Erst Umzug, dann Aschekreuz und Fischessen

Auch wenn am Veilchendienstag kurz vor Mitternacht so mancher Jeck ein trauriges „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ anstimmt – das Leben geht weiter. Für viele mit einem Aschekreuz und dem Fischessen.

Fischhändler

An Aschermittwoch sei vor allem Pikantes gefragt, weiß Fischhändler Khodr Kanaan.
Bild: Presseagentur Funk

Seit dem 6. Jahrhundert markiert der Aschermittwoch das Ende des Karnevals und im kirchlichen Kalender den Beginn der Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest. Er erhielt seinen Namen, weil an ihm Asche der Palmen vom Palmsonntag des vergangenen Jahres geweiht und den Gläubigen vom Priester auf Stirn oder Scheitel gestreut wird. Schon die Menschen im alten Testament „hüllten sich in Sack und Asche“, um ihrer Bußgesinnung Ausdruck zu verleihen. Asche wurde früher als Putzmittel verwendet und ist so neben der Vergänglichkeit, der Buße und Reue auch ein Symbol für die Reinigung der Seele.

An die Vergänglichkeit des Menschen erinnern viele Liturgen mit den Worten: „Gedenke, o Mensch, du bist Staub, und zum Staube kehrst du zurück.“ Bei der Gestaltung seiner Aschermittwoch-Gottesdienste indes fordert Pfarrer Dr. Herbert Breuer vom Pfarrverband Bad Honnef ermunternd auf: „Bekehre Dich und glaube an das Evangelium, an die Frohe Botschaft!“ Dabei betont der Geistliche, „dass Gott für jeden und jederzeit ein Leben in hoher Qualität, Frieden und Gerechtigkeit wünscht.“

„Nach der Session ist vor der Session“

Die Tradition, den Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn zu zeichnen, gibt es in der katholischen Kirche seit dem elften Jahrhundert. Wann das Fischessen zur Tradition wurde, hingegen lässt sich nicht exakt datieren. Für viele Karnevalsgesellschaften gehört es einfach zum guten Ton, den Aktiven und allen Helfern mit einem solchen Mahl Dankeschön zu sagen. „Zu unserem Fischessen ohne Aschekreuz zu kommen, ist für viele unserer Mitglieder nahezu undenkbar“, weiß Jan-Erik Burkhard von den Stadtsoldaten Rut-Wieß Linz von 1934 zu berichten.

Und für Jörg Kessel, Zugleiter KG Unkel ist klar: „Wir danken mit unserem Fischessen  insbesondere denen, die ihre Liebsten in der langen Session entbehren mussten.“ Währenddessen richtet Andreas Schwager, Zugleiter der Großen Karnevalsgesellschaft Erpel seinen Blick bereits auf Kommendes: „Das traditionelle Fischessen ist für unsere Gesellschaft Ende und Neuanfang zugleich. Denn nach der Session ist vor der Session.“

Dass es zur Herausbildung des Fischessens am Aschermittwoch kam, führen manche übrigens eher auf ein Gegenmittel zum Alkoholkonsum der närrischen Tage als einen Ausdruck der Buße zurück. Andere wiederum führen an, dass Fisch an diesem Tag wie alles, was unter Wasser lebt, erlaubt, ist, weil er, anders als das Fleisch, nicht gekreuzigt wurde.

Andere wiederum sehen im Essen von Fisch einen Verweis auf Christus, da der Fisch schon früh zum Erkennungszeichen der Christen wurde. Eine weitere Erklärung ist, dass Fleisch einst ein teures Luxusgut war, Fisch ein Armeleute-Essen. Die Abstinenz von Fleisch war somit ein Verzicht auf eine Delikatesse.

Heute allerdings haben sich die Verhältnisse gewandelt, ist Fisch gefragt wie noch nie. „Pikantes wie Brathering und Heringssalat ist gerade an Aschermittwoch sehr gefragt, doch in der Fastenzeit greifen die Kunden auch gern zu Rotbarsch, Kabeljau und Seelachs“, weiß Khodr Kanaan zu berichten, der mit seinem Fisch-Mobil donnerstags und freitags in Asbach und seit neuestem auch mittwochs in Unkel auf den Vorteil-Center-Geländen seine frische Ware aus Bremerhaven anbietet.

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