Der „EffZeh“ hat im RWN-Land die meisten Freunde


Elf Freunde müsst ihr (mindestens) sein

Elf Freunde müsst ihr sein, so lautet ein vielzitiertes Motto, das fälschlicherweise oft dem ehemaligen Bundestrainer Sepp Herberger zugesprochen wird. Für Fanklubs der verschiedensten Fußballvereine mag der Titel eines Romans von Sportreporter Sammy Drechsel trotzdem gelten. Als Fanklub des FC Schalke sind „elf Freunde“ sogar ein Aufnahmekriterium.

Die Borussia vom Niederrhein steht bei den Fans am Mittelrhein hoch im Kurs. Fanklubs wie die Mittelrhein-Borussen aus Linz (Bild) unterstützen Borussia Mönchengladbach ebenso wie die Borussen-Rabbits aus Bad Honnef.
Bild: Verein

In Bad Honnef könnte der Kreis um Andreas Bechthold die Elfer-Hürde mit aktuell dreizehn Mitgliedern soeben überspringen. Aber nicht für Schalke, nein für Borussia Mönchengladbach schlagen die Herzen bei den Borussen-Rabbits. Bei der Wahl des Klubnamens bewies Andreas Bechthold Humor: Weil er ursprünglich als Hobby den lokalen Kaninchenzuchtverein angegeben hatte, war der Wechsel zur „Fohlenelf“ vom Niederrhein nur ein kurzer Sprung. Noch eine Besonderheit vermeldet der Fanklub aus Bad Honnef: Acht zu Fünf, so lautet das Geschlechterverhältnis – zugunsten der Frauen.

Als die RWN-Redaktion zum „Tag der Freundschaft“ Anfang der letzten Woche und dem bevorstehenden Ligastart auf die Suche nach Fanklubs in der Region zwischen Rhein, Wied und Sieg ging, da zeigte sich schnell, dass vor allem der Kreis Rhein-Sieg mit zahlreichen Fanklubs auftreten kann.

Spitzenreiter in der Gunst der Fans ist naturgemäß der 1. FC Köln, dessen Abstieg vor Wochen in der Fanszene kaum Spuren hinterlassen hat. Die FC Fründe Asbach, die Wiedtal-Böcke aus Hausen oder auch die Mettbrütche Cologne in Unkel drücken in den nächsten Wochen einfach die Daumen zum Wiederaufstieg.

Noch einmal zurück zu den elf Freunden: Die standen bereits 1903 auf der sogenannten Viktoria-Statue, dem Vorläufer der heutigen Meisterschale.

Obwohl gerade abgestiegen, zählt der „EffZeh“ die meisten Fanklubs in der Region. Der Dauertitelträger aus München kann da nicht mithalten.
Bild: RonnyK.

Wer hätte es gedacht? Der erste Fanklub des 1. FC Kaiserslautern wurde 1969 ausgerechnet im Westerwald gegründet. Auch heute noch ist das RWN-Land bestens versorgt mit Fanklubs der Bundesligisten. Und natürlich der Zweitligisten, denn der 1. FC Köln ist allein im Raum Bonn mit 35 Fanklubs vertreten, Bayern-Fans sind zwischen Sieg und Rhein gerade mal in sechs verschiedenen Klubs organisiert.

Die gemeinsamen Reisen zu den Heim-, teilweise auch zu den Auswärtsspielen, die sind der wichtigste „Geschäftszweck“ eines Fanklubs. Das jedenfalls weiß Thilo Henze aus Linz zu berichten. Für seine „Mittelrhein-Borussen“ sind die Borussen vom Niederrhein der Nabel der Fußballwelt. Einen Ausblick auf die kommende Saison fällt noch gemischt aus, aber Daumendrücken ist für Fans Ehrensache. Unter den 50 Mitgliedern im Fanklub von Bourussia Mönchengladbach sind laut Henze fast die Hälfte Jugendliche. „Da haben die Väter aus den Meisterjahren die Begeisterung wohl vererbt.“

Aktueller ist da so mancher Begeisterungssturm um den Vize-Meister Schalke 04. Die Vettelschosser Knappen wollen jedenfalls viele Heimsiege bejubeln. Abfahrten der Schalke-Fans erfolgen übrigens immer wieder von einer Tankstelle in der Region, einer blau-weißen.

Die Schalke-Oma ist eher eine Ausnahme

Wenn der SWR Anfang August eine Reportagenserie aus dem Westerwald startet, dann geht es auch um die erstaunlich häufig hier anzutreffende Schalke-Liebe. Manuela Müller aus Nordhofen wird dann nämlich als Schalke-Oma vorgestellt. Grundsätzlich ist die Fanszene im Land aber jünger. Im Jahr 2017 waren laut Statistik rund 13,8 Prozent der deutschen Fußball-Fans jünger als 39 Jahre.

Von 24 bis 70 reicht die Altersklasse bei den Wäller-Borussen, die vor einigen Monaten als BVB-Fanklub geründet wurden. Claudia Störmer berichtet, dass es inzwischen schon 26 Mitglieder sind, die mit Spannung die neue Saison erwarten.

Einmal Dortmund, immer Dortmund

Sie selbst ist vor 20 Jahren aus dem Ruhrgebiet in den Westerwald gezogen, erklärt aber eindeutig: „Einmal Dortmund, immer Dortmund.“ Im Gegensatz zu manchen anderen Klubs nehmen die Wäller-Borussen auch noch weitere Mitglieder auf. „Man erreicht uns leicht via Facebook“, erklärt Störmer.

Claudia Störmer ist der lebende Beweis dafür, dass Fanklubs keine absolute Männerdomäne sind. Mit 58,6 Prozent Anteil haben die Männer laut Statistik nur eine knappe Mehrheit in der Szene.

Auffallend ist, dass dutzende von Fan-Seiten im Internet derzeit ins Leere laufen. Offenbar hat die Diskussion um verschärfte Datenschutzverordnungen viele Fanklubs zum Abschalten animiert. (fu)

 

 

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