Region verbreitet sind auch die „Griene Kließ“, auf Hochdeutsch „Grüne Klöße“, die eine gute Beilage zu Sauerbraten, Rouladen oder Wildgerichte abgeben. Der Erzgebirgler nennt sie so, da sie überwiegend aus geriebenen rohen Kartoffeln bestehen.

Ebenfalls eine Lieblingsspeise der Einheimischen sind Getzen. Dem Wörterbuch der Sächsischen Mundart von 1908 zufolge liegt dem Namen das Wort „ätzen“, essen machen, zugrunde. Das Gericht gibt es auf der Basis von geriebenen rohen Kartoffeln oder von Mehl.

In einer Pfanne im Backofen goldbraun gebackene erzgebirgische Buttermilchgetzen aus geriebenen Kartoffeln schmecken pur oder als Beilage. Als Hauptgericht beliebt, aber auch als Nachtisch geeignet, sind Heidelbeergetzen auf Mehlbasis (siehe Rezeptvorschlag). Der mit Beeren bestreute Eierkuchenteig wird ebenfalls im Backofen zubereitet.

Überbleibsel der einstigen Arme-Leute-Küche sind auch Pellkartoffeln mit Quark, gerne mit Leberwurst und Butter serviert, sowie Kartoffelsuppe mit Blutwurst.

blue berryAls Dessert kommen gerne Quarkkeulchen bzw. -käulchen auf den Tisch. Die runden Scheiben aus gekochten Kartoffeln und Quark werden in der Pfanne auf beiden Seiten goldgelb gebacken und mit Zucker und Zimt bestreut. Dazu gibt es Apfelmus oder ein anderes Kompott.

Symbolkraft haben die regionalen Weihnachtsspeisen. So versinnbildlicht der Erzgebirgische Stollen, in ärmeren Zeiten eine gehaltvolle Nascherei, das in weiße Tücher gewickelte Christkind. Ein „Muss“ für viele Erzgebirger ist das Weihnachtsessen „Neinerlaa“, auf Hochdeutsch „Neunerlei“. Am Heiligabend kommen neun verschiedene Speisen auf den Tisch, die alle eine eigene Bedeutung haben. Die Zusammensetzung des Essens variiert jedoch regional und sogar von Familie zu Familie.

Übrigens: Wer seinen Magen mit all den kulinarischen Verlockungen überfordert hat, dem sei ein heimischer Kräuterlikör angeraten.

 

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