Verändern sich unsere Beziehungen?


Freundschaft im digitalen Zeitalter

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“, so beschrieb Aristoteles vor mehr als 2000 Jahren seine Idee der Freundschaft, die uns auch  heute nicht fremd erscheint. Ehrlichkeit, Vertrauen und Freude am Zusammensein sind Werte, die die meisten Menschen als essenziell für eine gute Freundschaft halten. Doch während sich die Werte der Freundschaft kaum verändert haben, hat sich das Verständnis von Freundschaft im digitalen Zeitalter doch gewandelt.

Von Carolin Klein

Noch vor einigen Jahren wurden Freundschaften vor allem im Sportverein, auf Dorffesten oder in Schule und Beruf geschlossen. Heute helfen Facebook, WhatsApp und Konsorten nicht nur dabei solche Freundschaften auch über weite Distanzen aufrechtzuerhalten, sondern auch dabei neue Kontakte zu knüpfen.

Netzwerke wie Facebook verändern die Art, wie wir mit Freunden kommunizieren. Aber ändern sie auch die Freundschaft an sich?
Bild: geralt

Wenn also Chatverläufe direkte Kommunikation ersetzen und gemeinsame Erfahrungen hauptsächlich auf virtuellem Terrain gemacht werden, hat die „reale“ Freundschaft dann ausgedient? Was bedeutet es für junge Menschen heute, Freunde zu sein und welche Rolle spielen digitale Medien dabei?

Die 19-jährige Elise Bauer aus Neustadt, die erst vor Kurzem mit einer Online-Bekanntschaft im Urlaub war, erzählt, dass es für sie keinen großen Unterscheid zwischen Freundschaften gibt, die sie in der Schule geschlossen hat und jenen, die im Internet begonnen haben. „Letztendlich liegt der einzige Unterschied darin, dass ich mit Freunden, die in meiner Nähe wohnen, mehr Erfahrungen aus dem Alltag teile. Das bedeutet aber nicht, dass Freunde, die in einer anderen Stadt wohnen, nicht genauso viel über mich wissen können, wie meine Freunde aus Neustadt.“

Das Wichtigste in einer Freundschaft, so die angehende Statistik-Studentin, sei, dass man zusammen Spaß hat. „Aber auch Ehrlichkeit ist extrem wichtig.“ Außerdem sei es entscheidend, „dass sich meine Freunde mit mir über meine Erfolge freuen können. Neid ist in einer Freundschaft vollkommen fehl am Platz.“

Wenn es um gemeinsame Interessen geht, berichtet Elise, sei es gar nicht so dramatisch, „wenn man sich für komplett unterschiedliche Themen begeistert. Ich finde es sogar sehr spannend mit Freundinnen zu reden, die sich in ihrer Freizeit ganz anderen Hobbys widmen als ich. Von Bedeutung ist nur, dass man am Ende des Tages über dieselben Dinge lachen kann“

Ähnlich sieht es auch Minh Châu Ðào: „Eine Freundschaft darüber zu definieren, ob man dieselben Interessen hat, halte ich für sehr oberflächlich. Nur weil zwei Menschen dieselben Hobbys haben, kann man trotzdem noch eine ganz andere Einstellung zum Leben haben und charakterlich gar nicht zueinander passen. Letztendlich höre ich einer Freundin, wenn sie über ihre Neigungen spricht, ja auch nicht nur zu, weil mich das Thema reizt, sondern viel mehr, weil ich mich für die Person selbst interessiere.“

Reine Online-Freundschaften sieht die 16-Jährige allerdings kritisch. „Ich denke es ist unverzichtbar sich in Wirklichkeit kennenzulernen. Freundschaft hat für mich viel mit intuitiver Bindung zu tun und das ist ein Gefühl, dass man über soziale Netzwerke nicht künstlich erzeugen kann. Natürlich ist es gut, dass das Internet dir ermöglicht, über größere Distanzen neue Kontakte zu knüpfen oder zu halten. Jedoch musss ich eine Person in Wirklichkeit getroffen haben, um sie als wirklichen Freund bezeichnen zu können“.

Die Vorzüge digitaler Medien weiß sie dennoch zu schätzen: Vor Kurzem hatte sie zwei Freundinnen aus Bulgarien nach zwei Jahren über die Internetplattform Instagram wiedergetroffen und dann auch in Bulgarien besucht. „Es war so viel wert, dass ich die Chance bekommen habe, mit beiden den Tag zu verbringen und einfach zu reden.“ Über diese Gespräche denke sie noch oft nach und sie habe gemerkt, was für interessante Bekanntschaften sie gemacht habe. Es sei schön zu sehen, „dass unsere Freundschaft nicht einfach im Sande verlaufen ist.“

In vielen Fällen ersetzen also die sozialen Netzwerke keine realen Freundschaften, sondern stärken und ergänzen sie. Auch 2018 sind Freunde immer noch die gleichen, sympathischen Menschen, die sich unsere Sorgen anhören und mit uns lachen, wenn wir uns freuen. Wie diese Freundschaften gepflegt und aufrechterhalten werden, per Besuch oder über WhatsApp-Nachrichten, kann immer noch jeder für sich selbst entscheiden.

 

 

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