Über die Ursprünge von Halloween, Reformationstag und Allerheiligen


Feiertage als Wirtschaftsfaktor

Am 31.Oktober ist es wieder soweit: Millionen Kinder, Jugendliche und mitunter auch Erwachsene ziehen in der abendlichen Dämmerung in mehr oder weniger gruseliger Verkleidung durch Deutschlands Straßen. Es wird an Türen geklingelt und mit der meist freundlichen Drohung „Süßes, sonst gibt‘s Saures“ Naschwerk verlangt. Was den Kirchen zur argwöhnisch beäugten Konkurrenz ihrer Feiertage erwachsen ist, entwickelte sich für Spiel- und Süßwarenindustrie zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor.

Himmel und Hölle sind sich wohl nie so nah, wie in der letzten Oktobernacht. Während die einen der Heiligen oder der Reformation der Kirche gedenken, verkleiden sich andere als Höllenwesen und feiern rauschende Feste.
Bild: cornfreak

Wo liegen eigentlich die Ursprünge von Halloween, Reformationstag und Allerheiligen? Beginnen wir chronologisch mit dem ältesten Feiertag – dem katholischen Allerheiligen. Er wird am 1. November begangen und ist in den fünf süd- beziehungsweise südwestlichen Bundesländern gesetzlicher Feiertag. Wie der Name schon sagt, wird an diesem Tag der Heiligen gedacht – auch jener, die nicht offiziell heiliggesprochen wurden.

Weil es aber schon von diesen viel zu viele gibt, um jedem einen eigenen Feiertag zu widmen, führte man das „Fest aller Heiligen“ ein. Unter Gregor III., Papst von 731 bis 741, wurde das „Fest aller heiligen Märtyrer“ vom 13. Mai auf den 1. November verlegt.

Bereits am Vortag feiert die evangelische Kirche den Reformationstag. Am 31. Oktober 1517, wohl nicht zufällig am Vorabend von Allerheiligen, soll Martin Luther seine 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen und damit letztlich die Reformation eingeleitet haben.

Im Sündenerlass gegen Geld – das der katholischen Kirche in Rom zufloss – sah Luther einen Missbrauch. Heute feiert man den Reformationstag (Reformation = Erneuerung) als Beginn der kirchlichen Erneuerung durch Luther. Anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation ist der 31. Oktober 2017 nicht nur in den östlichen Bundesländern mit überwiegend protestantischer Bevölkerung ein Feiertag, sondern bundesweit. Die Ministerpräsidentenkonferenz hatte sich im Dezember 2012 dafür ausgesprochen.

Aus Sonnenwendfest wurde Halloween

Am selben Tag ist zudem Halloween. Der Name leitet sich aus dem anglo-amerikanischen „All Hallows’ Eve“ („Allerheiligen Vorabend“) ab. Seinen Ursprung hat Halloween in dem keltischen Fest Samhain („Ende des Sommers“). Es wurde angenommen, dass am Übergang der Jahreszeiten Kontakt zwischen der Geisterwelt und den Sterblichen möglich sei. Samhain galt in der irischen Mythologie deshalb als die Nacht der Begegnung zwischen Lebenden und Toten.

Irische Auswanderer brachten das Fest, bei dem man sich die Geister mit gruseligen Masken vom Leib zu halten versuchte, im 19. Jahrhundert in die USA und nach Kanada. Seit den 90er Jahren wird auch in Deutschland Halloween gefeiert. Als 1991 die großen Karnevalsumzüge wegen des Golfkriegs abgesagt wurden, suchte die Spielwarenindustrie einen neuen Absatzmarkt.

Man importierte Halloween – und erzielt heute einen zweistelligen Millionen-Umsatz mit Kostümen, Perücken, Masken und Schminke. Natürlich profitiert auch die Süßwarenbranche: Für sie ist Halloween – nach Weihnachten und Ostern – inzwischen das drittwichtigste saisonale Ereignis. Mit speziellen Artikeln wie Gespensterfiguren aus Schokolade oder Fruchtgummi werden mehrere Millionen Euro umgesetzt.

Apropos Süßwaren: Im Lutherjahr sind auch Luther-Bonbons erhältlich. (cm)

 

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